Werders Abstiegsendspiel gegen Frankfurt Des Dramas letzter Akt

Das Spiel war längst vorbei, da standen Jannik Vestergaard und Fredrik Sörensen noch beisammen. Die dänischen Abwehrspieler, der eine Profi bei Werder, der andere beim 1. FC Köln, hatten viel zu bereden.
08.05.2016, 00:00
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Des Dramas letzter Akt
Von Marc Hagedorn

Das Spiel war längst vorbei, da standen Jannik Vestergaard und Fredrik Sörensen noch beisammen. Die dänischen Abwehrspieler, der eine Profi bei Werder, der andere beim 1. FC Köln, hatten viel zu bereden.

Natürlich ging es auch um die Szene aus der 26. Minute, als der Ball nach einem Schuss von Santiago Garcia im Kölner Tor gelegen, der Schiedsrichter den Treffer aber nicht gegeben hatte. Vestergaard war an der Szene beteiligt gewesen, Sörensen hatte ganz in der Nähe gestanden. Nach einer Ecke war es zu einem Durcheinander im Kölner Fünfmeterraum gekommen und FC-Schlussmann Timo Horn bei dem Versuch einer Faustabwehr am Ende zu Boden gegangen. Schiedsrichter Felix Zwayer wollte ein Foulspiel von Vestergaard gesehen haben. Spätestens die Fernsehbilder zeigten aber ganz deutlich: Horn war von seinen Mitspielern Anthony Modeste und Dominique Heintz behindert worden. „Ein klares Tor“, sagte Vestergaard deshalb hinterher. Allein: Es nutzte nichts mehr. Statt 1:0 für Werder nach 26 Minuten hieß es weiterhin und schließlich auch bis zum Schlusspfiff 0:0.

Es war ein Sonnabend in Köln, der schon einmal einen Vorgeschmack auf das gab, was am nächsten Sonnabend passiert. Denn Werder hat nun das allseits erwartete beziehungsweise befürchtete Abstiegsendspiel gegen Eintracht Frankfurt im Weserstadion. Werder muss gewinnen, um den Relegationsplatz zu verlassen. Ein Unentschieden würde eine Saisonverlängerung in Form von zwei Entscheidungsspielen, sehr wahrscheinlich gegen den 1. FC Nürnberg, nach sich ziehen. Bei einer Niederlage kann Werder sogar noch direkt absteigen. Was dieses Bundesliga-Finale bedeutet? „Das wird eine Kopf- und Nervensache“, sagte Werders Geschäftsführer Thomas Eichin.

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Einen Eindruck von dem Drama, das sich Abstiegskampf nennt, lieferte bereits dieser 33. Spieltag. Ohne dass in Köln ein Tor gefallen wäre, war Werder zwischenzeitlich auf den direkten Abstiegsplatz abgerutscht. Der VfB Stuttgart war gegen Mainz früh in Führung gegangen, Frankfurt hatte gegen Dortmund das überraschende 1:0 erzielt. Aber wenigstens auf die Stuttgarter Defensivschwäche ist in dieser Saison Verlass. Gegen kurz vor halb sechs, als alle Spiele endlich abgepfiffen waren, hatte sich der Kreis der Abstiegskandidaten auf drei Teams reduziert. Der HSV? Gerettet. Augsburg? Gerettet. Darmstadt 98? Gerettet. Hoffenheim? Gerettet. Jetzt geht es nur noch um den VfB Stuttgart, der bestenfalls noch den Relegationsplatz erreichen kann, und eben Frankfurt und Werder im direkten Duell.

