Die Elf der Vergessenen - Teil 8: Benken

Der Pokal-Experte

Viele werden es nicht mehr wissen, aber Sven Benken hat mit Werder tatsächlich zwei Titel gewonnen. Unser nächster Teil der Serie „Die Elf der Vergessenen“ dreht sich um den kantigen Verteidiger.
09.01.2018, 00:00
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Von Christoph Bähr
Der Pokal-Experte

Kompromisslos im Zweikampf: Sven Benken grätscht hier 1999 im Nordderby gegen Hamburgs Harald Spörl.

Imago

Es war der ganz große Auftritt für den Underdog. Der Drittligist Energie Cottbus hatte es sensationell bis ins DFB-Pokalfinale geschafft und durfte 1997 im Berliner Olympiastadion gegen den VfB Stuttgart antreten. Ein Haufen Fußball-Arbeiter aus der Lausitz nahm es mit dem magischen Dreieck Krassimir Balakov, Fredi Bobic und Giovane Elber auf. Sven Benken war einer von denen, die sich dem Angriffswirbel des Favoriten entgegenstellten und am Ende achtbar mit 0:2 verloren. Für den Verteidiger war das Endspiel zugleich ein Abschiedsspiel, denn er hatte für die folgende Saison schon lange bei Werder unterschrieben.

„Das Finale war ein schöner Abschluss. Ich konnte den Verein verlassen und mit Stolz auf das zurückblicken, was wir erreicht hatten“, betont er. Die Cottbusser hatten nicht nur im Pokal für Furore gesorgt, sondern auch den Zweitliga-Aufstieg geschafft. Als im Laufe der Spielzeit die Anfrage aus Bremen gekommen war, hatte Benken trotzdem keine Sekunde überlegt. „Werder war immer meine Lieblingsmannschaft“, sagt der 47-Jährige. „Und die Bundesliga ist natürlich auch der Traum eines jeden.“

"Die Zeit bei Werder war schön"

Benken wechselte in einer Phase zu Werder, die nicht einfach war für den Klub. Die zweite Hälfte der 1990er-Jahre gilt als graue Zeit des Umbruchs. Benken kam 1997, zwei Jahre nach Otto Rehhagels Abschied. Und er ging 1999, als Thomas Schaaf gerade so richtig loslegte. Umso bemerkenswerter: Trotz der sportlich durchwachsenen Jahre schaffte es der Verteidiger, mit den Bremern zwei Titel zu gewinnen. 1998 holte er den UI-Cup und 1999 den DFB-Pokal. „Die Zeit bei Werder war schön. Bremen ist eine nette Stadt mit netten Leuten“, blickt Benken heute zurück.

Nach seinem Wechsel war der kantige Verteidiger zunächst Stammspieler, musste dann aber auf die Bank. Das änderte sich in der folgenden Saison 1998/99 wegen eines Trainerwechsels wieder: Felix Magath löste Wolfgang Sidka ab und fand Gefallen an Benken. Der Ex-Cottbuser war kein Filigrantechniker und mit 1,82 Metern für einen ­Innenverteidiger nicht besonders groß, aber er war eine nimmermüde Kampfmaschine. Benken suchte die Zweikämpfe und war wahrlich niemand, der den Fuß zurückzog. 18 Gelbe, zwei Gelb-Rote Karten und eine Rote Karte handelte er sich in insgesamt 85 Bundesliga-­Spielen ein. Kurzum: Der kompromiss­lose Verteidiger war ein Spieler ganz nach Magaths Geschmack.

Sven Benken Lausitzer Legenden Traditionsspiel Lausitzer Legenden vs SG Dynamo Dresden im Stadi

So sieht Sven Benken heute aus.

Foto: Imago

Der Haken an der Sache: Magath blieb nicht lange Werder-Coach, und unter Nachfolger Thomas Schaaf hatte Benken einen schweren Stand. Beim Sieg nach Elfmeterschießen über die Bayern im Finale von Berlin saß er nur auf der Bank. Dabei hatte er zuvor in vier von fünf Pokalpartien mitgespielt. Der Pokalsieg 1999 sei für ihn aber auch ohne Endspiel-Einsatz ein großartiges Erlebnis gewesen, betont Benken. „Der Titel mit Werder und der Finaleinzug mit Cottbus stehen auf einer Stufe und sind meine größten Erfolge als Fußballer.“

Eine Wohnung über der Sporthalle

Böse ist Sven Benken „Schabba“, wie er Schaaf noch immer nennt, übrigens nicht. „Thomas Schaaf und Klaus Allofs haben viele neue Leute geholt, und die haben dann zumeist gespielt. Das hat im Nachhinein ja auch alles super funktioniert“, sagt der Verteidiger. Benken allerdings wollte einen Verein mit der sicheren Perspektive auf regelmäßige Einsätze. „Ich habe mit den Hufen gescharrt und war in einem Alter, in dem ich unbedingt spielen wollte“, sagt Benken. „Bei Werder hatte ich nicht mehr das Gefühl, dass mit mir geplant wird. Die Zeit für eine Veränderung war reif.“

Also verließ der Verteidiger Bremen unmittelbar vor dem Start der Saison 1999/2000 nach 29 Bundesliga-Einsätzen im grün-weißen Trikot und ging zum damals erstklassigen FC Hansa Rostock, wo er auf Anhieb Stammspieler wurde. Drei Jahre blieb Benken bei Hansa, dann ließ er die Karriere in unteren Ligen beim Dresdner SC und der SG Blau-Gelb Laubsdorf ausklingen. Für den Ex-Werderaner war klar, dass er dem Fußball auch nach dem Ende der Laufbahn verbunden bleiben möchte. Benken erwarb daher die Trainer-A-Lizenz.

Heute bildet er beim Fußballverband Trainer aus, die die B-Lizenz ablegen möchten, und führt eine Fußballschule für Kinder. Dafür baute Benken eine Sporthalle am Stadtrand von Cottbus um. Drinnen und draußen gibt es Fußballplätze. Über der Soccerhalle hat Benken seine Wohnung. „Es ist wirklich schön geworden. Ich fühle mich sehr wohl“, sagt er und fügt lachend hinzu: „Hier ist es so idyllisch, hier führt sogar ein Radwanderweg vorbei.“

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