Vorbereitung auf das Abstiegsendspiel Der Countdown bis Frankfurt

Nach dem 0:0 in Köln geht es für Werder nun in die Vorbereitung auf das Abstiegsendspiel gegen die Eintracht. Lesen Sie hier, wie sich die Mannschaft auf das Spiel für den Klassenerhalt warm macht.
09.05.2016, 00:00
Lesedauer: 4 Min
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Der Countdown bis Frankfurt
Von Marc Hagedorn

Nach dem 0:0 in Köln geht es für Werder nun in die Vorbereitung auf das Abstiegsendspiel gegen die Eintracht. Lesen Sie hier, wie sich die Mannschaft auf das Spiel um Klassenerhalt, Relegation oder Direktabstieg warm macht.

Der Start in die wahrscheinlich wichtigste Woche der jüngeren Vereinsgeschichte verlief unspektakulär. Die Sonne schien über dem Weserstadion, und die Profis, die am Sonnabend beim 0:0 in Köln in der Startelf gestanden hatten, setzten sich Sturzhelme auf und schnappten sich ihre Fahrräder zur Ausfahrt entlang der Weser. Die Ersatzspieler kickten derweil unter den Augen des Trainerteams ein wenig mit dem Ball. Alles wie immer bei Werder. Aber nur, was die Abläufe betrifft.

Denn in Wirklichkeit ist gar nichts wie immer. Werder hat in den vergangenen Jahren reichlich Bekanntschaft mit Abstiegskampf gemacht. Aber dass der Klub einen Spieltag vor Schluss noch nicht gerettet ist, das hat es seit dem Wiederaufstieg 1981/82 noch nicht gegeben. Werder spielt am nächsten Sonnabend im Weserstadion gegen Eintracht Frankfurt eine Art Finale. Werder hat oft in DFB-Pokal-Endspielen gestanden, auch in Europapokal-Finals hat es der Klub ein paar Mal geschafft, aber dieses Endspiel hätten sie sich am liebsten erspart. Dieses Spiel um Klassenerhalt, Relegation oder Direktabstieg.

Nur kurz zur Erinnerung, worum es geht: Wenn Werder den Klassenerhalt direkt schaffen will, muss Werder am Sonnabend gewinnen. Bei einem Unentschieden geht es mit ziemlicher Sicherheit in zwei Relegationsspiele am Donnerstag (19. Mai, Weserstadion) und am Montag (23. Mai in Nürnberg). Verliert Werder gegen Frankfurt, ist sogar der direkte Abstieg möglich.

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Finale passt zur Saison

„Es war irgendwie klar, dass es zu diesem Endspiel gegen Frankfurt kommen musste“, sagte Zlatko Junuzovic nach dem Köln-Spiel. Und Werders Mittelfeldspieler hat ja recht: Dieses Finale passt zu einer Saison, in der es Werder zu keinem Zeitpunkt geschafft hat, einmal für längere Zeit ohne Druck zu sein. Fast immer wieder ging es ums Ganze: mal um den Trainer, mal ums Abrutschen auf einen Abstiegsplatz, mal um ein Lebenszeichen von der Mannschaft. Clemens Fritz weiß, was die neue und doch so vertraute Konstellation an diesem 34. Spieltag jetzt kurzfristig bedeutet. „Wir haben intensive Arbeit vor uns“, sagt der Kapitän.

So läuft die Woche. Vor dem Heimspiel gegen Stuttgart ist Werder in ein Kurz-Trainingslager nach Verden gefahren. Zum Spiel in Köln ist Werder einen Tag früher als sonst angereist. Außerdem hatte Werder die Medienarbeit vor dem Stuttgart-Spiel komplett eingestellt und vor der Köln-Partie stark eingeschränkt. Beide Maßnahmen, so die einhellige Auskunft der Spieler, hätten der Mannschaft gut getan und die Konzentration aufs Wesentliche, nämlich aufs Fußballspielen, erleichtert.

