So präsentieren sich die Zugänge

Der erste Eindruck zählt

Die vier Neuen stehen im Trainingslager besonders im Fokus. Mein Werder fasst zusammen, wie sich Martin Harnik, Kevin Möhwald, Felix Beijmo und Jan-Niklas Beste bisher im Zillertal präsentiert haben.
16.07.2018, 23:02
Lesedauer: 4 Min
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Der erste Eindruck zählt
Von Christoph Bähr
Der erste Eindruck zählt
nordphoto

Ein bisschen Spaß muss sein. Einige Werder-Fans machen sich im Parkstadion in Zell am Ziller immer mal wieder mit „Harnik, hinten rechts“-Gesängen bemerkbar. Die Rufe sind eine Anspielung darauf, dass Martin Harnik während seiner ersten Zeit bei Werder von Trainer Thomas Schaaf kurzzeitig mal zum Rechtsverteidiger umgeschult werden sollte. So richtig gefiel dem Stürmer diese defensive Rolle nicht und nach seiner Rückkehr zu Werder ist er natürlich auch für die Offensive eingeplant. Allerdings könnte die rechte Seite dabei wieder eine Option für ihn werden.

Nachdem die erste Phase des Zillertal-Trainingslagers beendet war, hat Trainer Florian Kohfeldt darüber gesprochen, was er mit Harnik plant und welchen Eindruck er von dem Angreifer hat. Auch zu den anderen Zugängen Kevin Möhwald, Felix Beijmo und Jan-Niklas Beste äußerte sich der Coach. Vom fünften Neuen Yuya Osako konnte sich Kohfeldt dagegen noch kein Bild machen, denn der WM-Teilnehmer weilt im Urlaub.

Martin Harnik

Nicht nur sein Kumpel Max Kruse freut sich, dass Martin Harnik wieder für Werder spielt. Auch bei den Fans im Zillertal ist der Rückkehrer sehr beliebt. Nach dem Training nimmt sich der 31-Jährige viel Zeit für die Anhänger. Dass er und Kruse ein neues Traumduo werden könnten, deutete sich schon beim Testturnier in Bremerhaven an. Auch in Zell am Ziller gibt es immer mal wieder Szenen zu sehen, in denen die beiden sich blind verstehen.

Einen Kruse und einen Harnik im Kader zu haben, ist also zweifellos ein Luxus, stellt Kohfeldt aber auch vor die Frage, wie er sie zusammen ins System integrieren kann. Beim 1:0-Testspielsieg gegen Duisburg spielte Kruse in der ersten Halbzeit im Zentrum eines Dreierangriffs und Harnik rechts. Nach der Pause bildeten beide einen Doppelsturm. „Mir ist klar, dass sich Martin vorne drin einen Tick wohler fühlt“, sagt Kohfeldt.

Wer genau hinhört, erkennt aber, dass dem Trainer die Variante mit Harnik auf der rechten Seite durchaus gefällt. Der Zugang von Hannover 96 bringe auf der Außenbahn die Torgefahr ins Spiel, die Werder von den Flügeln bislang gefehlt habe, findet Kohfeldt und verweist auf das Duisburg-Spiel: „Da hatte Martin sehr viel Zug zum Tor und hat immer wieder Tiefenläufe gezeigt. Ich bin sehr optimistisch, dass er eine große Verstärkung wird, auch auf der Position. Wir interpretieren die Außenpositionen ja ohnehin anders als in der vergangenen Saison.“

Kevin Möhwald

Ist der wirklich erst seit zwei Wochen dabei? Abseits des Platzes wirkt Kevin Möhwald im Trainingslager wie ein Spieler, der schon seit Jahren bei Werder unter Vertrag steht. Er redet viel mit den Teamkollegen, macht Späße, ist immer mittendrin und wird schon von allen nur „Mö“ genannt. „Er ist wirklich ein sehr offener Typ“, sagt Mitspieler Philipp Bargfrede über Möhwald.

Auf dem Platz fällt der Zugang aus Nürnberg durch Beweglichkeit und seine technischen Fähigkeiten positiv auf. In den beiden Testspielen am Sonntag durfte der Mittelfeldspieler in der vermeintlichen A-Elf gegen Duisburg auflaufen. Erst bekleidete der 25-Jährige die Achter-Position. Nachdem Bargfrede in der zweiten Halbzeit zurück in die Dreierkette gerückt war, übernahm Möhwald dessen Rolle als Sechser.

„Er hat sich sehr gut bewegt und ist unheimlich spielintelligent. Er findet Lösungen, die nicht immer vorgegeben sind“, lobt Kohfeldt den Neuen. Etwas Zeit, um sich auf das Werder-System einzustellen, braucht Möhwald aber. „Er muss noch einen Tick mehr in unsere Staffelung reinkommen“, sagt Kohfeldt.

Felix Beijmo

Der neue Schwede wirkt bislang skandinavisch zurückhaltend. In den Trainingseinheiten im Zillertal agiert Felix Beijmo unauffällig. Auch sein Auftritt im Testspiel gegen den tschechischen Erstligisten FK Pribram (1:1) offenbarte noch Luft nach oben. Der Rechtsverteidiger kam in der B-Elf zum Einsatz, denn die Rollenverteilung auf seiner Position ist eindeutig: Theodor Gebre Selassie ist gesetzt, Beijmo ist der Herausforderer.

Diese klaren Verhältnisse geben dem Schweden immerhin die Zeit, erst einmal in Ruhe anzukommen. Der Wechsel von Djurgardens IF zu Werder ist für den 20-Jährigen schließlich ein großer Schritt. Mit dem höheren Tempo hat Beijmo noch Probleme, das weiß auch Florian Kohfeldt. „Manchmal verzögert Felix die Entscheidung zu lange. In Schweden war die Sekunde mehr Zeit als hier. Man merkt bei ihm aber jeden Tag, dass er sich immer besser anpasst“, schildert der Trainer.

Beijmo lerne täglich dazu und steigere sich, betont Kohfeldt. Gegen Pribram seien die Stärken des Schweden bereits deutlich zu erkennen gewesen. „Er hat ein sehr gutes Gefühl dafür, wann er sich ins Angriffsspiel einschalten muss und wann er hinten bleiben muss. Sein Passspiel ist auch sehr gut.“

Jan-Niklas Beste

Florian Kohfeldt staunte ganz schön. "Was er aus seinem kleinen Körper herausholt, ist beeindruckend", sagt Werders Trainer und meint Jan-Niklas Beste. Nur 1,74 Meter groß und relativ schmächtig ist der Linksverteidiger, doch Beste hielt beim Testspiel gegen Pribram stets dagegen, obwohl die Tschechen nicht gerade zimperlich zu Werke gingen. "Er ist hart im Zweikampf und steht immer wieder auf", betont Kohfeldt.

Beste sammelte bisher nicht nur in der Testpartie, sondern auch in den Einheiten Pluspunkte. Besonders auffällig: Der Zugang von Borussia Dortmunds U23 ist ziemlich flink. "Er hat zudem ein gutes Passspiel und besetzt die Räume gut", findet Kohfeldt. Beste ist erst einmal für die U23 eingeplant. Dass er das Potenzial für die Profis besitzt, hat der 19-Jährige im Zillertal aber angedeutet.

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