Eilts‘ Erlebnisse - Teil zwei „Da gab es auch richtig auf die Nuss“

Dieter Eilts war Europameister, Deutscher Meister, Europapokalsieger. Für Mein Werder blickt die Werder-Legende auf besondere Erlebnisse seiner Karriere zurück. Heute: der Gewinn der Amateurmeisterschaft.
Lesedauer: 3 Min
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Von Dieter Eilts

Das war ein richtig großer Coup, der mir mit den Werder-Amateuren am 22. Juni 1985 gelang. Wir siegten im Finale um die Deutsche Amateurmeisterschaft gegen den DSC Wanne-Eickel im heimischen Weserstadion mit 3:0 und krönten eine überragende Saison. Es war für mich und viele meiner Mitspieler der erste Auftritt im Weserstadion. Wir alle hätten nach diesem für uns überraschenden Erfolg platzen können vor Glück und vor Stolz.

Glück und Stolz waren auch in den Gesichtern unseres Trainers Karl-Heinz Kamp und unseres Managers Rolf Behrens abzulesen. Sie hatten über das gesamte Jahr grandiose Arbeit geleistet und erheblichen Anteil an diesem Erfolg. Mit viel Menschenkenntnis, Fingerspitzengefühl und harter Arbeit haben sie es geschafft, aus vielen verschiedenen Charakteren, die fast alle das Ziel hatten, einen Profivertrag bei Werder Bremen zu bekommen, innerhalb kürzester Zeit eine echte Mannschaft zu formen. Eine Mannschaft, in der jeder jederzeit seine eigenen Bedürfnisse zurückgestellt hat und im Sinne der Mannschaft agiert hat. Alle waren bereit, sich für das Team zu opfern, und jeder hat sich über die Erfolge eines Mitspielers gefreut.

Wie man sich vorstellen kann, haben wir nach dem Erfolg kräftig gefeiert und es richtig krachen lassen. Für mich persönlich war nicht nur der Gewinn der Deutschen Amateurmeisterschaft mit den Werder-Amateuren sensationell, sondern die gesamte Saison war für mich überraschend positiv verlaufen. Nach dem Wechsel von meinem Heimatverein SV Hage, der damals in der Bezirksliga kickte, zu Werder schaffte ich es auf Anhieb, mir einen Stammplatz zu erkämpfen.

Es gab auch richtig auf die Nuss

Ich kam in allen 34 Spielen der damaligen Oberliga Nord zum Einsatz und erlebte einige Duelle, die die Zuschauer mitrissen und begeisterten. So gewannen wir unter anderem das Rückspiel gegen den SV Meppen mit 5:0 oder bezwangen den VfB Oldenburg in dessen Stadion Donnerschwee mit 7:3. Wie es für junge Mannschaften nicht unüblich ist, gab es aber auch in einigen Spielen richtig auf die Nuss. So mussten wir uns beispielweise auf dem heimischen Platz 11 dem OSC Bremerhaven mit 3:6 geschlagen geben, obwohl wir bis zur 60. Minute noch mit 3:1 in Führung gelegen hatten.

Im Laufe der Rückserie kam es auch zu ersten Gesprächen zwischen dem SV Werder Bremen und mir. Der Verein bot mir schon nach einem Dreivierteljahr einen Vertrag als Vertragsamateur an. Vertragsamateure wurden damals Spieler genannt, die schon regelmäßig bei den Profis mittrainieren durften, aber ihre Spieleinsätze bei den Amateuren bekamen. Ich nahm das Angebot an, denn so konnte ich in den Trainingseinheiten der Bundesligamannschaft viel lernen und in der Oberliga auf hohem Niveau permanent Spielpraxis sammeln.

Verträge können jungen Spielern im Wege stehen

Auch heute werden viele junge Spieler schon frühzeitig mit Profiverträgen ausgestattet. Diese Profiverträge erhalten die Spieler aber nicht immer nur aufgrund ihrer Leistung oder ihres Potenzials, sondern leider zum Teil auch, weil die Vereine bestimmte Auflagen erfüllen müssen. Diese Verträge sind für die jungen Spieler oftmals verlockend, doch sie können der weiteren Entwicklung durchaus im Wege stehen. Dies ist der Fall, wenn die jungen Spieler überhaupt keine Spielpraxis bekommen oder wenn das Gefühl entsteht, dass der Trainer nicht zu 100 Prozent vom Spieler überzeugt ist und sich nicht mit ihm auseinandersetzt.

Aber zurück zum Finale um die Deutsche Amateurmeisterschaft und der anschließenden Feier: In den frühen Morgenstunden nach dem Endspiel kam ich müde, aber glücklich in unserem Mannschaftshotel an. Ich ging gerade die Treppe hinauf, als mir mein Trainer Karl-Heinz Kamp begegnete. Er strahlte mich an, gab mir einen kräftigen Tritt in den Allerwertesten und sagte nur: „Mach‘ weiter so, dann packst du es auf jeden Fall!“ Der Tritt schmerzte schon ein wenig, aber seine Worte und das damit verbundene Vertrauen in meine Fähigkeiten machten mich total glücklich. Dass es bis zu meinem Startelfdebüt in einem Pflichtspiel für die Profimannschaft von Werder noch fast vier Jahre dauern sollte, wusste ich zu dem Zeitpunkt nicht.

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