DFL plant Abbruchszenario

Wird Werder zum großen Verlierer?

Die DFL will ein Notfallszenario für einen eventuellen Saisonabbruch auf den Weg bringen. Werder könnte dabei ein großer Verlierer sein, weil es neben einem Meister auch zwei direkte Absteiger geben soll.
13.05.2020, 11:28
Lesedauer: 3 Min
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Von dpa/wkf
Wird Werder zum großen Verlierer?

Für Florian Kohfeldt und Werder könnten die kommenden Wochen noch brisanter werden.

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Die Deutsche Fußball Liga hat einem Medienbericht zufolge ein Notfallszenario für den Fall eines Saisonabbruchs entworfen. Sollte die Spielzeit aus rechtlichen Gründen nicht zu Ende gebracht werden können, solle die zu diesem Zeitpunkt aktuelle Tabelle gewertet werden, berichtet die „Bild“-Zeitung. Damit könnte ein Meister gekürt werden, es gäbe jeweils zwei feste Absteiger und keine Aufstockung der Ligen.

Über diese Modalitäten wolle die DFL die 36 Klubs bei der Mitgliederversammlung am Donnerstag abstimmen lassen, hieß es weiter. Den Vereinen sollen demnach nach 1. und 2. Bundesliga getrennt zwei Papiere mit der Hoffnung auf Zustimmung vorgelegt werden. Aktueller Bundesliga-Tabellenführer vor dem angestrebten Wiederbeginn an diesem Sonnabend ist der FC Bayern München. Besonders brisant aus Bremer Sicht: Die direkten Abstiegsplätze belegen derzeit bekanntlich Werder und der SC Paderborn. Im schlimmsten Falle ist es also möglich, dass die Grün-Weißen in die zweite Liga müssen, obwohl rein sportlich noch die Chance bestehe sich zu retten. Dem Fairnessgedanken des Sports entspricht der DFL-Plan nur bedingt, da sich die Restprogramme der Teams doch deutlich unterscheiden und die Tabelle auch dadurch ein schiefes Bild abgeben würde. Offen ist darüber hinaus, was passiert, wenn Klubs eine unterschiedliche Anzahl an Spielen absolviert haben. Werder hat bekanntlich noch die Nachholpartie gegen Eintracht Frankfurt auszutragen - sollte es im Vorfeld zu einem Abbruch der Saison kommen, wäre eine Gleichheit zwischen allen Mannschaften ebenfalls nicht gewährleistet.

Peters glaubt an Austragung

„Wir werden am Donnerstag wohl letztmals das Thema 'erzwungener Saisonabbruch' behandeln. Letztmalig deshalb, weil ich überzeugt bin, dass es dazu nicht kommen wird“, sagte Peter Peters, Aufsichtsratsvorsitzender der DFL, am Mittwoch im Interview mit der Deutschen Presse-Agentur. „Aber für diesen absolut unwahrscheinlichen Fall steht für mich fest: Es wird keine Aufstockung - und es muss auch Auf- und Abstieg geben.“ Allein die Relegationsspiele sollen bei einem erzwungenen Abbruch der Spielzeit wegfallen. „Nochmal: Dieses Szenario ist höchst unwahrscheinlich, sollte aber auch geregelt sein. Ich bin überzeugt, dass alle Klubs diesem Vorschlag zustimmen“, betonte Peters.

Sollte es nicht vorsorglich in den Statuten geregelt werden, sähe Peters bei einem Abbruchszenario einen „Berg von Problemen“ auf die DFL zukommen. Er fürchtet lange juristische Auseinandersetzungen, weil es in solch einem Fall immer „negativ Betroffene“ gebe. „Dann müssten wir viele Regelungen treffen, deren Folgen noch gar nicht absehbar sind. Das ginge nicht ohne große Komplikationen. Wenn man von Fairness spricht, ist es am besten, die Saison auf den grünen Rasen zu Ende zu bringen als Entscheidungen am grünen Tisch zu treffen.“

Blick geht nach Frankreich

In diesem Zusammenhang lohnt sich ein Blick nach Frankreich. Dort wurde bereits entschieden, die Spielzeit frühzeitig zu beenden und Paris St. Germain zum Meister zu machen. Auch im Tabellenkeller herrscht Klarheit - zumindest theoretisch. Der SC Amiens, der auf einem Abstiegsplatz steht, reichte nun Klage gegen den Beschluss ein. „Wir finden, dass die Entscheidung gegen die sportliche Fairness verstößt“, begründete Amiens-Präsident Bernard Joannin das juristische Vorgehen gegen den Abstieg. „Die Entscheidung ist eine Bestrafung durch die Liga. Es ist ungerecht.“ Amiens lag beim Abbruch der Saison vier Zähler hinter Olympique Nimes, das nun keine Relegation spielen muss, sondern direkt gerettet ist. Beide Mannschaften hätten sogar noch direkt gegeneinander gespielt. „Wir wurden dazu gezwungen, zu kämpfen und vor Gericht zu gehen, um diese unfaire Entscheidung anzufechten“, sagte Joannin.

Unterdessen geht es beim deutschen Ligaverband auch um die Dauer der Saison. Als zweiten Punkt sollen die Klubs dem Medienbericht zufolge zustimmen, dass die Spielzeit bis zum 30. Juni, notfalls aber auch im Juli abgeschlossen werden könne. Zahlreiche Spielerverträge enden zum 30. Juni. Die DFL äußerte sich bislang nicht zu den Plänen.

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