Neuer Co-Trainer Florian Bruns Der zweite Mann im Staate Werder

Das darf man gerne ein spannendes Projekt nennen: Alexander Nouri ist ein Trainer-Anfänger in der Bundesliga, und Florian Bruns ist ein Anfänger. Doch wie will Werders Co-Trainer seinen neuen Job ausfüllen?
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Der zweite Mann im Staate Werder
Von Olaf Dorow

Das darf man gerne ein spannendes Projekt nennen: Alexander Nouri ist ein Trainer-Anfänger in der Bundesliga, und Florian Bruns ist ein Anfänger. Doch wie will Werders Co-Trainer seinen neuen Job ausfüllen?

Dass im Fußball alles so schnell geht, ist bestimmt schon mal gesagt worden. Falls nicht, könnte man mit dem Werder-Weg des Florian Bruns eine ganz gute Beweisführung antreten. Bruns hatte sich damals vor drei Jahren ganz bewusst dafür entschieden, von der zweiten in die vierte Liga zu wechseln, in der Werders U 23 damals stand. Sieben Jahre lang hatte er für den FC St. Pauli gespielt, und von der ganz großen Spielerkarriere träumte er jetzt nicht mehr. Er war auch schon 34. Rückblickend lässt sich festhalten: Der Wechsel nach Bremen war trotzdem ein großer Schritt in der Karriere.

Spieler, Kapitän und später Nouris Vertrauter

Als 34-jähriger Routinier sollte und wollte er bei Werder II die jungen Spieler um sich herum führen. Er sollte ihnen ein Halt und eine Hilfe sein. „Ich habe da schon immer auch als Trainer gedacht, und nicht nur als Spieler.“ Er wurde schon bald Kapitän, wurde zu einem wichtigen Ansprechpartner für den U 23-Trainer Alexander Nouri, als dieser im Herbst 2014 die U 23 vom beförderten Viktor Skripnik übernahm. Und im Sommer 2015, nach dem gelungenen Aufstieg in die Dritte Liga, stieg er zu Nouris Co-Trainer auf. „Alex hatte keinen Co-Trainer, und dann haben wir schnell gespürt, dass das ganz gut passt“, sagt Bruns. Gemeinsam mit Nouri steht er seit gut zwei Wochen den Profis vor, seit dem Wochenende nicht mehr übergangsweise, sondern per Vertrag bis zum Saisonende. Verlängerung nicht ausgeschlossen.

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Und wie will er ihn ausfüllen, diesen Job auf dem Rasen? Er verwendet nicht so oft solch starke Pathos-Vokabeln wie Nouri, bei dem die Vokabeln Demut und Dankbarkeit nie fehlen, wenn er über seine neue Aufgabe spricht. Er ist nicht ganz so schnell beim Superlativ wie sein Kollege. Aber, diese Mischung aus Freude, Stolz und Neugier, wie sie bei Alexander Nouri sehr schnell zu spüren war, die ist auch bei Florian Bruns sehr schnell zu spüren. Eine „ganz große Vorfreude“ auf den Job habe er, sagt Bruns, auch wenn ihm bewusst sei, dass es „eine Riesenherausforderung“ ist, vor der er steht. Er begreift die Herausforderung als eine Lust. Nicht als eine Last.

Unerfahren und doch modern

So unerfahren, wie Nouri und Bruns daherkommen, so modern darf man sie wohl trotzdem bezeichnen. Sie schauen beide nicht nur auf den gepflegten Pass von links hinten nach rechts vorn. Sie haben sich mit Bereichen wie Gesundheitsförderung, Ernährungslehre oder Marketing auseinandergesetzt, sie haben versucht, zu hospitieren und sich Inspirationen zu holen. Sie wollen gute Pädagogen sein. Sie wollen den Spielern helfen. Sie wollen ein Freund der Spieler sein, ohne dafür ein Kumpel der Spieler sein zu müssen. „Immer authentisch und ehrlich gegenüber den Spielern“, das nennt Bruns eine seiner Maximen.

Das Team Nouri/Bruns, das von Torwarttrainer Christian Vander ergänzt wird sowie demnächst noch einen weiteren Co-Trainer dazubekommen soll, will sich auch als tatsächliches Team begreifen. Ein Rollenverständnis, wonach der Cheftrainer der Bestimmer und der Co-Trainer nur fürs Bälle-Aufpumpen und Hütchen-Aufstellen und eventuell noch für die gute Laune da ist, findet sich sowieso immer seltener im modernen Fußball. Flache Hierarchien sind nicht nur auf dem Spielfeld, sondern auch auf den Trainerbänken längst etwas ganz Normales. Er würde mit Alexander Nouri sehr eng zusammenarbeiten, sich ganz oft austauschen und ihn nicht nur dienstlich, sondern auch privat oft treffen. Wobei es dann schnell auch wieder dienstlich wird. Profitrainer schaffen es kaum, mal nicht über Fußball zu reden, das gelingt schon den vielen Hobby-Trainern kaum.

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Eine gewisse Aufgabenverteilung unter Werders neuen Profi-Trainern gibt es trotzdem. Florian Bruns leitet zum Beispiel das Aufwärmtraining. Das war schon bei der U 23 so, so bleibt es jetzt auch bei den Profis. „Da habe ich noch mal einen ganz guten Zugriff auf die Spieler“, sagt er. Das ist ganz gut, er ist da ja noch in der Kennenlern-Phase.

Ein paar seiner neuen Spieler kennt Florian Bruns aber ganz gut. Mit Fin Bartels und Lennart Thy beispielsweise hat er einst in einer Mannschaft gestanden. Auf St. Pauli in Hamburg, wo Werder am Donnerstag zum Testspiel antritt. Bruns freut sich schon sehr. „Ich hatte da sieben tolle Jahre“, sagt er, „und bis auf eines waren sie auch erfolgreich“. Wenn die Bremen-Bilanz in sieben Jahren ähnlich ausfallen würde, dann hätte wohl auch Florian Bruns einen ziemlich guten Job gemacht an der Seite von Alexander Nouri.

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