Die Spielerbilanz: Max Kruse

Der Unvollendete

Die Spielzeit 2018/2019 ist für Werder beendet. Grund genug, um noch einmal ganz genau hinzuschauen, wie sich die Bremer Profis in der abgelaufenen Saison geschlagen haben. Heute: Max Kruse.
27.05.2019, 16:25
Lesedauer: 2 Min
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Von Stefan Rommel
Der Unvollendete
nordphoto

Max Kruse hat eine aufregende Saison hinter sich mit Höhen, aber auch einigen Tiefen. Die große Aufgabe als Kapitän füllte er gut aus und bekam irgendwann auch seine eigenen Problemchen in den Griff. Das Ende passte aber weder zu dieser Saison noch zu seiner Zeit in Bremen. Kruse wird fehlen - sein Abschied wird aber auch eine Chance sein.

Die Zahlen:

Es war eine Saison der Rekorde für Max Kruse. Eine Auswahl von seinen Bestmarken: Werders meiste Tore (elf), die meisten Assists (neun), die meisten Torschüsse (90), die meisten Sprints (812). Nur in seiner ersten Saison in Gladbach, die als sein endgültiger Durchbruch in der Bundesliga gilt, schaffte Kruse ähnlich starke Zahlen. Und würde die DFL endlich auf die Idee kommen, auch den vorbereitenden Pass vor einem Tor zu erfassen, hätte Kruse die nächste Hürde genommen.

Die Saison:

Nach Kruses Ernennung zum Kapitän war sich die Kabine noch uneins, ob er als Anführer taugen könne. Diese Bedenken konnte Kruse aber relativ schnell ausräumen, er lebte Disziplin, Teamwork und Zusammenhalt vor und einte die Mannschaft. Probleme gab es trotzdem. In den ersten Zügen der Saison fand Kruse den Mittelweg zwischen Lockerheit und Anspannung nicht, wirkte in einigen Dingen auch eine Spur zu aktionistisch. Vielleicht wollte er zu viel, ganz sicher war er nicht fit genug, um den eigenen Ansprüchen in jeder Partie auch mit der entsprechenden Leistung gerecht zu werden.

Die Debatten um seine körperliche Verfassung brachten Unruhe in einer Phase, in der es nach fünf Bundesligaspielen am Stück ohne Sieg ohnehin nicht besonders gut lief. Mit der Aufarbeitung der Defizite fand Kruse wieder in die Spur, steigerte jeden einzelnen seiner Werte und ging noch mehr voran. Die letzten Spiele vor der Winterpause waren schon bärenstark, nach einer kurzen Anlaufphase zündete Kruse dann auch in der Rückrunde, explodierte mit elf Scorerpunkten in nur fünf Spielen förmlich.

Im Endspurt mit den großen Spielen in der Liga und im Pokal schlüpften aber andere in die entscheidenden Rollen, (der angeschlagene) Kruse hatte nicht mehr diese unerschütterliche Selbstverständlichkeit in seinem Spiel, war zumindest auf der Anzeigetafel nicht mehr der Unterschiedspieler und verpasste die letzten Partien verletzt. Als letzte Aktion bleibt ein Fehlpass bei einem Überzahl-Konter gegen Dortmund in der Nachspielzeit im Gedächtnis.

Der Ausblick:

Kruses Abschied ist nachvollziehbar, so läuft das Geschäft eben. Als Kapitän, der nur ein Jahr im Amt war und weil das Ziel Europapokal denkbar knapp verpasst wurde, hätten sich die meisten aber wohl eine andere Entscheidung gewünscht. Weil es so scheint, als wäre seine Mission in Bremen noch nicht beendet. Weil ein 34 Spieltage fitter Kruse noch deutlich mehr hätte bewirken können.

Nun muss Werder aber ohne die bestimmende Figur der letzten drei Jahre klarkommen. Werder geht ein Sechser, Achter, Zehner, Vorbereiter, Torjäger und Anführer verloren und es wird eine anspruchsvolle Aufgabe, das alles auf mehrere Schultern verteilt aufzufangen. Aber es ist auch eine Chance für die Mannschaft und einzelne Spieler, sich anders zu entfalten.

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