„Ob gewonnen oder verloren, du hast sowieso das Riesenfinale“, sagte Werder-Trainer Viktor Skripnik nach dem Köln-Spiel. Mit dem feinen Unterschied, dass Frankfurt nach dem Bremer 0:0 nun ein Unentschieden in Bremen reicht – und Werder gewinnen muss. Aber alle Bremer beeilten sich gleich nach dem Schlusspfiff, Selbstvertrauen zu demonstrieren und Zuversicht zu verbreiten. Was ihm für das Frankfurt-Spiel Mut mache, wurde Skripnik gefragt. Antwort: „Die Form der letzten Monate.“

Tatsächlich hatte Werder in Köln eine gute erste Halbzeit hingelegt und nach 90 Minuten plus fünf Minuten Nachspielzeit das erste Mal in dieser Saison ein Bundesliga-Spiel ohne Gegentor überstanden. „Auch dieses erste Zu-Null ist ein Schritt nach vorn“, sagte Skripnik. Noch ein paar mehr Schritte nach vorn hätten die Bremer machen können, wenn sie auch die zweite Halbzeit so kontrolliert hätten wie die erste. Bis zur Pause war Werder das deutlich aktivere Team gewesen, die Statistik machte das mit 9:2 Torschüssen, 5:2 Ecken und 55 Prozent Ballbesitz auch in Zahlen deutlich. Und Zlatko Junuzovic hatte auch noch an den Außenpfosten geschossen.

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Der verdiente Lohn, das 1:0, blieb indes aus. Sehr zum Ärger der Bremer. „Es wird ein ganz anderes Spiel, wenn du 1:0 in Führung gehst“, sagte Bartels nach dem nicht gegebenen Garcia-Treffer. „Ich habe von der Bank aus gesehen, dass es ein klares Tor war“, sagte Eichin. Und Vestergaard meinte: „Wenn man als Schiedsrichter ein Tor zurückpfeift, dann muss man sich sicher sein. Hier kann das aber nicht der Fall gewesen sein.“ Weil es eben kein Foulspiel gegeben hatte.

Es ehrte indes die Bremer, dass sie nicht allzu sehr auf dieser Fehlentscheidung herumritten. Vielleicht auch, weil sie später selbst Glück gehabt hatten, dass eine Berührung von Papy Djilobodji mit Dominic Maroh in der zweiten Hälfte nicht zu einem Elfmeter für Köln führte. „Schiedsrichter machen Fehler, das gehört zum Abstiegskampf dazu“, sagte Eichin. Auch Clemens Fritz verzichtete auf eine Schiedsrichter-Schelte, allerdings aus einem anderen Grund. Er wolle jetzt nichts dazu sagen, so der Kapitän, „sonst sitze ich nächste Woche auf der Tribüne“. Fritz hat in dieser Saison schon Erfahrungen mit dem DFB gemacht, nachdem er sich vor ein paar Wochen absichtlich die zehnte Gelbe Karte abgeholt hatte. Fritz hatte damals zusätzlich zur Sperre eine Geldstrafe erhalten.

Tatsächlich fehlen wird beim Bundesliga-Finale dafür ein anderer, und zwar einer, der für Werder zuletzt sehr wichtig war: Flügelflitzer Fin Bartels, der sich in der Schlussphase unnötig eine Gelbsperre eingehandelt hatte. Bartels hatte eine Schiedsrichterentscheidung höhnisch beklatscht. „Das ist nicht gut“, sagte Eichin, „aber es ist ein Spiel mit vielen Emotionen, da geht mit einem schon mal der Gaul durch.“

Werder stand in dieser Phase der Partie gehörig unter Druck. Köln war der Führung und dem Sieg nach der Pause deutlich näher als Werder, aber sämtliche FC-Angriffe endeten beim starken Werder-Torwart Felix Wiedwald. „Die Fans können froh sein, dass Felix so eine Form hat“, sagte Skripnik. Und auch die Bremer hatten sich letztlich mit dem 0:0 ausgesöhnt. „Wir haben es noch selbst in der Hand“, sagte Eichin, „und wir haben das in dieser Saison in ähnlichen Situationen immer gut gelöst.“ Nun also Eintracht Frankfurt. Am kommenden Sonnabend, 34. Spieltag, 15.30 Uhr im Weserstadion.

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