Die Welt bei Werder: Côte d’Ivoire und Sanogo Der Alptraum der Königlichen

Werders Geschichte ist geprägt von Spielern aus aller Welt. Mein Werder wirft einen Blick auf den Globus und beleuchtet besondere Länder und Charaktere mit Bremen-Bezug. Diesmal: Côte d’Ivoire und Bouba Sanogo.
22.05.2019, 16:13
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Von Cedric Voigt

So ganz sicher war man sich in Werder-Fankreisen zunächst nicht, wie ernst diese Verpflichtung gemeint war. Doch zu Beginn der Saison 2007/2008 wurde er tatsächlich als Nachfolger des zum FC Bayern München abgewanderten Miroslav Klose vorgestellt: Boubacar Sanogo sollte das Unmögliche möglich machen und dabei mithelfen, die in der Vorsaison erreichten 28 Scorerpunkte des Nationalstürmers zu egalisieren.

Das Problem: Sanogo, von den Fans zu Lauterer Zeiten „Bobbycar“ gerufen, hatte in der Vorsaison für den Hamburger SV zwar bereits Champions-League-Erfahrung sammeln können und in der Königsklasse auch zweimal getroffen. In der Liga hatte es für Sanogo allerdings lediglich zu vier Toren und drei Vorlagen gereicht. Eine Bilanz, die im Guten wie im Schlechten sinnbildlich für Sanogos Zeit bei Werder sein sollte.

Im Format „Die Welt bei Werder“ zeichnet Mein Werder die dank Boubacar Sanogo bestehende Verbindung zwischen Bremen und der Elfenbeinküste nach.

Vom Flop zum Hoffnungsträger

4,5 Millionen Euro hatte Klaus Allofs sich die Dienste des bulligen Angreifers kosten lassen. Boubacar Sanogo hatte beim HSV nicht nachhaltig überzeugen können, obwohl dessen Jahre als Chaos-Klub noch eine Weile entfernt waren. Doch die Ansätze, die der Stürmer von der Elfenbeinküste an der Elbe und vor allem zuvor in Kaiserslautern gezeigt hatte, waren den Bremern das Risiko wert. In seinen frühen Jahren, in Tunesien bei Esperance Tunis und in den Vereinigten Arabischen Emiraten beim Al-Ain FC, hatte Sanogo ohnehin alles kurz und klein geschossen.

Und tatsächlich: In den ersten Monaten am Osterdeich schlug Sanogo ein wie eine Bombe. In seinen ersten zwölf Einsätzen kam der Ivorer auf 13 Scorerpunkte, schoss Werder durch die Champions-League-Qualifikation, schnürte in drei Minuten einen Doppelpack beim 8:1-Kantersieg über Arminia Bielefeld und traf bei der 1:2-Niederlage gegen Real Madrid im Estadio Santiago Bernabeu zum zwischenzeitlichen Ausgleich.

Prügel und Highlights

In den Folgewochen wurde Sanogos Bilanz nach und nach wechselhafter. Eine Knöchelverletzung setzte den Angreifer erst außer Gefecht, das Auswärtsspiel gegen Energie Cottbus verpasste er suspendiert. Zuvor hatte es im Training ein Handgemenge mit einem gewissen Carlos Alberto gegeben. Doch auch ein Treffer beim 2:1-Derbysieg über seinen Hamburger Ex-Klub gehört zur Geschichte Sanogos beim SV Werder.

Deren größter Höhepunkt kam allerdings bereits eine halbe Woche zuvor: Real Madrid gastierte im Weserstadion. Werder musste eine halbe B-Elf auf den Rasen schicken, da Diego, Tim Wiese, Tim Borowski und Hugo Almeida nicht zur Verfügung standen. Und trotzdem reichte es gegen Raúl, Ruud van Nistelrooy, Sergio Ramos und Co. zu einem 3:2-Erfolg – zu dem Boubacar Sanogo ein Tor und eine Vorlage beisteuerte.

Pech- und Wandervogel

An diese Leistungen sollte Sanogo jedoch nie wieder anknüpfen können. Immer wieder verpasste der Ivorer wegen kleinerer Blessuren oder Länderspielabstellungen wichtige Spiele für Werder, sodass sich zum Ende der Saison ein Sturmduo aus Markus Rosenberg und Hugo Almeida etablieren konnte. Sanogo fügte sich ein halbes Jahr lang in die Jokerrolle, dann versuchte er sein Glück ein halbes Jahr zur Leihe bei der TSG Hoffenheim – doch auch dort war Sanogo nur mäßig erfolgreich.

Kurz nach Beginn der nächsten Spielzeit, im August 2009, war für den Stürmer dann Schluss bei Werder: Die AS Saint-Etienne zahlte fünf Millionen Euro Ablöse, und Sanogo ging nach Frankreich. Nach drei Jahren zog der Ivorer weiter zu Energie Cottbus. Über Dibba Fujairah (VAE), NorthEast United (Indien), Al-Orooba (VAE) und Madura United (Indonesien) ging es im Herbst 2017 zurück nach Deutschland, zur Volkssportgemeinschaft Altglienicke. Nach 15 Spielen und einem Treffer dort beendete Sanogo seine aktive Karriere.

Fußballkultur an der Elfenbeinküste

Die „Elefanten“, wie die Nationalmannschaft der Elfenbeinküste genannt wird, erlebten vor der WM 2018 ein kleines Debakel: Nach drei erfolgreichen WM-Qualifikationen in Folge scheiterte man knapp vor dem Ziel an Marokko. Dabei war die Mannschaft zu den Glanzzeiten der Brüder Kolo und Yaya Touré sowie dem spät in seiner Karriere zum Weltklasse-Mittelstürmer gereiften Didier Drogba in den Jahren zuvor stets ein Geheimfavorit gewesen. Die Fußballbegeisterung des Afrikameisters von 1992 und 2015 ist dennoch ungebrochen – und die neue Generation um Nicolas Pépé, Franck Kessie und Jean-Philippe Gbamin steht bereits in den Startlöchern.

Einwohner der Elfenbeinküste: 23.740000 Millionen

Fläche der Elfenbeinküste: 322.463 km² (Deutschland: 357.386 km²)

Höchste Liga: Ligue 1

Rekordmeister: ASEC Mimosas

Bekannteste Fußballer: Didier Drogba, Yaya Touré, Salomon Kalou

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