Neuzugang Langkamp Der etwas andere Fußballprofi

Werders Neuzugang Sebastian Langkamp ist in vielerlei Hinsicht etwas anders als die anderen Profis. Er sucht bewusst Abstand vom Fußballzirkus und hat schon Pläne für die Zeit nach der Karriere.
14.02.2018, 17:19
Lesedauer: 2 Min
Zur Merkliste
Der etwas andere Fußballprofi
Von Patrick Hoffmann

Sebastian Langkamp ist noch nicht lange bei Werder, aber schon lange genug, um das Schlimmste zu befürchten. Ende Januar ist der Abwehrspieler von Berlin nach Bremen gewechselt, und wie alle Neuen muss auch er demnächst das Begrüßungsritual über sich ergehen lassen. In der Vergangenheit mussten Spieler meist ein Liedchen in der Kabine singen, aber damit wird Langkamp wohl nicht durchkommen. „Ich glaube, es ist etwas echt Peinliches geplant, danach werden wir bestimmt einen Tag Regeneration brauchen“, sagt der 30-Jährige. „Hier gibt es schon echt ein paar Spaßvögel in der Mannschaft.“

Fotos oder gar Videos wird es davon im Internet aber nicht zu sehen geben. Zumindest nicht auf den Kanälen von Langkamp. Er ist nämlich weder bei Facebook noch bei Twitter oder Instagram aktiv. „Wir verbringen so viel Zeit am Handy und im Internet“, sagt er, „und es gibt so viele Dinge, die ich in meiner Freizeit machen möchte. Soziale Medien gehören nicht dazu.“ Langkamp legt sogar ganz bewusst Handypausen ein, um abzuschalten, Abstand vom Fußballzirkus zu gewinnen. „Man sollte dem Job nur eine bestimmte Zeit am Tag widmen“, findet er, „in der fußballfreien Zeit versuche ich lieber, meinen Horizont zu erweitern.“ Derzeit lernt er zum Beispiel Spanisch.

Fußballfreie Welt in Berlin

Langkamp, das wird schnell deutlich, ist anders als die anderen Profis. Ihm habe mal jemand gesagt: Im Fußball ist es nicht wichtig, wer du bist, sondern was die anderen denken, wer du bist. „Das habe ich nie so wirklich eingehalten“, sagt er. „Ich habe immer versucht, so zu sein, wie ich bin.“ Dazu gehört auch, dass er den Fußball nicht zu wichtig nimmt. Er wertet es vielmehr als Privileg, sein Geld mit Fußballspielen zu verdienen, weil er weiß, „dass hinter jedem erfolgreichen Fußballprofi Tausende andere stecken, die es nicht geschafft haben“.

Über die Jahre hat Langkamp erkannt, dass es auf der Welt noch viel mehr schöne Sachen gibt. Deshalb reist er gerne, um neue Kulturen kennenzulernen. Oder er lässt sich von Jungunternehmern aus Berlin-Mitte inspirieren, die er in den vergangenen viereinhalb Jahren getroffen hat. Es hat ihm gefallen, am Puls der Zeit zu sein und dass ihn die Menschen in den Cafés nicht erkannt haben. „Berlin-Mitte war eine fußballfreie Welt“, sagt Langkamp, „das Leben da war schon cool.“

Schnelle Entscheidung für Werder

Es war aber auch nichts für ewig. Nicht das Leben in Berlin, dafür ist es ihm dann doch zu dreckig, und auch nicht das Spielen für den örtlichen Bundesligisten, weil er dort zuletzt nur noch fünfte Wahl in der Innenverteidigung gewesen ist. Da kam das Angebot aus Bremen gerade recht. Auch wenn ihm das eigentlich alles ein bisschen zu schnell ging. „Ich musste mich innerhalb von 48 Stunden entscheiden“, sagt Langkamp. Geholfen hat ihm am Ende eine Pro-und-Kontra-Liste.

In Bremen sucht er nun eine neue Herausforderung – und findet, dass er weit mehr ist als nur ein Ersatzmann für Milos Veljkovic. „Ich sehe mich nicht als Option drei“, sagt er. „Ich sehe mich schon in der Lage, dass ich um die ersten Plätze konkurrieren kann.“ Langkamp ist aber auch erfahren genug, sich nicht mehr verrückt machen zu lassen. „Ich bin 30 und nicht mehr so verbissen, mir nach jedem Spiel einen Kopf zu machen“, sagt der ehemalige Junioren-Nationalspieler, dessen Zweieinhalbjahresvertrag in Bremen übrigens auch für die zweite Liga gilt. So weit will Langkamp aber noch nicht denken. Zumindest sportlich nicht. Privat sieht das schon anders aus. Da hat Langkamp bereits die Karriere nach der Karriere gestartet, zusammen mit seinem Bruder Matthias vermietet er Ferienwohnungen auf Mallorca. „Das macht echt Spaß“, sagt Sebastian Langkamp, „ich habe aber auch noch zwei, drei andere Ideen.“ Verraten will er die aber noch nicht.

Jetzt sichern: Wir schenken Ihnen 1 Monat WK+!
Mehr zum Thema
Lesermeinungen

Das könnte Sie auch interessieren

Einwilligung und Werberichtlinie

Ich erkläre mich damit einverstanden, dass die von mir angegebenen Daten dazu genutzt werden, regelmäßig per E-Mail redaktionelle Inhalte des WESER-KURIER seitens der Chefredaktion zu erhalten. Die Daten werden nicht an Dritte weitergegeben. Ich kann diese Einwilligung jederzeit formlos mit Wirkung für die Zukunft widerrufen, z.B. per E-Mail an widerruf@weser-kurier.de.
Weitere Informationen nach Art. 13 finden Sie unter https://www.weser-kurier.de/datenschutz

Schließen

Das Beste mit WK+