Werders Offensivspieler Fin Bartels Der Mann im Schatten der Stars

Fin Bartels bildet mit Max Kruse ein fulminantes Sturmduo, das zurzeit vielleicht beste der Bundesliga. Dennoch steht Werders Offensivmann meist im Schatten der anderen.
30.04.2017, 00:00
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Der Mann im Schatten der Stars
Von Marc Hagedorn

Fin Bartels bildet mit Max Kruse ein fulminantes Sturmduo, das zurzeit vielleicht beste der Bundesliga. Dennoch steht Werders Offensivmann meist im Schatten der anderen.

Hauptberuflich ist Robert Bauer beinharter Außenverteidiger bei Werder Bremen. Aber nach Werders 2:0-Sieg über Hertha BSC hat Bauer gezeigt, dass er vermutlich auch als PR-Mann einen sehr guten Job machen würde. Robert Bauer hat nach dem Spiel, das Werder noch ein Stückchen näher an die Europa League herangebracht hat, seinen Mitspieler Fin Bartels demonstrativ in den Mittelpunkt gerückt.

"Es freut mich vor allem für Fin"

Bei Werder und in Bremen hat man in dieser Saison schon viele Spieler hoch gelobt, stets zu recht. Serge Gnabry in der Hinrunde, später dann Max Kruse und Thomas Delaney. Und nun sagte Bauer nach diesem Spiel, in dem wieder Kruse, aber eben auch Bartels getroffen hatte: „Es freut mich vor allem für Fin, denn er steht immer im Schatten der Stars.“

Es war durchaus angebracht, dass Bauer ausdrücklich auf diesen Umstand hinwies. Denn auch an diesem Sonnabendnachmittag im Weserstadion beschäftigten sich die ersten Statistiken, die erstellt wurden, gleich wieder mit Max Kruse. Kruse war in den vergangenen sechs Spielen nun schon an 13 Werder-Toren direkt beteiligt; acht Mal als Torschütze, fünf Mal als Vorlagengeber. Das ist eine überragende Bilanz.

Und sie strahlt so hell, dass man leicht übersehen kann, was Fin Bartels in dieser Zeit zustande gebracht hat. Bartels hat ähnlich beeindruckende Zahlen zusammengetragen: Er bringt es in diesem Zeitraum auf acht Torbeteiligungen; drei Mal als Torschütze, fünf Mal als Vorlagengeber.

Bodenständig und bescheiden

„Es klappt bei uns allen sehr gut“, sagt Fin Bartels, wenn er auf sein Zusammenspiel mit Nebenmann Kruse angesprochen wird. So ist er eben, der Fin, könnte man sagen, und das würde den Typen Fin Bartels auch sehr treffend beschreiben: Er ist bodenständig, bescheiden, ein Teamspieler. Aber er ist in Wirklichkeit noch mehr: Im Moment ist er kongenialer Partner von Kruse, auch wenn sie so verschieden sind. Kruse ist Nationalspieler, körperlich robuster als Bartels, dazu extrovertierter im Auftreten und spektakulärer in seinem Spiel. Wie gut die beiden trotzdem harmonieren, hatte die Berliner Mannschaft nach einer Viertelstunde schon zweimal schmerzhaft zu spüren bekommen. 2:0 stand es sehr schnell für Werder, verantwortlich dafür waren Bartels und Kruse.

Beim 1:0 glänzte Kruse als Wegbereiter, Bartels als Vollstrecker. Es war ein Tor aus dem Lehrbuch für Konterfußball. Kruse behauptete den Ball in einem Zweikampf im Mittelfeld, zog dabei nach außen zur Seitenlinie und spielte den steilen Pass dann genau in die entgegengesetzte Richtung, nach innen. Dort hatte sich Bartels längst in Position gebracht, erst Gegenspieler Jordan Torunarigha abgeschüttelt, dann beim Sprint auf Rune Jarstein geschickt den Abschluss verzögert und den Ball schließlich durch die Beine des Hertha-Torwarts geschoben. „Max hat immer ein gutes Auge, er spielt solche Bälle perfekt“, sagte Bartels.

Ein wahres Powerpressing

Beim 2:0 war es dann genau andersherum: Diesmal war Bartels der Wegbereiter, Kruse der Vollstrecker. Gemeinsam mit Kapitän Zlatko Junuzovic hatten Bartels und Kruse eine wahres Powerpressing nahe am Hertha-Strafraum aufgezogen. Die Berliner Abwehrspieler inklusive Torwart Jarstein fanden für einen geordneten Spielaufbau keine Anspielstationen, weil Kruse, Bartels und Junuzovic alle Wege dicht machten. So kam es, wie sich das pressende Mannschaften wünschen: Jarstein, von Junuzovic unter Druck gesetzt, spielte den Ball unkontrolliert zu Bartels, der ihn zu Kruse weiterleitete. Kruse hatte wenig Mühe, sein 14. Saisontor zu erzielen.

„Max läuft immer in die richtigen Räume“, sagte Bartels, „das macht jeden Spieler neben ihm stark.“ Ihn ganz besonders. Seitdem Fin Bartels bei Werder ist, und das sind jetzt auch schon fast drei volle Jahre, hat er oft geliefert. Dafür, dass er damals noch unter Sportchef Thomas Eichin von einem Zweitligisten, dem FC St. Pauli, gekommen ist, hat er über all die Jahre in Bremen auf einem erstaunlich hohen Niveau gespielt. Aber nie so stark wie jetzt neben Kruse. „Beide haben ein sehr gutes Spielverständnis, beide sind in keinster Weise eigensinnig“, sagt Sportdirektor Frank Baumann über das ungleiche Duo ganz vorne. Und Cheftrainer Alexander Nouri sagt: „Sie wissen, welche Laufwege der andere macht. Beide arbeiten aber auch unglaublich viel für die Mannschaft.“

Wohin dieses Zusammenspiel Werder noch führt, werden die nächsten drei Wochen, die letzten dieser Saison zeigen. Ob das jetzt drei Endspiele für Europa seien, die da noch anstehen, wurde Fin Bartels gefragt. Endspiel, das klingt so schön nach Drama, nach Zuspitzung, nach großen Gefühlen. Fin Bartels verkniff sich eine Antwort voll Pathos, er gab stattdessen eine Fin-Bartels-Antwort. Er sagte: „Es sind drei schöne Spiele.“ Erst recht an der Seite von Max Kruse.

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