Werder-Profi Gebre Selassie im Interview

"Das ist keine ideale Situation"

Bremen. Theodor Gebre Selassie spricht im Interview über seine persönliche Perspektiven bei Werder Bremen.
31.10.2013, 06:00
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"Das ist keine ideale Situation"

Theodor Gebre Selassie gibt im Training alles - für einen Einsatz in der Bundesliga hat es zuletzt trotzdem nicht gereicht.

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Theodor Gebre Selassie muss sich beim SV Werder derzeit mit der Reservistenrolle begnügen. Patrick Hoffmann sprach mit dem tschechischen Nationalspieler über dessen persönliche Perspektiven in Bremen und die Fortschritte im Deutschunterricht.

Herr Gebre Selassie, wie läuft‘s mit dem Deutschunterricht?

Theodor Gebre Selassie: Gut, gut ... Ich habe jede Woche einmal oder zweimal Unterricht.

Und, können Sie sich denn inzwischen schon mit den Kollegen in der Kabine auf Deutsch unterhalten?

Das ist jetzt nicht mehr so schwer wie am Anfang. Wenn die Leute langsam sprechen, verstehe ich mittlerweile fast alles. Ich probiere dann, auch auf Deutsch zu antworten. Aber in der Kabine spreche ich manchmal lieber noch auf Englisch.

Sprachlich machen Sie also große Fortschritte. Sportlich geht‘s hingegen nicht voran.

Ja, ich spiele nicht. In den vergangenen beiden Spielen war ich die ganze Zeit auf der Bank. Ich muss mich professionell verhalten und Geduld haben.

Clemens Fritz ist auf der rechten Abwehrseite vom Trainer gesetzt. Das ist vermutlich keine leichte Ausgangslage, oder?

Ja, das ist so. Aber es motiviert mich auch, besser zu werden. Ich muss im Training mehr machen, und dann kommt hoffentlich irgendwann meine Zeit.

Wären Sie denn auch auf einer anderen Position einsetzbar? In der Vorbereitung haben Sie ja kurzzeitig mal als Linksverteidiger gespielt.

Stimmt, aber ich glaube, das war nur, weil wir auf der linken Seite keinen anderen Spieler hatten. Kurz darauf wurde dann ja Santi (Santiago Garcia, Anm. d. Red.) geholt, und natürlich ist er zu Werder gekommen, um zu spielen. Also spielen jetzt Clemens und Santi – und ich muss warten.

Wie wär‘s mit einem Wechsel ins Mittelfeld?

Ich habe in meinem Leben schon sehr viele Positionen gespielt. Ich kann überall im Mittelfeld spielen, nur nicht auf der linken Seite. Rechts oder in der Mitte ist okay, das habe ich in der tschechischen Liga schon gemacht.

Trainer Robin Dutt hat kürzlich gesagt, dass ihm zwei, drei Spieler regelmäßig Bauchschmerzen bereiten, weil sie gut trainieren, und trotzdem nicht spielen können. Er hat dabei auch Ihren Namen genannt.

(lacht) Der Trainer hat da mit mir auch drüber gesprochen. Ich verstehe, dass er in keiner einfachen Situation steckt. Ist doch klar: Jeder Spieler möchte spielen. Ich auch. Natürlich ist das jetzt keine ideale Situation für mich. Aber es ist noch nicht kritisch.

Könnte es denn im Winter kritisch werden, falls Sie dann immer noch nicht regelmäßig zum Einsatz kommen sollten? Ist dann auch ein Vereinswechsel möglich?

Wir werden sehen. Ich weiß nicht, was in den nächsten Monaten passieren wird. Aber natürlich: Wenn es so bleibt wie jetzt, dann ist das nicht gut für mich. Aber das glaube ich nicht.

Sie sind im Sommer 2012 mit hohen Erwartungen nach Bremen geholt worden. Sie haben vorher eine tolle Europameisterschaft gespielt. Was ist danach schiefgelaufen?

Na ja, vergangene Saison war nicht einfach, für keinen von uns. Ich bin Teamplayer, und wenn es der Mannschaft gut geht, spiele ich auch gut. Bei der EM war das ganze Team gut, aber vergangene Saison in Bremen hatten alle Probleme.

In dieser Saison gibt es zwar auch einige Aufs und Abs, aber insgesamt wirkt die Abwehr gefestigter. Ist das auch Ihr Eindruck?

Ja, vergangene Saison haben wir sehr oft sehr offensiv gespielt, und hinten standen wir nicht so kompakt. Das war schwer zu verteidigen, wir mussten häufig eins gegen eins spielen. Diese Saison helfen wir uns gegenseitig mehr auf dem Platz.

Für Sie als Abwehrspieler ist das doch eine positive Entwicklung.

Natürlich, aber nur, wenn ich spiele. In der Bundesliga ist es wirklich schwer, immer eins gegen eins zu spielen, vor allem nach Ballverlusten.

Am Wochenende geht‘s gegen Hannover. Wie wichtig ist das Spiel nach der Enttäuschung in Wolfsburg?

Das ist ein sehr wichtiges Spiel. Das 0:3 in Wolfsburg war nicht gut, das war zu hoch.

Werder tut sich im eigenen Stadion derzeit aber ziemlich schwer. Im gesamten Kalenderjahr 2013 gab‘s erst zwei Heimsiege.

Gegen Augsburg, ja. Und der andere Gegner, war das Hannover?

Genau. Das war Anfang Februar. Ist der Druck im eigenen Stadion zu hoch?

Die Erwartungen der Fans sind im Weserstadion natürlich größer als bei Auswärtsspielen. Wir sollen das Spiel machen, und wir sollen das Spiel gewinnen. Aber momentan ist kein Spiel für uns einfach.

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