Werder-Gegner Leverkusen in der Analyse

Das ist Bayers gefährlichste Waffe

Bayer Leverkusen besitzt jede Menge Potenzial, hat derzeit aber mit einigen Problemen zu kämpfen. Als zentrale Figur kristallisiert sich der Shootingstar heraus, auf den Werder besonders aufpassen muss.
26.10.2018, 20:17
Lesedauer: 3 Min
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Von Stefan Rommel
Das ist Bayers gefährlichste Waffe
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Das sind Bayers Stärken:

Grundsätzlich ist Leverkusen, Werders Gegner am Sonntag (18 Uhr) im Weserstadion, eine Mannschaft, die problemlos von einer Grundordnung in die andere wechseln kann, Trainer Heiko Herrlich machte und macht davon auch regen Gebrauch. In dieser Saison hat sich das 4-2-3-1 allerdings als die Leverkusener Standard-Grundordnung etabliert, mit zwei sehr defensivstarken Sechsern (Dominik Kohr und Lars Bender) und einer Dreierkette davor, die im Prinzip alles mitbringt: Kreativität, Spielwitz, Wucht, Tempo und Torgefahr.

Die Idee, Kai Havertz als Zehner zu installieren, hat sich als richtiger Schachzug erwiesen. Havertz kann seine strategischen Fähigkeiten voll zur Geltung bringen und über die rechte Seite zusammen mit Julian Brandt enge Verbindungen herstellen, die durch den gut nachschiebenden Rechtsverteidiger Mitchell Weiser noch unterstützt werden. Die rechte Angriffsseite ist Bayers Prunkstück, wenn es darum geht, sich bis vors gegnerische Tor zu kombinieren. Über die linke Seite mit dem viel direkteren Leon Bailey spielt Bayer auch mal einfacher durch.

Im Aufbau wird vergleichsweise schnell über die Außenverteidiger gespielt, um ohne die ganz große Ballzirkulation in die gewünschten Überladungen am Flügel zu kommen. Mit diagonalen Läufen aus dem Zentrum sollen diese Angriffe dann über den Flügel auch zum Durchbruch führen. Eine Variante ist das Freiziehen des Raums auf den Flügeln, wenn der ballnahe Außenverteidiger tiefer bleibt und so Platz schafft für den Flügelspieler davor, der dann entweder ins Eins-gegen-Eins geht oder mit einer Ablage Havertz sucht.

Im Pressing formiert sich Bayer in ein 4-4-2 um und schiebt mit seinen Flügelspielern aggressiv nach vorne. Ansonsten ist das Spiel gegen den Ball aber nicht besonders mutig oder riskant, sondern eher auf Kompaktheit und eine gewisse Stabilität ausgelegt. Die Viererkette ist im Zentrum mit Sven Bender und Jonathan Tah stark besetzt. Ebenso wie die Bank: Bayer hat sehr viele Möglichkeiten, um auf verschiedene Spielkonstellationen mit Spitzenpersonal zu reagieren.

Das sind Bayers Schwachstellen:

Trotz dieser vielen guten Ansätze hakt es phasenweise enorm bei der Werkself. Ein zentraler Kern von Bayers Spielidee funktioniert derzeit kaum: das Gegenpressing. Die Abläufe scheinen im 4-2-3-1 nicht gut aufeinander abgestimmt, es rutschen immer wieder Pässe des Gegners durch und machen sofort Druck auf die eigene Abwehrreihe. Auf der anderen Seite behagt Leverkusen ein hohes Pressing des Gegners kaum, Rhythmuswechsel im Pressing sind ebenfalls ein probates Mittel gegen eine Mannschaft, die sichtlich verunsichert ist und trotz ihrer Routine im Kader dann schnell anfängt zu schwimmen.

Probleme waren zuletzt auch immer wieder im Zuordnen der Gegenspieler zu sehen. Wenn sich der Gegner relativ starr in seiner Formation bewegt und selten wechselt, hat Leverkusen vieles im Griff. Gehen einzelne Spieler aber aus ihren Positionen, gerade im Zentrum, wird es schnell konfus. Angreifer werden dann nicht sauber in die Räume übergeben oder verfolgt, kurzzeitig entstehen immer wieder Unterzahlsituationen nah am eigenen Tor.

Unabhängig von den taktischen Problemen bleibt die Unbeständigkeit ein steter Begleiter der Mannschaft. Die Leistungsschwankungen auch innerhalb der Spiele sind enorm, bärenstarke Phasen wechseln sich mit unerklärlichen Schwächeperioden ab. So lag sie in der Europa League beim FC Zürich 0:1 hinten, drehte das Spiel durch zwei Treffer von Karim Bellarabi nach der Pause zwischenzeitlichen und verlor am Ende doch 2:3. Die ständigen Diskussionen um Herrlich sowie der eine oder andere Spieler unter Normalform (Tah, Bailey, Alario) verstärken diese Effekte.

Das ist der Schlüsselspieler:

Kai Havertz hat in den wenigen Spielen dieser Saison noch mal einen unheimlich großen Schritt in seiner Entwicklung gemacht. Der Nationalspieler nimmt derzeit gefühlt mehrere Hürden auf einmal, spielt als verkappter Zehner im 4-2-3-1 seine Stärken besonders in der Offensive voll aus. Havertz ist nicht der klassische Regisseur, sondern eine Mischung aus allen Positionen im zentralen Mittelfeld und bringt deshalb auch verschiedene Qualitäten ein: Passqualität, Zuspiele in die Tiefe, ein sauberes, kurzes Kombinationsspiel, Kreativität, Wucht und Präzision und einen sehr stark ausgeprägten Vorwärtsdrang, der sich in einer schlauen Strafraumbesetzung zeigt. Unter den vielen starken Offensivspielern ist Havertz derzeit Bayers gefährlichste Waffe.

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