Kommentar zum Südafrika-Trainingslager

Der globale Spagat war richtig

Das Trainingslager in Südafrika ist Geschichte. Mein-Werder-Reporter Jannik Sorgatz kommentiert, warum es gut war, dass Werder die lange Reise auf sich genommen hat.
13.01.2019, 18:05
Lesedauer: 1 Min
Zur Merkliste
Von Jannik Sorgatz
Der globale Spagat war richtig
nordphoto / Ewert

Verblüffend häufig war auf Werders Südafrika-Reise von einem Ferienort an der Türkischen Riviera die Rede. Belek galt jahrelang als Synonym für Trainingslager-Ziele in der Winterpause, auch Werder trug seinen Teil dazu bei. Die Unterkünfte waren passabel, der Aufenthalt günstig, die Rasenplätze in ordentlichem Zustand und das magere Freizeitangebot lenkte nicht vom Kerngeschäft ab. Doch der Regen konnte mitunter unnachgiebig sein.

In zehn Tagen Südafrika hat Werder fünf teils beeindruckende Gewitter bestaunen dürfen. Zum Problem wurde das Spektakel am Himmel nur einmal, als das erste von zwei Testspielen aus Sicherheitsgründen abgebrochen wurde. Trainer Florian Kohfeldt war „super sauer“, betonte mit etwas Abstand aber, dass er trotz dieses Wermutstropfens „inhaltlich hochzufrieden“ sei. Entsprechend wehrten sich die Verantwortlichen dagegen, die Bedingungen in klassischen Winter-Destinationen wie Belek zu verklären. Fest steht: Werder ist in Südafrika nichts widerfahren, was die Siegchancen zum Rückrundenauftakt bei Hannover 96 verringert.

So viel zum Sportlichen. Wenn es nur darum gegangen wäre, hätte ein 50-Mann-Tross jedoch nicht zehn Stunden auf die Südhalbkugel fliegen müssen. Was den Mehraufwand angeht, haben sich die Vor- und Nachteile, auch dank eines Zuschusses der Deutschen Fußball-Liga (DFL), neutralisiert. Dafür blieb lange die Frage offen, wie groß der Gefallen war, den Werder der DFL getan hat. Geschäftsführer Klaus Filbry unterstrich die Solidargemeinschaft der Bundesligisten: „Wir sind alle gerne dabei, wenn das Fernsehgeld ausgeschüttet wird, aber dann haben wir vorher auch einen gewissen Beitrag dazu zu leisten.“ Deshalb hat sich Werder bei der Vermarktung in Südafrika ins Zeug gelegt, ohne den sportlichen Erfolg zu gefährden und ohne dem Irrglauben zu verfallen, selbst neue Fans zu gewinnen.

Bei aller Heimatverbundenheit war es richtig, dass der Klub den globalen Spagat gewagt hat. Doch kleine Abenteuer leben davon, dass sie nicht zur Gewohnheit werden.


Mehr zum Thema
Lesermeinungen

Das könnte Sie auch interessieren

Das Beste mit WK+