Werder-Stürmer Melvyn Lorenzen Der Häuptling der Jungen

Stürmer Melvyn Lorenzen ist der Werder-Jungprofi, dem der Durchbruch am ehesten zuzutrauen ist. Nach zahlreichen Verletzungen will er sich jetzt in Bremen beweisen - auch gegen Anthony Ujah.
04.07.2015, 00:00
Lesedauer: 4 Min
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Der Häuptling der Jungen
Von Timo Sczuplinski

Humpelte er etwa schon wieder? Oder lag sein etwas unrunder Gang doch nur an den engen, weißen Frotteepuschen, in denen er am Freitagmittag zur Interviewrunde spaziert kam? Melvyn Lorenzen zuckte bloß mit den Schultern. „Ich gehe immer so“, sagte er. Sorgen müsse man sich wirklich nicht machen um ihn, findet er. Lorenzen ist gesund. Der 20-Jährige fühlt sich fit. Und das ist schon einmal eine gute Nachricht für die Bremer. Schließlich hegen sie bei Werder große Hoffnungen in ihn. Er gilt als der Nachwuchsspieler im Kader der Grün-Weißen, dem in der kommenden Saison am ehesten der Durchbruch zuzutrauen ist.

Neue Verletzungen würden Melvyn Lorenzen dabei gewaltig stören. Die könnte er nun wirklich nicht gebrauchen. Davon hatte er in seiner noch jungen Karriere ja auch schon mehr als genug. Erst musste er im vergangenen Jahr monatelang wegen eines Knorpelschadens pausieren. Dann stoppte ihn zu Beginn der Rückrunde ein Außenmeniskuseinriss, und zum Saisonendspurt kamen ihm noch einmal Knieprobleme in die Quere. Erst im allerletzten Saisonspiel in Dortmund durfte Lorenzen noch einmal ein paar Minuten mitkicken. Ein kurzer Einsatz zwar, aber auch einer mit Signalwirkung. Die Botschaft: Melvyn Lorenzen ist wieder da.

„Ich bin jetzt größtenteils schmerzfrei“, sagte der gebürtige Londoner, als er in Werders Mannschaftshotel in Neuruppin vor der Reporterrunde saß. Manchmal spüre er noch ein leichtes Zwicken, aber das sei alles nichts, was ihn in seiner Leistung in irgendeiner Weise hemmen würde. Im Sommer habe er Zusatzschichten eingelegt, um gerade die so anfälligen Knie zu stabilisieren. Nun hofft er, dass alles heile bleibt und er endlich so durchstarten kann, wie er sich das schon viel eher gewünscht hatte.

Schnelligkeit als großes Plus

Melvyn Lorenzen ist wieder da. Aber nicht nur er. In Werders Trainingslager wimmelt es in Abwesenheit der Nationalspieler nur so vor Nachwuchsfußballern. Hoffnungsvolle Talente hat Viktor Skripnik mitgenommen. Der Trainer selbst hatte gerade erst erklärt, dass die sechs Tage in Neuruppin besonders auch eine Chance für die Jungen sein sollen. Sie sollen sich in den Vordergrund spielen. Sie sollen näher an das Niveau der erfahrenen Profis heranrücken. Einer wie Maximilian Eggestein könnte zum Beispiel mal einmal ein wichtiger Mann für Werders Mittelfeld werden. Oder Oliver Hüsing, der vielleicht einmal eine Chance in der Bremer Abwehr bekommen könnte. Die größten Perspektiven hat derzeit aber Stürmer Lorenzen.

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Er ist so etwas wie der Häuptling unter den Nachwuchskräften, einer, zu dem die anderen Jungen schon ein wenig aufschauen können. Neben Levent Aycicek hat es im aktuellen Werder-Kader eben vor allem Lorenzen vorgemacht, wie schnell es für junge Leute nach oben gehen kann. Auch wenn er durch die Verletzungen in der vergangenen Saison dann doch nur auf drei Einsätze kam. Aber in diesen insgesamt 144 Spielminuten ließ er sein immenses Potenzial bereits aufblitzen – vor allem beim 3:3 gegen Hannover 96, als er sein erstes Bundesligator schoss.

Dass es ihm und den anderen jungen Spielern derzeit relativ leicht fällt, sich bei Werder in Szene zu setzen, liegt auch an der Sonderbehandlung. „Die besondere Behandlung besteht nämlich darin, dass der Trainer alle gleich behandelt“, sagt Lorenzen. Skripnik mache keine Unterschiede, ob einer erst 19 oder schon 27 sei. Wenn jemand gut genug ist, darf er spielen, sagt Lorenzen. Das sei ein großer Ansporn.

Eine seine großer Stärken ist dabei vor allem seine Schnelligkeit, auch wenn Lorenzen nicht recht weiß, wo die eigentlich so genau her kommt. Das Laufen sei auch nie seine Lieblingsdisziplin gewesen. „Spaß hat mir das eigentlich nie so gemacht. Ich konnte ganz gut laufen, wenn ich es musste“, sagt er. Und wenn, dann eben am allerliebsten schnell. Vielleicht habe es ja mal einen schnellen Großvater in der Familie gegeben. Seine Eltern seien jetzt aber nicht unbedingt für ihren Antritt bekannt gewesen. Genauso wenig wie für eine stolze Körpergröße, die der Stürmer mit seinen 1,88 Metern besitzt. „Mein Vater ist knapp 1,80, meine Mutter 1,66 groß. Daher kann das also auch nicht kommen.“

„Das fühlt sich toll an“

Mit seiner Technik, der Schnelligkeit und seiner Größe bringt Melvyn Lorenzen alles mit, was man braucht, um mal ein erfolgreicher Bundesligastürmer zu werden. Viktor Skripnik hatte ihn zuletzt sogar als den möglichen Aufsteiger der neuen Werder-Saison ins Gespräch gebracht. Auch Werders Manager Thomas Eichin und Rouven Schröder halten große Stücke auf ihn. Das empfindet Lorenzen aber nicht unbedingt als Last. Im Gegenteil. Es schmeichelt ihm sogar. „Das fühlt sich toll an, wenn sie so etwas sagen“, findet Lorenzen.

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Und dann ist da ja noch die große Hoffnung, dass er einmal in die Fußstapfen von Davie Selke treten könne. Zwar ist Lorenzen ein ganz anderer Angreifertyp als der Strafraumstürmer Selke. Aber von ihrer Entwicklung her ähneln sich die beiden dann doch irgendwie. „Wenn das mal so klappt wie bei Davie, wäre das natürlich nicht schlecht“, sagt Lorenzen. Bei den zwei zu vergebenen Plätzen in Werders Sturm hat er bei bloß drei nominellen Stürmern derzeit sicherlich keine ganz so schlechten Karten im Rennen um die Stammplätze.

„Zur Zeit ist alles relativ offen“, sagt er. Anthony Ujah habe sicherlich Vorteile in Sachen Erfahrung. Die muss Lorenzen erst noch sammeln. Gut möglich, dass Franco Di Santo und Ujah zu Saisonbeginn erst einmal gesetzt sind. „Und wenn das so ist, dann werde ich mich hinten anstellen und nicht anfangen zu diskutieren“, sagt Lorenzen. Das Liebäugeln mit einem Stammplatz helfe aber eben alles nichts, wenn sich in den nächsten Monaten dann doch wieder eine ernstere Verletzung untermogeln sollte. „In erster Linie will ich erst einmal gesund bleiben“, sagt Lorenzen. Erst dann könne er sein Potenzial auch wirklich zur Entfaltung bringen. Und davon, das weiß er selbst, hat er eine ganze Menge.

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