Werder will vor Tausenden spielen

Bremer Politik kritisiert Zuschauerpläne der DFL

Die Bremer Politik reagiert skeptisch auf Überlegungen, zum Bundesliga-Start wieder Fans in die deutschen Stadien zu lassen. Virologe Andreas Dotzauer hält die Maßnahmen dagegen für akzeptabel.
05.08.2020, 09:31
Lesedauer: 3 Min
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Von Mathias Sonnenberg und Christoph Bähr
Bremer Politik kritisiert Zuschauerpläne der DFL
nordphoto / gumzmedia

Die 36 Vereine der Deutschen Fußball Liga (DFL) haben sich auf die Rahmenbedingungen für eine Bundesliga mit Zuschauern festgelegt: keine Gästefans, keine Stehplätze, kein Alkohol, personalisierte Online-Tickets. So könnte die Lösung aussehen, damit die Stadien der Profi-Vereine zum Start der ersten und zweiten Bundesliga am 18. September wieder mit Zuschauern gefüllt werden können. Die Entscheidung liegt bei der Politik. Und da regt sich in Bremen erster Widerstand. „Ich stehe dem Vorschlag der DFL, Bundesliga-Begegnungen wieder vor Zuschauern zu veranstalten, sehr skeptisch gegenüber“, sagte Innensenator Ulrich Mäurer (SPD) dem WESER-KURIER.

Zuletzt hatte Werder Bremen Pläne veröffentlicht, wie Spiele mit Zuschauern im Weserstadion wieder möglich wären. „Eine Zahl um die 15.000 Zuschauer halten wir dabei für möglich, dies muss aber eng mit den zuständigen Ämtern und Behörden abgestimmt werden“, hatte Präsident Hubertus Hess-Grunewald erklärt. Nach der DFL-Versammlung am Dienstag sagte er: „Wir möchten jetzt die nächsten Schritte gehen. Die Überschrift könnte lauten: Ein kleiner Schritt in Richtung Normalität.“

Mäurer hat Zweifel

Seit Wochen stehen Werder und das Gesundheitsamt im Austausch und besprechen, wie es möglich sein könnte, Zuschauer wieder ins Weserstadion zu lassen. „Es ist ein sehr konstruktiver und guter Austausch. So wie wir mit den Behörden sprechen, habe ich große Hoffnung, dass bei unserem ersten Heimspiel Teile der Tribünen gefüllt werden können“, erklärte Hess-Grunewald und fügte an: „Wenn wir überzeugende Konzepte vorlegen, bin ich mir sicher, dass auch Ulrich Mäurer seine Bedenken zurückstellen wird.“

Mäurer hat Zweifel, ob die Pläne umgesetzt werden können. Dagegen stehe die aktuelle Rechtslage, die Großveranstaltungen mit mehr als 1000 Teilnehmern bis zum 31. Oktober untersage. „Eine Regelung, die im Übrigen bundesweit gilt und von den Ministerpräsidenten getroffen wurde“, wie der Innensenator hinzufügt. Auch aus dem Gesundheitsressort kommt Kritik an den Plänen der DFL. Staatsrätin Silke Stroth erklärte dem WESER-KURIER auf Anfrage: „Für uns sind Zuschauer bei Spielen der Bundesliga aktuell nur sehr schwer vorstellbar.

Abhängigkeit vom Infektionsgeschehen

Wir haben in den letzten Wochen und Monaten viele Bereiche des öffentlichen Lebens eingeschränkt, um das Infektionsgeschehen einzudämmen – und das war sehr erfolgreich.“ Die Situation habe sich verändert: Bundesweit, auch in Bremen, gebe seit ein paar Wochen wieder leicht steigende Fallzahlen. Dazu komme das Ende der Sommerferien mit Reiserückkehrern. „Das alles zusammen schafft eine Situation, die aktuell noch sehr schwer einzuschätzen ist“, sagte Stroth.

Das sieht Mäurer ähnlich. „Niemand kann im Augenblick absehen, wo wir im September stehen werden und mit welchen Herausforderungen wir umzugehen haben werden.“ Die Sehnsucht nach Normalität dürfe nicht das Handeln beeinflussen. Staatsrätin Stroth fragt sich zudem: „Großveranstaltungen haben wir bislang verboten und dann ein Fußballspiel mit Tausenden Fans in den Stadien? Von daher sehen wir das sehr zurückhaltend bis skeptisch und können solche Entscheidungen immer nur abhängig vom Infektionsgeschehen treffen.“

Virologe befürwortet Alkoholverbot

Der Bremer Virologe Andreas Dotzauer hält die DFL-Rahmenbedingungen unter Einhaltung der bekannten Corona-Regeln als Kompromiss für akzeptabel. „Bei Sitzplätzen beispielsweise lassen sich die Daten leichter zurückverfolgen. Deshalb ist die Maßnahme, auf Stehplätze verzichten zu wollen, sehr sinnvoll“, sagte er. Bei 15.000 Fans im Weserstadion wäre zudem fast jeder dritte Platz leer. Und auch der Plan, auf Bier und Wein zu verzichten, sei gut, da Alkohol enthemme. „Allerdings müsste bei der Einlasskontrolle darauf geachtet werden, dass keine betrunkenen Zuschauer ins Stadion kommen.“

Wichtig sei, dass die Rahmenbedingungen immer an das aktuelle Infektionsgeschehen angepasst werden. „Was im August gilt, kann im Oktober schon wieder anders sein.“ Problematisch seien die gemeinsame Nutzung von Toiletten, das Singen im Stadion oder auch das Umarmen nach Toren. Zudem hält er das Fiebermessen vor dem Stadion für eine Option, zumindest Zuschauer mit Symptomen vom Stadionbesuch auszuschließen.

DFL-Geschäftsführer Christian Seifert erklärte, dass nicht volle Stadien Priorität in Deutschland hätten, sondern die gesundheitliche Situation. „Aktuell spielt Corona eben noch mit und eine sehr bedeutende Rolle.“ Der Fußball müsse „in kleinen Schritten die Normalität für uns zurückerobern". Der bayerische Ministerpräsident Markus Söder (CSU) hatte angesichts ansteigender Zahlen von Neuinfektionen Zweifel geäußert. Er hält Bundesligaspiele mit 25.000 Zuschauern „für sehr schwer vorstellbar“.

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