Abstiegskämpfer Bittencourt schlägt Alarm

„Da unten wird anders Fußball gespielt“

Leo Bittencourt kennt sich im Abstiegskampf aus wie kaum ein anderer Werder-Spieler. Er weiß genau, worauf es dabei ankommt und hat die nötigen Attribute im Spiel gegen Mainz vermisst.
18.12.2019, 14:47
Lesedauer: 2 Min
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„Da unten wird anders Fußball gespielt“
Von Christoph Bähr
„Da unten wird anders Fußball gespielt“

Da ist es passiert: Leo Bittencourt foult den Mainzer Leandro Barreiro und sieht danach seine fünfte Gelbe Karte.

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Direkt nach dem 0:5-Debakel gegen Mainz stellten sich lediglich zwei Werder-Spieler den Fragen der Printjournalisten: Kapitän Niklas Moisander und Leo Bittencourt. Schon daran zeigt sich, dass der Offensivspieler, der erst Ende August von der TSG Hoffenheim ausgeliehen wurde, einer der wenigen Spieler ist, die bei Werder derzeit Verantwortung übernehmen. Bittencourt stemmt sich gegen die Krise, auf dem Platz und außerhalb. Auch der 25-Jährige war ratlos nach dem Desaster am Dienstagabend, doch er fand die richtigen Worte: „Wir müssen uns bei allen Fans im Stadion entschuldigen und vor allem bei unserem Trainer. Der hat das ganz und gar nicht verdient. Was wir abgeliefert haben, war eine absolute Frechheit.“

Werder startete mit Europacupambitionen in die Saison, der Abstiegskampf hat viele Spieler kalt erwischt – Leo Bittencourt gehört nicht dazu. Ihm kommt nun zugute, dass er den Abstiegskampf so gut kennt wie kaum ein anderer im Bremer Kader. Mit Energie Cottbus in der zweiten Liga und dann mit Hannover und Köln in der ersten Liga kämpfte er schon um die Existenz. Als die Kölner in der Saison 2017/18 abstiegen, kämpfte Bittencourt bis zum Schluss mit aller Vehemenz gegen das Unvermeidliche an.

Ist Werder bereit für den Abstiegskampf?

Dieser erprobte Abstiegskämpfer traf nach dem Mainz-Spiel eine alarmierende Aussage: „Du musst den Schalter finden. Da unten wird anders Fußball gespielt. Das haben wir jetzt gesehen und sind eiskalt baden gegangen.“ Ist Werder also immer noch nicht bereit für den Abstiegskampf? Bringen die Spieler überhaupt die Voraussetzungen dafür mit? Wer Bittencourt genau zuhörte, konnte durchaus Zweifel bekommen.

Frank Baumann hat diese Zweifel nicht. Der Sportchef betonte: „Ich kann es nicht hören, dass wir eine Mannschaft haben, die Abstiegskampf nicht kann. Wir haben es schon gezeigt in den letzten Jahren oder in dieser Saison bei Union Berlin und in Wolfsburg. Es gab Spiele, in denen wir gegen Widerstände angekämpft haben.“

Gegen Mainz war Bittencourt allerdings der einzige Feldspieler aus der Startelf, der sich wirklich wehrte. Nicht zufällig hatte er mit einem Pfostenschuss die beste Bremer Torchance. „Schon vor dem Wolfsburg-Spiel müsste jedem klar gewesen sein, in welcher Region wir uns bewegen“, unterstrich Bittencourt. „Die vielen Verletzten zählen nicht mehr als Ausrede. Du musst jetzt den Bock umstoßen. Es ist ein kompletter Scheißtag, aber wir haben noch 18 Spiele vor uns."

Gegen Köln gesperrt

Gegen Köln am Sonnabend müsse die Mannschaft ein anderes Gesicht zeigen, forderte er. Jedoch kann ausgerechnet Bittencourt gegen seinen Ex-Klub nicht mithelfen. Als das Mainz-Spiel längst gelaufen war, sah er in der 79. Minute für ein unnötiges Foul seine fünfte Gelbe Karte der Saison. „Es ist das Schlimmste, was mir passieren kann, dieses Spiel zu verpassen. Das kotzt mich an. Aber es ist jetzt scheiß egal, wer auf dem Platz steht. Es geht darum, Punkte für Werder Bremen einzufahren“, sagte er.

Als er den Mainzer Leandro Barreiro im Zweikampf am Fuß erwischte, sei er nicht mehr rechtzeitig weggekommen, erklärte Bittencourt. Ernsthafte Vorwürfe von Florian Kohfeldt gab es deswegen nicht. Der Trainer sagte: „Leo wollte in der Halbzeit, war laut. Er ist ein Spieler, der über den Einsatz kommt. Natürlich ist es dumm, sich in solch einer Situation die fünfte Gelbe Karte zu holen. Aber das ist eine Randnotiz.“

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