Niklas Schmidt in Wehen Wiesbaden

Der zwölfte Mann

Bei Werder hat er kurz in der Bundesliga gespielt. Inzwischen ist Niklas Schmidt beim SV Wehen Wiesbaden in der Dritten Liga zuhause, Werder hat ihn dorthin verliehen. Eine erste Bilanz.
17.11.2018, 17:10
Lesedauer: 3 Min
Zur Merkliste
Der zwölfte Mann
Von Marc Hagedorn

Wenn der Ball ruht, und Niklas Schmidt zur Tat schreitet, dann kann man ziemlich sicher sein, dass gleich etwas Besonderes passiert. Das war so, als Niklas Schmidt vor zwei Jahren in der Nachspielzeit des Bundesliga-Spiels Werder Bremen gegen VfL Wolfsburg einen Eckball vors Wolfsburger Tor schlug und Theo Gebre Selassie das Siegtor für Werder köpfte. Und das war erst gerade wieder so, als Niklas Schmidt im Drittliga-Spiel Fortuna Köln gegen SV Wehen Wiesbaden einen Eckball vors Tor schlug und Manuel Schäffler das 3:0 für Wehen köpfte.

Zwischen diesen beiden Toren liegen zwei Jahre und zwei Ligen. Im Herbst 2016 hatte Niklas Schmidt, 18 Jahre, den Sprung in Werders Bundesliga-Mannschaft geschafft. Der damalige Trainer Alexander Nouri, ziemlich frisch im Amt, hatte den jungen Mittelfeldstrategen aus der U23 zu den Profis befördert. Im Herbst 2018 spielt Niklas Schmidt beim SV Wehen Wiesbaden in der Dritten Liga. Weil es bei Werder im ersten Versuch mit einer dauerhaften Bundesliga-Karriere nicht geklappt hat, ist Schmidt, 20 inzwischen, im Sommer den Umweg über die Dritte Liga gegangen. Zwei Schritte zurück sozusagen, um den nächsten Schritt nach vorn zu machen.

Gute Ergänzung

Weil sie bei Werder Niklas Schmidt eine Karriere im Profifußball grundsätzlich zutrauen, haben sie den Vertrag mit ihm im vergangenen Sommer verlängert und den Spieler dann an Wehen Wiesbaden verliehen. Hier soll sich Schmidt unter professionellen Bedingungen, aber nicht so hohem Niveau wie der Bundesliga weiter entwickeln. Bisher klappt das ganz gut. In Zahlen ausgedrückt heißt das: Niklas Schmidt war in 15 von 17 möglichen Pflichtspielen inklusive DFB-Pokal dabei. Er hat drei Tore geschossen und vier vorbereitet. „Niklas ist momentan so ungefähr der zwölfte Mann“, sagt Gunnar Schmid. Schmid ist Blogger (stehblog.de) und schreibt regelmäßig über den SV Wehen Wiesbaden.

Entweder steht Schmidt in der Startelf, dann wird er aber oft ausgewechselt, oder er ist der erste Einwechselspieler, „wenn alle fit und in Form sind“, so Schmid. Auf seine Einsatzzeiten jedenfalls kommt der Spieler. Niklas Schmidt, der 28 Mal in diversen deutschen Junioren-Nationalmannschaften gespielt hat, läuft mal als hängende Spitze, mal als zentraler Mittelfeldmann auf. „In der Offensive hat er regelmäßig gute Aktionen“, sagt Schmid, „sei es durch seine Freistöße oder auch durch schnelle Antritte mit dem Ball am Fuß. In solchen Momenten ist er oft nur per Foul zu stoppen, was schon zu Elfmetern geführt hat.“

Keine Bundesligaperspektive wegen Defensivschwächen?

An Schmidts offensivem Potenzial gab es schon zu Bremer Zeiten keinen Zweifel, genauso wenig wie an seiner feinen Schusstechnik. Schwächen hat Schmidt nach wie vor im Defensivverhalten, „sowohl beim konsequenten Nach-hinten-arbeiten als auch in der Zweikampfführung“, hat Schmid festgestellt. Kein Thema ist dagegen der Faktor Fitness. Man wird sich vermutlich erinnern: Ins erste Sommertrainingslager der Bundesliga-Mannschaft vor eineinhalb Jahren war Schmidt mit ein paar Kilo zu viel auf den Hüften gekommen. „Hier hat er keine Probleme, 90 Minuten durchzuhalten“, sagt Schmid, „ein bisschen athletischer kann er aber sicher noch werden. Würde er aber nicht ordentlich trainieren und an sich arbeiten, hätte er bei Rüdiger Rehm, dem Trainer, sicher nicht so viele Einsätze bekommen.“

Für 23 Punkte und Platz acht war das, was Schmidt und seine Kollegen bislang gezeigt haben, gut. Drei Punkte beträgt der Rückstand auf die Aufstiegsplätze, damit kann man in Wehen kurz vor Abschluss der Hinrunde leben. Der Aufstieg aber wäre schon eine feine Sache für den ehemaligen Kurz-Zeit-Zweitligisten. Dann wäre der SV Wehen Wiesbaden wieder dort, wo Blogger Schmid auch Niklas Schmidt als Fußballer verorten würde. Bundesliga? „Puh, schwierig“, sagt er, „zweite Liga kann ich mir schon gut vorstellen, wenn er sich noch etwas weiterentwickelt. Dass es für die erste Liga reichen könnte, sehe ich momentan nicht.“

Jetzt sichern: Wir schenken Ihnen 1 Monat WK+!
Mehr zum Thema
Lesermeinungen

Das könnte Sie auch interessieren

Das Beste mit WK+