Werder-Trio vor Sprung zu den Profis

Der Nächste, bitte!

Laut Alexander Nouri könnten Julian Rieckmann, Ole Käuper und Thore Jacobsen bald zu den Profis aufsteigen. Bei Rieckmann gerät Werder ein Stück weit mit den eigenen Grundsätzen in Konflikt.
08.10.2017, 17:43
Lesedauer: 2 Min
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Von Christoph Sonnenberg
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Julian Rieckmann (am Ball) und Ole Käuper könnten demnächst zum Profikader gehören.

nordphoto / Ewert, nordphoto

Im Nordderby einen 17-, einen 19- und einen 20-Jährigen spielen zu lassen, zeugt von Mut. Das Spiel endete bekanntlich 0:0, womit der Mut durchaus belohnt wurde. Zum Einsatz kamen die Nachwuchsspieler aber nicht auf Bremer, sondern auf Hamburger Seite. Trainer Markus Gisdol wechselte Fiete Arp ein, Vasilije Janjicic und Tatsuya Ito standen sogar in der Startelf. Alexander Nouri wechselte mit Maximilian Eggestein immerhin einen 20-Jährigen in der zweiten Hälfte ein. Schon bald könnten für Werder weitere Nachwuchsspieler in der Bundesliga debütieren, prophezeit Nouri.

Es gibt einige Talente, drei hat Nouri kurzfristig verstärkt im Blick: „Da sind spannende Jungs dabei, Ole Käuper beispielsweise. Thore Jacobsen, Julian Rieckmann.“ Käuper hat gerade seinen ersten Profivertrag unterschrieben. Jacobsen, wie Käuper 20 Jahre alt, ist Vertragsspieler, also noch kein Profi. Um Rieckmann, mit gerade 17 Jahren jüngster, aber auch talentiertester Spieler, dürfte bald ein Wettbieten einsetzen. Sein Vertrag läuft noch bis 2019, Werder würde ihn gerne zügig verlängern.

Nouris Prognose für die Talente ist verheißungsvoll: „Ich bin überzeugt, dass einer von ihnen in naher Zukunft den nächsten Schritt machen wird. Vielleicht schon im Laufe der Saison. Unsere Tür ist immer offen.“ Wer gut trainiert oder die Einsätze bei Testspielen mit den Profis nutzt, um sich zu empfehlen, kann den Sprung in den Kader der Bundesligamannschaft schaffen.

Linksverteidiger Jacobsen stand vergangenen Freitag beim 3:3 in Meppen 90 Minuten auf dem Platz, Käuper musste wegen Krankheit passen, sonst wäre er ebenfalls zum Einsatz gekommen. Beide dürften wohl erst in der Rückrunde Chancen auf Einsätze in der Bundesliga bekommen. „Jacobsen sehen wir bis zur Winterpause in der U 23. Er soll dort verstärkt Verantwortung übernehmen. So, wie Käuper es jetzt bereits macht“, sagt Frank Baumann.

Werder im Wettstreit um Talente

Ein etwas anderer Fall ist Rieckmann. Im Sommer reiste der Innenverteidiger bereits mit den Profis ins Trainingslager nach Schneverdingen. Im ersten der beiden Testspiele gegen West Ham United stand Rieckmann in der Startelf. „Das ist nicht umsonst geschehen“, sagt Baumann. Was heißen soll, dass der jüngste der drei von Nouri genannten Talente die besten Perspektiven besitzt. Aber nicht nur Bremen, auch andere Bundesligisten locken Rieckmann, er kann zwischen etlichen Spitzenklubs der Liga auswählen. Werder weiß das und hat bereits reagiert. Baumann: „Wir sind in Gesprächen und wollen das in den nächsten Monaten anpacken.“

Im Wettstreit um die großen Talente des Fußballs gerät Werder immer wieder in Konflikt mit den eigenen Grundsätzen der Nachwuchsarbeit. „Ich bin Befürworter, Profiverträge nicht zu früh anzubieten“, sagt Baumann. „In der Vergangenheit haben wir gesehen, dass junge Spieler mit der Unterschrift eines Profivertrages gedacht haben, sie hätten es geschafft.“ In Wahrheit beginnt die Arbeit dann erst.

Ein kurzer Blick in die jüngere Vergangenheit genügt, um etliche Beispiele für Baumann These zu finden. Florian Trinks, Ni­clas Füllkrug, Levent Aycicek, Özkan Yildirim, keiner hat sich als Profi in jungen Jahren im Bundesligakader etabliert. Für Baumann ein Zeichen, die Entwicklung lieber langsam voranzutreiben. Zumal der Unterschied zwischen Vertragsspielervertrag und Profivertrag zu Beginn der Karriere nur aus einem Punkt besteht: dem Status. Finanziell gibt es meist keine Unterschiede. Für das Umfeld der Spieler – Eltern, Berater – geht es aber oft nur um den Status.

Natürlich gibt es für jede Regel eine Ausnahme. Der Wettstreit um die Talente ist hart, finanziell kann Werder mit Klubs wie Bayern München, Borussia Dortmund oder RB Leipzig nicht mithalten. Baumann: „Manchmal muss man dann auch früher einen Profivertrag anbieten.“ Rieckmann dürfte so eine Ausnahme sein.

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