Trotzdem ist es sehr fraglich, dass Werder vor dem Frankfurt-Spiel erneut eine besondere Maßnahme plant. „Es gibt gewisse Überlegungen zu diesem Thema“, sagt Geschäftsführer Thomas Eichin nur, ohne näher ins Detail gehen zu wollen. Im Kern müssen Werders Entscheider die Frage beantworten, ob ein Ausbruch aus dem Alltag per se ein Allheilmittel ist oder ob sich ein gesetzter Reiz beim dann schon dritten Mal binnen weniger Tage nicht vielleicht auch abnutzt. Klarer ist die Position des Klubs in der Frage nach der Medienarbeit. Spätestens zur Wochenmitte werden die Profis auch diesmal wieder von den Reportern abgeschirmt.

Selbstvertrauen durch Sportpsychologen

Stand heute bereitet sich Werder also nach dem gewohnten Muster auf Frankfurt vor. Heißt: An diesem Montag ist trainingsfrei, am Dienstag stehen Einheiten um 10 und 15 Uhr an, am Mittwoch und Donnerstag geht es je einmal auf den Platz, für Freitag ist das Abschlusstraining terminiert. Täglich dabei sein wird bis zum Saisonende der Sportpsychologe Andreas Marlovits, der seit einiger Zeit für Werder arbeitet. Marlovits beobachtet, analysiert und spricht sehr viel mit den Profis.

So holt sich die Mannschaft Selbstvertrauen. Das große Finale, auf das sie so gern verzichtet hätten, ist jetzt da. Also richten die Werder-Profis den Blick nach vorn und auf sich. „Ich habe keinen Bock, mich auf Frankfurt zu konzentrieren“, sagte Abwehrchef Jannik Vestergaard, als er auf die unheimliche Siegesserie des nächsten Gegners angesprochen wurde. „Wir spielen voll auf Sieg“, sagt Torwart Felix Wiedwald. Gerade ihm tat das 0:0 von Köln gut. Weil er prima gehalten hatte, und weil Werder erstmals in dieser Bundesliga-Saison ohne Gegentor geblieben war.

Zwar sagte Wiedwald am Sonnabend, dass die zuletzt auf 35 Spiele am Stück angewachsene Gegentorserie mannschaftsintern kein Thema gewesen sei, aber ein gutes Gefühl gibt das Zu-null den Werder-Profis offenbar dennoch. „Es ist schön, dass man mal einen Punkt mitnimmt, auch wenn man selbst kein Tor geschossen hat“, sagt Vestergaard. Konkurrent Frankfurt hat vorgemacht, wie viele Punkte man mit relativ wenigen Toren holen kann. Für ihre drei Siege gegen Mainz, Darmstadt und Dortmund reichten der Eintracht fünf Treffer, weil sie gleichzeitig nur zwei kassierte.

Rückhalt der Fans

Zumindest nicht gegen Werder spricht auch der Trend im letzten Saisonviertel. „Natürlich sind die Frankfurter in guter Form“, sagt Eichin. Und natürlich gab es auf Bremer Seite negative Ausreißer wie das Spiel gegen Augsburg und die erste Halbzeit gegen den HSV, aber überwiegend waren Werders Auftritte zuletzt ansprechend. „Wir wissen, was wir können“, sagt Wiedwald. Werder hat nach Dortmund die meisten Tore in der Rückrunde geschossen und in dieser Zeit 20 Punkte geholt, mehr als beispielsweise Köln, Wolfsburg, Hertha oder der HSV.

So bringen sich die Fans ein. Und dann ist da noch ein wichtiger Faktor: der Rückhalt der Fans. In Köln unterstützte eine imposante Bremer Reisegruppe die Bemühungen der Werder-Profis auf dem Rasen, 6500 Fans waren der Mannschaft hinterher gereist. „Die Stadt steht hinter uns“, hat Vestergaard festgestellt.

Das wird am nächsten Sonnabend nicht anders sein. Auch dann werden die Fans die Mannschaft wie zuvor bei den Spielen gegen Wolfsburg und Stuttgart bei der Ankunft am Stadion feiern, obwohl bis dahin noch gar kein Tor für Werder gefallen ist. „Ich weiß, dass die Fans wie ein Mann hinter uns stehen werden“, sagt Eichin, „aber klar ist auch: Sie werden den Ball für uns nicht ins Tor schießen.“ Das müssen in der Tat die Werder-Profis schon selbst machen.

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