DFB-Pokal-Halbfinale

Werders Kohfeldt gegen Leipzigs Nagelsmann

Das Spiel am Freitagabend, Werder Bremen gegen RB Leipzig, entscheidet nicht nur über den Pokalfinalisten - es ist das Duell Florian Kohfeldt gegen Julian Nagelsmann.
29.04.2021, 20:29
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Von dco
Werders Kohfeldt gegen Leipzigs Nagelsmann

Im DFB-Pokalhalbfinale stehen sich Werder-Trainer Florian Kohfeldt und RB-Leipzig-Coach Julian Nagelsmann gegenüber.

RB Leipzig/dpa

Mal ehrlich: Wäre Werders bevorstehendes DFB-Pokal-Halbfinale gegen RB Leipzig Teil einer modernen Drama-Serie, wie sie unzählige Menschen Abend für Abend in ihre Wohnzimmer streamen, dem Drehbuch-Autoren ließe sich durchaus ein Lob aussprechen – für sein auf allen Ebenen spannendes, ja fast schon zu sehr auf die Spitze getriebenes Storytelling.
In den Hauptrollen: zwei Trainer. Einer weit unten, fast ganz, dem nur noch dieses eine Spiel bleibt, um seinen Job zu retten.

Und einer weit oben, demnächst sogar so weit, wie es im deutschen Vereinsfußball weiter nicht geht. Werder Bremen gegen RB Leipzig, das ist am Freitagabend nicht bloß eine Partie, die über den ersten von zwei Pokal-Finalisten entscheidet, nein: Es ist auch das Duell Florian Kohfeldt gegen Julian Nagelsmann, die einst in der aufkommenden Diskussion um die Vertreter der neuen Trainergeneration (Stichwort: „Laptop-Trainer“) auf einer Stufe wahrgenommen wurden. Die nun aber an den genau entgegengesetzten Ecken des Geschäfts angekommen sind. Deutlicher als am vergangenen Montag hätte das nicht werden können.

Nagelsmann wechselt zum FC Bayern

Während viele Beobachter nach sieben Bundesliga-Niederlagen in Folge fest mit einer Entlassung Kohfeldts in Bremen rechneten und mit Spannung auf die angekündigte Entscheidung der Vereinsführung warteten, wurde parallel dazu folgende Nachricht öffentlich: Nagelsmann wechselt zur neuen Saison zum FC Bayern München. Mehr Fokus geht kaum, was ausdrücklich für beide Trainer gilt, denen ein gutes, beinahe freundschaftliches Verhältnis nachgesagt wird.

Am Freitagabend begegnen sie sich nun bereits zum achten Mal am Rande des Spielfelds, der allerdings noch nie zuvor so sehr im Mittelpunkt des Interesses lag.

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Die Ausgangslage? Völlig klar: Alles andere als ein Leipziger Finaleinzug wäre eine faustdicke Überraschung, was natürlich auch Nagelsmann weiß. Nur kann er es so deutlich nicht sagen. „Wir wissen, was zu tun ist, um in Bremen ein Ergebnis zu erzielen“, erklärte der 33-Jährige am Donnerstag und spielte damit auf den ungefährdeten Leipziger 4:1-Erfolg in der Bundesliga an, der erst knappe drei Wochen zurückliegt. Respekt vor Werder, Respekt vor Kohfeldt hat Nagelsmann trotzdem, weil er sein Gegenüber einerseits „für einen sehr guten Trainer“ hält und dessen Mannschaft andererseits zumindest einen kleinen Mutmacher zuspricht: „Den Rucksack des drohenden Abstiegs haben sie im Pokal sicher nicht auf.“

Auf diesen psychologischen Vorteil hofft auch Kohfeldt, der Nagelsmann ebenfalls attestierte „ein sehr guter Trainer und Typ“ zu sein und dessen Wechsel nach München zu „zehntausend Prozent“ nachvollziehen kann. Aber eben auch herausstrich, dass man sich als Bremer trotz aller Sorgen auf dieses Spiel freuen dürfe – allein schon, weil man es erreicht hat. Und möglicherweise, ganz vielleicht, hat der verkündete Nagelsmann-Abschied in Richtung Rekordmeister ja auch für etwas Unruhe innerhalb der Leipziger Mannschaft gesorgt.

„Wir werden in Bremen Gas geben, weil wir ein großes Ziel haben“

„Das ist spekulativ“, sagte Kohfeldt – und fügte an: „Aber wenn es eine gewisse Irritation beim Gegner gibt, wollen wir sie natürlich ausnutzen.“ Nagelsmann wiederum schloss das praktisch aus. „Wir werden in Bremen Gas geben, weil wir ein großes Ziel haben“, versprach der Mann, von dem RB-Sportchef Oliver Mintzlaff nicht weniger als den Pokalsieg als Abschiedsgeschenk eingefordert hat. Druck gibt es also auch für den Bald-Bayern-Trainer, was gut in die Drama-Serie „Werder gegen Leipzig, Kohfeldt gegen Nagelsmann“ passt, deren Storyline übrigens – wie es sich für tiefgründigen Stoff gehört – bereits vor einigen Jahren ansetzt.
25. Oktober 2017: Werder Bremen tritt im DFB-Pokal gegen die TSG Hoffenheim an, deren hochgelobter Trainer – richtig! – Julian Nagelsmann heißt.

Werders Coach Alexander Nouri hingegen ist nach neun Spieltagen immer noch sieglos und dementsprechend angezählt, entgeht dank eines überraschenden 1:0-Erfolgs aber seiner Entlassung, die dann fünf Tage und eine 0:3-Pleite gegen Augsburg später folgt. Und Florian Kohfeldt den Weg auf die Bühne Bundesliga ebnet.

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