Brasilien: Umstrittene Rückkehr des Fußballs

Diego und Co. protestieren gegen Liga-Neustart

In Brasilien soll in Kürze wieder Fußball gespielt werden, dabei wird Höhepunkt der Corona-Pandemie im Mai erwartet. Mehrere Spieler wie der Ex-Werderaner Diego sprachen sich gegen diese Pläne aus.
06.05.2020, 11:24
Lesedauer: 1 Min
Zur Merkliste
Von dpa/wkf
Diego und Co. protestieren gegen Liga-Neustart

Diego spielt für den Copa-Libertadores-Sieger Flamengo.

imago images

Inmitten der sich zuspitzenden Corona-Pandemie und einer Kontroverse über die Rückkehr des Fußballs hat Internacional Porto Alegre als erster brasilianischer Verein wieder das Training aufgenommen. „Allen Vorschriften und der Sorgfaltspflicht folgend, hat die Mannschaft heute die ersten Einheiten bestritten“, schrieb der Klub aus dem Süden Brasiliens am Dienstag auf Twitter. Die Wiederaufnahme des Trainings knapp 50 Tage nach der Unterbrechung der Saison ist umstritten, da der Höhepunkt der Pandemie im größten Land Lateinamerikas erst im Mai erwartet wird.

Nachdem der rechte Präsident Jair Bolsonaro, der das Coronavirus verharmloste und nichts von Einschränkungen hält, sich kürzlich für eine baldige Rückkehr des Fußballs ausgesprochen hatte, stimmte das Gesundheitsministerium diesem Schritt in einem Brief an den Brasilianischen Fußballverband CBF zu, wie das Portal „Globoesporte“ berichtete. Die CBF schlägt demnach als Termin den 17. Mai vor.

Aus dem Fußball selbst regt sich jedoch Widerstand. „Die Brasilianer lieben Fußball und wollen ihn zurückhaben, uns geht es da genauso. Wir sind alle dafür, wieder zu arbeiten. Aber wir müssen über die Gesundheit aller nachdenken“, heißt es in einem am Montag veröffentlichten Video mit mehr als einem Dutzend Erstligaspielern. Unter den Profis, die ihre Bedenken deutlich machen, ist auch Diego. Der Spielmacher war von 2006 bis 2009 für Werder aktiv und gewann mit den Bremern den DFB-Pokal. Inzwischen spielt Diego für Flamengo Rio de Janeiro.

Bürgermeister und Gouverneure, die restriktive Maßnahmen umgesetzt und zuletzt teilweise verlängert haben, sprachen sich ebenfalls gegen einen Liga-Neustart aus. Belo Horizontes Stadtoberhaupt Alexandre Kalil sagte „ESPN“: „Jetzt an Fußball zu denken ist Schwachsinn.“ Die offizielle Zahl der Corona-Infizierten in Brasilien stieg am Sonntag auf mehr als 100.000, 7485 Menschen starben im Zusammenhang mit dem Virus bislang. Krankenhäuser und Friedhöfe sind vielerorts an ihre Grenzen gelangt, das System ist kollabiert. Einige Städte wie Rio de Janeiro, São Paulo oder Brasília setzen nun auf provisorische Kliniken, die auch in Fußballstadien entstanden sind. Im schlimmsten Fall könnte auf dem Rasen der Ball rollen, während nebenan Patienten gepflegt werden.

Mehr zum Thema
Lesermeinungen

Das könnte Sie auch interessieren

Das Beste mit WK+