Werder Bremen Das Experiment ist vorerst geglückt

Bremen. Beim 1:1 gegen Leverkusen am Sonnabend haben für Werder viele junge Spieler auf dem Platz gestanden. Es hat funktioniert, die Mannschaft hat einen Punktgewinn gegen einen direkten Konkurrenten erzielt.
30.01.2012, 05:00
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Das Experiment ist vorerst geglückt
Von Oliver Matiszick

Bremen. Beim 1:1 gegen Leverkusen am Sonnabend hatten für Werder auf dem Platz gestanden: drei 18-Jährige, zwei davon Bundesliga-Debütanten. Ein Neuling in der Innenverteidigung, 20 Jahre alt. Dazu noch Mittelfeldspieler, die allesamt weit vom 25. Geburtstag entfernt sind. Und es hatte trotzdem insofern funktioniert, als dass ein Punktgewinn gegen einen direkten Konkurrenten dabei herausgekommen war. Ob die Verjüngungskur ein Bremer Zukunftsmodell sein kann, wird sich zeigen müssen. Aber es war ein Fingerzeig.

Das Spiel im Weserstadion war 20 Minuten alt, da stellte Florian Hartherz sich und die Zuschauer auf die Probe. Er, der sich erst seit Beginn eben jener Partie Bundesligaspieler nennen durfte, ließ ein paar Meter vor dem eigenen Tor Leverkusens André Schürrle, den elffachen deutschen Nationalspieler, aussteigen. Mal eben so, fast wie im Training; per Pirouette, die er mit dem Ball am Fuß drehte und dann nach vorne passte. Den Zuschauern, denen auf den Rängen wie auf der Werder-Bank, stockte einen Augenblick lang der Atem. Wäre die gewagte Aktion schief gegangen, hätte es wohl bestenfalls Kritik, schlimmstenfalls Häme für das Bremer Experiment mit einem 18-jährigen Debütanten auf der Linksverteidigerposition gesetzt. Doch es war ja nicht schief gegangen.

Also durfte im Weserstadion aufgeatmet werden. Auch bei Klaus Allofs. "Wenn man das ohne Not im eigenen Strafraum macht, dann ist das überflüssig", sagte Werders Sportchef später, "aber in der Situation war das gut. Und es zeigt, dass Florian die Fähigkeiten hat, das so zu lösen." Hartherz, das hatte Allofs beobachtet, "ist mit unheimlich viel Spaß bei der Sache". Und genau das hatte der vor seinem Debüt angekündigt: dass er vor allem Spaß haben wollte. Er hatte ihn bekommen. "So viel wie noch nie in meinem Leben", präzisierte Hartherz, "es ist ein Traum in Erfüllung gegangen."

Kennzeichnend für diese Partie war, dass auf Seiten der Bremer viele Träume in Erfüllung gegangen waren. Wenn auch nicht der vom dreifachen Punktgewinn, so aber der von einer hoffnungsvollen Zukunft. Denn Hartherz war ja nicht der einzige Jungspund gewesen. Tom Trybull, der vor ihm das linke Mittelfeld beackerte und das 1:0 vorbereitete: 18 Jahre alt, zuvor ein Bundesligaspiel. Niclas Füllkrug, der nach etwas mehr als einer Stunde für Mehmet Ekici eingewechselt worden war: 18 Jahre alt, bisher kein Bundesligaspiel. Oder François Affolter der neue Innenverteidiger: 20 Jahre alt, bisher ebenfalls kein Bundesligaspiel. Auch wenn es mal mehr (Trybull, Füllkrug), mal weniger Abstriche (Hartherz, Affolter) zu verzeichnen gab: Sie alle hatten ihre Feuerprobe bestanden. "Es ist immer gut, wenn junge, hungrige Spieler auf dem Platz stehen", bilanzierte Hartherz, "darauf kann Werder aufbauen."

Gegen Leverkusen konnte Werder es nicht nur, sondern musste es angesichts der Personalsituation sogar. Doch dass diese extrem junge Bremer Mannschaft am Ende einen Punkt gegen einen direkten Konkurrenten verbuchen konnte, es war auch vom Gegner begünstigt worden. Denn weshalb Bayer-Trainer Robin Dutt nach einem Blick auf die Bremer Aufstellung nicht seine rechte Angriffsseite gegen das unerfahrene Duo Hartherz/Trybull stärkte und zunächst nur einen echten Angreifer ins Rennen schickte - es blieb sein Geheimnis. Fast 60 Minuten lang hatte seine zumindest nominell stärker besetzte Elf Werder stattdessen gewähren und das nötige Selbstvertrauen gewinnen lassen. "Diese Situation gegen Schürrle nach 20 Minuten", sagte dann auch Hartherz, "hat mir geholfen. Danach ging's ab nach vorne."

Zumindest bei ihm. Denn bei aller Euphorie durfte nicht übersehen werden: Das Bremer Mittelfeld - in der durchweg jungen Besetzung mit Philipp Bargfrede, Aleksandar Ignjovski, Trybull und Mehmet Ekici - ließ gegen Leverkusen noch einigen Spielraum nach oben. Und so wird es bei Werder spätestens dann, wenn sich die etablierten Kräfte zurückgemeldet haben, auch keinen Altersbonus geben - weder im Mittelfeld noch in der Abwehr. "Es geht immer nur nach der Leistung", betonte Allofs, "aber natürlich müssen die, die jetzt gegen Leverkusen in der Gruppe drin waren, von den anderen erst einmal verdrängt werden." Doch ein Fingerzeig, das war das Experiment gegen Bayer allemal.

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