E-Sport immer populärer

Computerspielen als Beruf

Professionelles Videospielen gewinnt an Bedeutung - auch im Norden: Große Vereine wie Werder Bremen und der HSV gründen eigene E-Sport-Abteilungen. Einzelne Spieler können vom Gaming sogar leben.
25.10.2018, 11:37
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Von dpa
Computerspielen als Beruf
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Wenn Profisportler Danny Liepolt trainiert, sitzt er in einem abgedunkelten Raum seines Reihenhauses in Hamburg-Jenfeld in einem schwarzen Ledersessel. Stundenlang steuert er dann über einen Spielcontroller in seiner Hand kleine Fußballer auf einem großen Bildschirm. Der 22-Jährige betreibt E-Sport, was die Abkürzung für elektronischen Sport ist. Mit anderen Worten: Der junge Mann zockt und verdient damit sein Geld.

Danny spielt „Fifa“ - ein Fußballsimulationsspiel, bei dem man mit virtuellen Mannschaften gegeneinander antritt. Zwischenzeitlich stand er auf der Liste der weltbesten „Fifa“-Spieler auf Platz eins, wie er stolz erzählt. „Meine Stärke ist auf jeden Fall das Tricksen. Dafür bin ich auch bekannt“, erklärt er, während einer seiner Akteure auf dem Bildschirm gerade den Gegner ausspielt und ein Tor schießt. Danny trägt eine schwarze Jogginghose und ein weißes T-Shirt, seine kurzen blonden Haare sind akkurat geschnitten. In einer Ecke liegt ein Stück Plastikrasen, darauf stehen ein Miniatur-Fußballtor und ein großer Pokal, den er kürzlich gewonnen hat.

Norddeutsche Klubs mischen mit

Auf Außenstehende mag E-Sport wie ein Nischenphänomen computerverrückter Nerds wirken. Tatsächlich ist es ein Trend, der sich immer größerer Beliebtheit erfreut. Schätzungen zufolge begeistern sich in Deutschland rund drei Millionen Menschen fürs Gaming, einige Hundert können zumindest einen Teil ihres Lebensunterhalts damit verdienen. Belastbare Statistiken gibt es aber noch nicht. Profi-Sportler spielen nicht nur von zuhause aus, sondern auch bei öffentlichen Wettkämpfen. Zum E-Sport-Turnier ESL One etwa werden am Wochenende in Hamburg Tausende Zuschauer erwartet. Dem Team, das sich im Spiel „Dota 2“ gegen die Konkurrenz durchsetzt, winkt ein Preisgeld in Höhe von 300 000 Dollar.

Weil das Geschäft mit dem E-Sport lohnt, steigen immer mehr große Sportvereine ein - auch in Norddeutschland: Der Hamburger SV hat seit kurzem eine eigene E-Sport-Abteilung für Amateure, Werder Bremen sogar zwei Profi-Spieler unter Vertrag. Der sportliche Erfolg sei aber nicht das einzige, was zähle, betont Dominik Kupilas, Leiter der Abteilung Content & Digital an der Weser. "Uns geht es auch darum, Botschafter zu haben, die den SV WerderBremen und seine Werte in der Gaming-Community bekannt machen." Beim FC St. Pauli und bei Holstein Kiel denke man über entsprechende Angebote nach, erklären Verantwortliche.

Sport oder kein Sport?

Danny ist noch Neuling im Profi-E-Sport, lange spielte er einfach zum Spaß. Bekannt wurde er mit einem Youtube-Account, den er seit seinem 14. Lebensjahr betreibt. In fast täglich erscheinenden Clips zeigt er seinen 800 000 Followern dort besonders schöne Tore oder gibt Tipps, wie sie ihre Teams bestmöglich zusammenstellen. Anfang des Jahres entdeckte ihn eine Agentur, nun ist er bei einem Team namens Fokus Clan unter Vertrag. Zu den Youtube-Einnahmen, die er für Werbung erhält, kommt jetzt noch ein festes Gehalt. Wie viel Geld so monatlich zusammenkommt, will er nicht verraten, aber es reicht für Markenklamotten und ein schickes Auto.

Bis zu sechs Stunden trainiert Danny täglich. Zocken ist für ihn Vollzeitbeschäftigung, eine anderweitige Berufsausbildung hat er nicht. Gerade übt er die perfekte Schusstechnik. Die hängt davon ab, ob man im richtigen Moment die richtige Taste auf dem Controller drückt - und auch davon, mit welchem Fingerdruck man das tut. Ob das Sport ist, ist in Deutschland umstritten. Die Bundesregierung hat die Anerkennung von Gaming als Sportart zwar in den Koalitionsvertrag geschrieben, das aber noch nicht umgesetzt. Im Ausland sieht das mitunter anders aus: In Korea etwa wird E-Sport staatlich gefördert.

Verbände wie der eSport-Bund Deutschland (ESBD) machen Druck. Die sportliche Leistung von E-Sportlern besteht laut ESBD darin, dass sie die Eingabegeräte richtig bedienen sowie das Spiel taktisch durchschauen und gleichzeitig schnell reagieren müssen. Außerdem würden Werte wie Toleranz und Fairness vermittelt, erklärt ESBD-Präsident Hans Jagnow. „E-Sport übernimmt die gleichen gesellschaftlichen Aufgaben wie der traditionelle Sport.“ Wäre Gaming als Sportart anerkannt, würden Vereine unter anderem von steuerlichen Erleichterungen und vereinfachten Verwaltungsstrukturen profitieren.

Danny hingegen kümmert die ganze Diskussion recht wenig: „Mir ist das eigentlich egal, ob man das Sport nennt oder nicht. Ich konnte mein Hobby zum Beruf machen - das ist toll.“

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