Werder nach der Schalke-Pleite "Das hat uns richtig wehgetan"

Bremen. Es war eine erneute schmerzhafte Niederlage für Werder Bremen und Thomas Schaaf. Der Trainer findet nach dem 0:2 gegen Schalke 04 kritische Worte für den erneut enttäuschenden Eljero Elia.
07.04.2013, 09:02
Lesedauer: 3 Min
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Von Patrick Hoffmann

Bremen. Assani Lukimya hatte es ziemlich eilig. Der Bremer Abwehrspieler ist ja eigentlich immer für einen kurzen Plausch zu haben, egal, ob nach einem Sieg oder nach einer Niederlage. Am Sonnabend aber, nach dem 0:2 (0:0) gegen den FC Schalke 04, da wollte Lukimya einfach nur noch schnell unter die Dusche. Wortlos ging er an den wartenden Journalisten in der Mixedzone des Bremer Weserstadions vorbei, den Kopf gesenkt, die grünen Stutzen leicht heruntergerutscht.

Sein Trainer wäre nach dem Spiel vermutlich am liebsten gleich mit in der Kabine geblieben, so enttäuscht, wie er kurz nach dem Abpfiff wirkte. Das ging natürlich nicht, die Regularien der Bundesliga verpflichten ihn schließlich zur Teilnahme an der Pressekonferenz. Also gratulierte Thomas Schaaf im Mediensaal unter der Ostkurve erst einmal artig den Schalkern zum Sieg und dem FC Bayern München zum Gewinn der deutschen Meisterschaft. Und weil die Frage selbstverständlich kommen mussten, äußerte sich Schaaf auch zum, nun ja, unglücklichen Auftritt von Lukimya.

Man konnte es nämlich drehen und wenden wie man wollte: Es war der Innenverteidiger gewesen, der den SV Werder mit seinen beiden Fehlern um ein besseres Ergebnis gebracht hatte. Erst hatte es Lukimya nicht geschafft, den Ball im Strafraum vernünftig zu klären; Julian Draxler traf daraufhin zum 1:0 (51. Minute). Dann leitete er einen weiteren erfolgreichen Angriff der Schalker mit einem viel zu kurz geratenen Rückpass auf Torhüter Sebastian Mielitz gleich selbst ein. Raffael führte den Ball noch ein paar Meter am Fuß und legte dann in die Mitte zu Ciprian Marica, der mühelos das 2:0 erzielte (69.).

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Das warf nach dem Spiel Fragen auf. Zum Beispiel die, warum sich die Aussetzer bei Lukimya in letzter Zeit so häufen. Der Kongolese hatte sich ja schon in der vergangenen Woche in Mainz (1:1) einen bösen Schnitzer erlaubt, der zum frühen Rückstand geführt hatte. „Sie können davon ausgehen“, sagte Schaaf also, „dass Assani selbst enttäuscht ist, dass ihm die Fehler erneut passiert sind. Wenn einem zwei solche Fehler hintereinander passieren, dann wird das an einem nagen.“

Offenbar nagen diese individuellen Fehler aber nicht nur an Lukimya, sondern an der ganzen Mannschaft. Nach dem 0:1 waren die Bremer gestern jedenfalls nicht wiederzuerkennen. Nichts war mehr zu sehen vom tollen Angriffsfußball aus der ersten Halbzeit. Da hatten die Gastgeber mutig nach vorne gespielt, auch wenn dabei nur wenige echte Tormöglichkeiten heraussprangen. Zudem standen die Bremer gegen die – allerdings auch erschreckend schwachen – Schalker sehr kompakt, mit Aaron Hunt und Tom Trybull im defensiven Mittelfeld als zusätzliche Absicherung vor der Abwehr.

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Nach dem Seitenwechsel aber entwickelte sich plötzlich ein ganz neues Spiel. Schalkes Trainer Jens Keller hatte in der Kabine offenbar deutliche Worte gefunden, die Manager Horst Heldt später als Rambazamba beschrieb. Und der Trainer brachte Raffael für den völlig enttäuschenden Michel Bastos. Eben dieser Raffael bereitete kurz darauf beide Tore vor.

Denn auch das gehört zur Geschichte dieses Spiels. Jens Keller konnte auf die schwache Leistung seiner Mannschaft reagieren. Thomas Schaaf nicht. Auf der Bremer Ersatzbank nahmen gestern Nachmittag die Nachwuchsspieler Richard Strebinger (20 Jahre), Mateo Pavlovic (22 Jahre), Felix Kross (22 Jahre), Florian Hartherz (19 Jahre), Özkan Yildirim (19 Jahre) und Aleksandar Stevanovic (21 Jahre) Platz. „Wir müssen heute die Ausfälle unbedingt mit einberechnen“, sagte Schaaf deshalb. Nach Clemens Fritz, Zlatko Junuzovic, Lukas Schmitz, Mehmet Ekici und Theodor Gebre Selassie musste nämlich wenige Stunden vor Anpfiff auch noch der gerade erst wieder genesene Philipp Bargfrede verletzungsbedingt absagen. Der Mittelfeldspieler hatte beim Abschlusstraining am Freitag einen Schlag aufs Knie bekommen. „Das hat uns heute richtig wehgetan“, sagte Schaaf.

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Für Bargfrede war Hunt ins defensive Mittelfeld gerückt, in der Offensive kamen Marko Arnautovic und Eljero Elia erstmals nach längerer Zeit wieder von Beginn an zum Einsatz. Während Arnautovic vor allem in der ersten Halbzeit überzeugte, war Elia ein Totalausfall. Gut möglich, dass es für den niederländischen Flügelstürmer in den kommenden Wochen etwas ungemütlicher wird an der Weser. „Wenn man längere Zeit nicht gespielt hat und dann eine Chance bekommt“, sagte Schaaf zur Leistung von Elia, „dann muss man da sein.“ Elia war es nicht.

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