Maximilian Eggestein in der Analyse

Der Musterschüler

Werders Youngster Maximilian Eggestein hat im letzten halben Jahr die größten Entwicklungsschritte gemacht und ist mittlerweile eine Konstante im Bremer Spiel. Wir erklären, was ihn so wertvoll macht.
15.08.2017, 13:05
Lesedauer: 3 Min
Zur Merkliste
Von Stefan Rommel

Das Pech eines Teamkollegen hat Maximilian Eggestein auf die Sprünge geholfen. Das war natürlich unschön für Clemens Fritz, der nach seinem Syndesmosebandriss im Spiel gegen Darmstadt Anfang März keine Minute mehr für Werder absolvieren konnte.

Auf der anderen Seite hat es unfreiwillig den Weg geebnet für Eggestein, der bis zu diesem Zeitpunkt zwar Bestandteil der Mannschaft, aber nur selten Bestandteil der Bremer Startelf gewesen war. In den Wochen davor kam er allenfalls von der Bank zu Einsätzen, fast die komplette Hinrunde verdingte er sich nur bei der U23.

Wenige Tage vor dem Start in die neue Bundesligasaison ist Maximilian Eggestein mittlerweile nicht nur gesetzt im zentralen defensiven Mittelfeld, sondern ist auch der Spieler, der im letzten halben Jahr die beste Entwicklung in Werders Kader genommen haben dürfte.

Ein Beispiel für den Werder-Weg

Eggestein ist ein gutes Beispiel für den viel zitierten, in der Vergangenheit aber nicht immer stringent verfolgten Bremer Weg: Vom Internat über die U23 bis hinein in den Kreis der Profis.

Im internen Gerangel hat er die Nase gegenüber Philipp Bargfrede vorn und den Routinier fürs Erste verdrängt. Mit seinem umsichtigen und dank seiner starken Vororientierung vorausschauenden Spiel ist er die verlässliche Konstante im Bremer Mittelfeld und die zentrale Verknüpfung zwischen Defensive und Offensive.

Dabei interpretiert Eggestein seine Rolle grundsätzlich etwas defensiver und hält sich gerne im Dunstkreis der Abwehrkette auf. Antizipiert er doch mal auf einen Pass des Gegners und rückt aus seiner Position heraus, findet er bei einem langen Ball über das Pressing hinweg schnell wieder Anschluss an die Dreierkette, um in Abwehrdreiecken gegen den Ball zu arbeiten.

Eggestein ist selten derjenige, der die Kommandos gibt, um zum Beispiel zu Verschieben oder ins Pressing zu gehen. Überhaupt wirkt er auf dem Platz eher in sich gekehrt und ruhig. Das muss kein Nachteil sein, zumal auf dieser neuralgischen Position eine gewisse Nüchternheit und Sachlichkeit durchaus angebracht ist.

In einer veränderten Ausrichtung mit zwei Sechsern könnte sich Eggestein auch in höheren Positionen als Anspielstation anbieten, wenn der zweite Sechser gleichzeitig absichert. Werders Grundordnung mit nur einem nominellen defensiven Mittelfeldspieler erlaubt allerdings Ausflüge aus der Zentrale im Spielaufbau kaum.

Deshalb ist Eggesteins Spiel auch weniger vertikal ausgelegt. Er wählt stattdessen viele horizontale Laufwege, was ihn dann als Passempfänger oft in geschlossene Stellungen zur Spielrichtung bringt - und das wiederum lässt weder ein schnelles Aufdrehen noch einen vertikalen und riskanteren Pass zu.

Die Verluste von Fritz und Grillitsch schmerzen noch

Auch deshalb sieht Eggesteins Spiel so unspektakulär aus, gespickt mit vielen kurzen Pässen auf den oder die Nebenspieler. So wie im Spiel gegen sehr kompakt verteidigende Würzburger, als er mehr als die Hälfte seiner 56 Zuspiele auf einen der drei Innenverteidiger spielte oder einfach klatschen ließ.

Für den attackierenden vertikalen Pass durch die gegnerischen Linien ist in Werders Offensivplan nicht unbedingt der Sechser zuständig. Gerade jetzt, da Niklas Moisander ausfällt und Milos Veljkovic und Robert Bauer sich auf den Halbpositionen der Innenverteidigung auf einigermaßen fremdem Terrain bewegen, wäre eine verstärkte Einbindung Eggesteins in den eigenen Spielaufbau durchaus angebracht.

Dafür fehlt dem Spieler aber ungeachtet seiner Vorzüge entweder der kreative Esprit oder aber Eggestein sieht sich (noch) eher als zuverlässigen Dienstleister. Was angesichts seiner ausbaufähigen Erfahrung und seines Alters nur verständlich wäre. Für den jetzigen Zeitpunkt seiner Entwicklung sind riskante Dribblings oder Pässe im zentralen Bereich wohl auch noch nicht zu erwarten. Die Pflicht schlägt da noch klar jede Kür.

In Florian Grillitsch hat Werder einen Spieler verloren, der dem Spiel eine gewisse Ordnung und Struktur verleihen konnte. Und in Clemens Fritz ist eine Führungsfigur im Zentrum von Bord gegangen. Die beiden Verluste schmerzen auf unterschiedlichen Ebenen doch sehr. Einen Teil der wichtigen Aufgaben wird auch Eggestein mit der Zeit mehr und mehr übernehmen müssen.

Das ist eine immense Herausforderung für einen 20-Jährigen, der bisher erst ganze fünf Bundesligaspiele über die volle Distanz absolviert hat. Aber Maximilian Eggestein steht ja auch erst am Anfang einer vielversprechenden Entwicklung.

Jetzt sichern: Wir schenken Ihnen 1 Monat WK+!
Mehr zum Thema
Lesermeinungen

Das könnte Sie auch interessieren

Das Beste mit WK+