Werder Bremen empfängt den HSV Das Spiel der unberechenbaren Größen

Bremen. Starke Bremer gegen schwache Hamburger – ganz so einfach wird das Nordderby nicht. Denn der Gegner der Grün-Weißen ist unberechenbar, weil schwer angeschlagen. "Die werden hierher kommen und alles geben", warnt Werder-Kapitän Fritz.
10.09.2011, 05:00
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Das Spiel der unberechenbaren Größen
Von Oliver Matiszick

Bremen. Die Hamburger Fraktion unter den Medienvertretern, sie wollte es ganz genau wissen. Schließlich geht es dem HSV gerade mal wieder ziemlich schlecht - wie schlecht, das wollte man vor dem Nordderby gerne auch vom ewigen Rivalen Werder hören. Und zwar in allen Facetten. Es ging so weit, dass Thomas Schaaf beim obligatorischen Medientermin vor diesem Bundesligaspieltag gleich schon mal in einer Art Abgesang darlegen sollte, wie sehr ihm der HSV im Falle eines Abstiegs denn fehlen würde. "Nicht mit mir", sagte der Werder-Trainer energisch, "das mache ich nicht mit." Nicht zu einem Zeitpunkt, da erst vier Spieltage absolviert sind. Und schon mal gar nicht nicht vor einem stets brisanten Nordderby.

Schließlich verhält es sich damit ähnlich wie mit Pokalspielen. Beide haben ihren ganz eigenen Charakter, der sich allen Regeln und Vorhersagen widersetzt. Im Normalfall würde die Vorhersage vor diesem fünften Spieltag lauten: Werder, mit neun Punkten auf Platz drei, fegt den HSV, mit einem Punkt und der Schreckensbilanz von schon 14 Gegentoren das Tabellenschlusslicht, am Sonnabend (18.30 Uhr) aus dem Weserstadion. Vielleicht so, wie der HSV beim letzten Aufeinandertreffen die Bremer aus seiner Arena fegte. Nur: Auch jene 0:4-Abreibung, die sich die arg schwächelnden Bremer im Februar beim kaum weniger schwächelnden Erzrivalen abholten, hätte so damals niemand ernsthaft vorhersagen wollen. Und so warnen sie bei Werder lieber. Weil im ohnehin unberechenbaren Nordderby auch noch ein unberechenbarer, weil schwer angeschlagener Gegner wartet. "Das Tabellenbild trügt", sagt der neue Werder-Kapitän Clemens Fritz, "die werden hierher kommen und alles geben. Wir werden sehr aufpassen müssen."

Werder wird auch darauf aufpassen müssen, die gute Ausgangsposition, die man sich in den vergangenen Wochen hart erarbeitet hat, nicht leichtfertig aus der Hand zu geben. Denn ein weiterer Sieg heute würde bedeuten, dass sich die Bremer angesichts der dann folgenden, sicher nicht unmöglich erscheinenden Aufgaben Nürnberg und Hertha im Kampf um die Spitzenposition der Liga etablieren könnten. "Wir dürfen nicht träumen, sondern müssen zusehen, dass wir vernünftig spielen", sagt Sebastian Prödl im Versuch um etwas mehr Bodenhaftung, "es wird auch so schwer genug gegen den HSV."

Die Chance, endgültig in einen Lauf hineinzufinden, ist dennoch verlockend. Denn wie es andersherum gehen kann, in der Abwärtsspirale des Misserfolgs, das haben sie vergangene Saison zur Genüge erlebt. "Es fällt einem natürlich alles einfacher, wenn man mit positiven Erlebnissen weitermachen kann, als wenn man immer wieder einen draufbekommt", sagt Trainer Schaaf. Konzentration fordert er von seiner Mannschaft, Disziplin der Kapitän. Und das vor allem in der Defensive. "Denn unsere Qualität nach vorne haben wir bewiesen", sagt Fritz. Die Qualität in der Arbeit nach hinten dagegen schwankt - wie das Heimspiel gegen Freiburg bewiesen hat.

Doch auch so richten sich heute ohnehin alle Blicke auf die Werder-Defensive. Denn neben dem nach England abgewanderten Per Mertesacker (feiert heute sein Premier-League-Debüt für Arsenal gegen Swansea) muss Schaaf heute gleich auch noch einen neuen Linksverteidiger einbauen. Lukas Schmitz, der die Position bisher besetzte, muss für das Nordderby passen. Seine Kniebeschwerden waren auch gestern noch nicht so weit abgeklungen, dass er am Training mit der Mannschaft hätte teilnehmen können. Bleibt noch als Alternative: Aleksandar Ignjovski, der Neuzugang aus der zweiten Liga. "Ich kann die Position spielen, kein Problem", sagt der 20-Jährige über die traditionell schwierige Aufgabe auf der linken Außenbahn. Dass Ignjovski ihr gewachsen sein wird, steht für seine Mitspieler außer Frage. "Er hat's im Training gezeigt - da ist er aggressiv, stark am Ball. Er macht das gut", findet Marko Marin.

Bei ihm hat sich Ignjovski in den vergangenen Tagen gleich auch schon mal erkundigt, was es mit diesem besonderen Nordderby der Bundesliga eigentlich auf sich hat. "Ich habe ihm gesagt", erzählt Marin, "dass wir etwas gutzumachen haben nach dem letzten Spiel gegen den HSV." Mehr brauchte es nicht. Es kann losgehen.

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