Er nimmt auch Spieler in die Pflicht

Fritz wundert sich über Umgang mit erstem Werder-Spiel

Nach dem 1:1 im ersten Werder-Spiel der Saison gegen Hannover 96 wirbt Clemens Fritz als Leiter Profi-Fußball für Verständnis für die Vereins-Situation. Er nimmt aber auch die Spieler in die Pflicht.
26.07.2021, 18:46
Lesedauer: 3 Min
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Von Björn Knips
Fritz wundert sich über Umgang mit erstem Werder-Spiel

Clemens Fritz.

Andreas Gumz

Nein, das vergangene Wochenende hat Clemens Fritz nicht gefallen – und das lag nicht nur am enttäuschenden 1:1 seines SV Werder Bremen zum Zweitliga-Auftakt gegen Hannover 96. Dem Leiter Profi-Fußball ist auch die anschließende Bewertung sauer aufgestoßen, wenngleich er die Reaktion der Fans, die nach dem Spiel gepfiffen haben, durchaus nachvollziehen kann.

Fritz, der in dieser Saison bei den Spielen anstelle von Sportchef Frank Baumann auf der Bank sitzt und als Sprachrohr des Clubs fungiert, wirbt insgesamt um mehr Verständnis für die schwierige Situation des SV Werder, nimmt dabei aber auch die Spieler in die Pflicht.

„Natürlich wollten wir mit einem Heimsieg starten, um eine gewisse Euphorie zu entfachen. Das ist uns mit dem Spiel nicht gelungen“, gesteht der Ex-Profi. Die ersten 15 Minuten seien ganz ordentlich gewesen, der Start nach der Pause sogar ganz gut. „Da war Zug und Mut drin. Da haben wir uns auch mit dem Tor belohnt. Doch nach dem 1:1 hat eine Verunsicherung eingesetzt. Das darf so nicht passieren, da müssen wir an unserem Plan festhalten“, kritisiert der 40-Jährige das Verhalten der Spieler.

Er nimmt sie allerdings umgehend in Schutz und erinnert – wie zuvor schon Trainer Markus Anfang – an die schwierigen letzten beiden Jahre inklusive des Abstiegs: „Wir haben es auch mit Menschen zu tun, die nicht auf Knopfdruck völlig befreit aufspielen können.“ Das Selbstvertrauen müsse sich weiter im Training und in den Spielen erarbeitet werden. Völlig unabhängig davon, was in den nächsten Wochen noch alles passieren könne.

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15 bis 20 Transfers hält Baumann bis Ende August für möglich, hat der Sportchef vor gut einer Woche über die Kanäle des Vereins verkündet. Quasi jeden Spieler kann es treffen. Denn Werder braucht Transfereinnahmen von möglichst 20 Millionen Euro und Einsparungen bei den Gehaltszahlungen, um die Saison finanziell zu überstehen. Gleichzeitig soll ein Teil dieses Geldes dafür verwendet werden, um den Kader den Bedürfnissen des Trainers anzupassen.

Doch da hakt es aktuell gewaltig, Werder bekommt seine Spieler nicht verkauft. Nicht einmal einen Ludwig Augustinsson, der als Linksverteidiger und EM-Teilnehmer für Schweden eigentlich Interessenten en masse anlocken müsste. Doch bislang sind nur völlig inakzeptable Angebote für Augustinsson eingegangen. „Wir jammern nicht“, betont Fritz: „Aber wir müssen auch realistisch sein. Der Transfermarkt ist in diesem Sommer nun einmal extrem ruhig. Wir können und wollen die Spieler nicht verschenken.“ 

Also muss sich Trainer Anfang gedulden. Er weiß weder, wie lange ihm die meisten Spieler noch zur Verfügung stehen, noch kann er darauf hoffen, bald die gewünschten Flügelspieler zu bekommen. Die braucht es dringend für sein 4-3-3-System, an dem er seit Beginn der Vorbereitung festhält. Ungeachtet der Tatsache, dass der Kader gar nicht das Personal dafür vorhält.

Fritz sieht darin keinen Widerspruch. „Wir können doch jetzt nicht alles über den Haufen werfen, was wir uns in der Vorbereitung erarbeitet haben, und sollten auch nicht so viel über Systeme sprechen“, fordert der Leiter Profi-Fußball und fügt noch leicht verärgert an: „Ich habe das Gefühl, dass gerade versucht wird, einen Keil zwischen Frank Baumann und mir auf der einen Seite sowie Markus Anfang auf der anderen Seite zu treiben. Das ist für mich nicht in Ordnung!“ Die Zusammenarbeit mit dem neuen Coach sei gut, alle Beteiligten würden den „größtmöglichen Erfolg“ anstreben: „Der Trainer ist in alle Planungen und Entscheidungen eingebunden. Es ist in diesem Jahr aber einfach so, dass man bei den Transfers Geduld haben muss.“

Eine Eigenschaft, die bei vielen Werder-Fans in den vergangenen zwei Jahren doch arg gelitten hat. Zu oft sind sie letztlich von den Leistungen der Mannschaft enttäuscht worden. Der Abstieg tat weh, trotzdem wurde sich auf die neue Saison gefreut – in der Hoffnung, dass es nun zumindest ein bisschen besser und ansehnlicher würde. Doch der Kick gegen Hannover erinnerte sehr an Spiele aus der Vorsaison. Es gab kaum Torchancen, die Mannschaft agierte schnell verunsichert.

Diesmal mussten sich die Anhänger in der Corona-Pandemie nicht nur vorm Fernseher ärgern, sondern durften ihren Frust erstmals wieder im Stadion loswerden. „Ich kann die Unzufriedenheit und den Unmut der Fans verstehen. Wir haben auch einen anderen Anspruch, wir wollen eine andere Leistung anbieten“, betont Fritz: „Aber das Spiel hat auch gezeigt: Durch diese Liga gehst du nicht einfach so durch.“

Die Fortsetzung folgt schon am Samstag in Düsseldorf, wo eine Fortuna wartet, die mit einem 2:0-Sieg in Sandhausen in die Liga gestartet ist. Einfacher dürfte es dort gewiss nicht werden als gegen Hannover, dem wohlgemerkt nur Tabellen-13. der Vorsaison. Doch diese Vergleiche hält Fritz für Unsinn, die 2. Liga sei nun einmal extrem ausgeglichen. In jeder Partie müsse hart gearbeitet werden, um zu punkten. Und nicht nur dort. Die sportliche Leitung sei bestrebt, möglichst bald der Mannschaft ein Gerüst zu geben, so Fritz: „Ich kann versprechen: Wir arbeiten alle sehr intensiv daran und werden das auch hinbekommen.“ Einen Zeitpunkt mag er dabei allerdings nicht benennen.

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