Werder Bremen Die Baustellen des Thomas Eichin

Bremen. Thomas Eichin ist seit Mitte Februar als Nachfolger von Klaus Allofs Sportchef bei Werder. Nach dem Klassenerhalt erwarten die Fans von ihm die Grundlagen für bessere Zeiten zu legen.
13.05.2013, 05:00
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Die Baustellen des Thomas Eichin
Von Marc Hagedorn

Thomas Eichin ist seit Mitte Februar als Nachfolger von Klaus Allofs Sportchef bei Werder. Seitdem hat die Mannschaft in der Bundesliga nicht mehr gewonnen, wofür Eichin allerdings nichts kann. Immerhin: Am Sonnabend schaffte Werder den Klassenerhalt. Jetzt blicken die Fans erwartungsfroh auf den Neuen: Thomas Eichin soll die Grundlagen für wieder bessere Zeiten legen. Kein leichtes Vorhaben.

Bremen. Mitten im Interview hatte Thomas Eichin genug. Werders Sportchef ließ den Radioreporter einfach stehen und verließ angenervt die Mixed Zone des Weserstadions. Werder war gerade nach einem 1:1 gegen Eintracht Frankfurt dem Abstieg aus der ersten Liga entgangen, aber die Journalisten wollten wieder mal nur über das eine Thema reden. Geht‘s bei Werder mit Thomas Schaaf weiter?

Eichin hatte auf die Frage, wer in der nächsten Saison Trainer des SV Werder Bremen sein werde, geantwortet: "Thomas Schaaf." Kurz danach fragte Eichin an einen Fragesteller zurück: "Natürlich ist er der Trainer, warum soll er nicht der Trainer sein?" So deutlich hatte sich Eichin zuvor noch nie geäußert. Seit Wochen wird der Sportchef nach Schaaf gefragt. Stets hatte er in diesem Zusammenhang auf den bis 2014 gültigen Vertrag mit dem Trainer hingewiesen, immer verbunden mit dem Zusatz, dass man sich nach der Saison zusammensetzen und die Lage analysieren werde. Dieser Hinweis war – wie in der Branche üblich – als eingeschränkte Jobgarantie interpretiert worden, weswegen das Thema nie von der Tagesordnung verschwand. Zum Abschied am Sonnabend sagte Eichin zu den Reportern: "Immer dieselbe Frage, das macht mir keinen Spaß."

Der neue Sportchef des SV Werder Bremen hätte sich keinen schwierigeren Zeitpunkt für den Einstieg in seinen neuen Job aussuchen können. Im dritten Jahr in Folge fällt die Saisonbilanz negativ aus. Seitdem Eichin Mitte Februar seinen Dienst angetreten hat, befindet sich Werder im Abstiegskampf. In der Stadt führt man eine Trainerdiskussion, und nicht alle Profis haben sich vorbildlich verhalten.

Und als sei das nicht schon mehr als genug, bröckelt nun auch das nationale Ansehen. Beim Fernsehsender "Sky" legten Experten wie Oliver Kahn und Ottmar Hitzfeld ihre Sicht auf die Bremer Dinge dar. "Du siehst bei Werder in den letzten zwei bis drei Jahren keine Weiterentwicklung", sagte etwa Kahn. Und Hitzfeld ergänzte: "Die Bremer haben eine schlecht durchgezogene Saison erlebt. Dass sie sich jetzt eine Runde vor Schluss noch gerettet haben, spricht nicht für die Klasse von Werder Bremen."

Gut für Thomas Eichin ist, dass er nichts davon zu verantworten hat. Den aktuellen Kader haben sein Vorgänger Klaus Allofs und Cheftrainer Thomas Schaaf zusammengestellt. Am vergangenen Dienstag beim WESER-KURIER-Talk rief ein Zuschauer Thomas Eichin zu: "Herr Eichin, Sie sind unser Hoffnungsträger." Dafür gab es lauten Applaus. Auf welcher Baustelle soll er aber anfangen?

Wie es aussieht, wird er mit dem Kaderumbau beginnen. Nachdem er sich in den ersten Wochen einen Überblick über die Vorzüge und Schwächen der aktuell rund 30 Profis verschafft hat, steckt Eichin längst in der Detailarbeit – übrigens in Abstimmung mit Thomas Schaaf, wie Eichin betont. Auf einen Spieler muss er dabei künftig verzichten: Kurz bevor Eichin am Sonnabend die Mixed Zone verließ, hatte Kevin De Bruyne den Reportern Rede und Antwort gestanden. De Bruyne, Werders bester Spieler dieser Saison, unterstrich dabei noch einmal, dass ihn sein Weg nun raus aus Bremen führen werde (siehe auch nebenstehenden Text). Das ist längst keine Überraschung mehr und für Eichin auch keine Niederlage. Einer wie De Bruyne gehört in die Champions League. Werder kann da nicht mehr mithalten.

Entscheidender für Eichin ist eine andere Personalie: Nils Petersen. Werder will den Mittelstürmer unbedingt langfristig unter Vertrag nehmen. Sportlich, weil er eine ordentliche Leihsaison mit elf Toren und sechs Torvorlagen gespielt hat. Aber auch als Typ schätzt man ihn außerordentlich: Petersen ist sympathisch, intelligent; kurzum ein Spieler, mit dem sich Fans und Sponsoren identifizieren können. Solche Leute braucht Werder jetzt. Petersen selbst will sehr gerne bleiben und geht davon aus, dass sein aktueller Klub, der FC Bayern, ihm keine Steine in den Weg legt. Eichin ist auch optimistisch, betont aber, dass noch nichts perfekt sei. Knackpunkt? "Die Ablösesumme", sagt Eichin. Die Bayern wollen angeblich vier Millionen Euro haben, Eichin will den Preis drücken.

Weitere große Namen auf der Liste des Sportchefs sind die von Aaron Hunt, Sokratis, Eljero Elia und Marko Arnautovic. Unter anderem Bayer Leverkusen buhlt um Sokratis. Der Vertrag von Aaron Hunt endet 2014, genauso wie der von Arnautovic, der sich ins Abseits gespielt hat. Dort steht auch Elia. Bei einem guten Angebot, das ist kein Geheimnis, würde Werder Arnautovic und Elia sofort ziehen lassen, zumal die Mannschaft ohne ihre beiden Querköpfe bewiesen hat, was möglich ist, wenn alle zusammenhalten.

Innenverteidiger Sebastian Prödl sagte, dass Einzelkämpfer und Eitelkeiten aussortiert seien, keiner habe den Kopf hängen lassen, "und das gelingt einer Mannschaft nicht, die nicht funktioniert".

Verstärkungen braucht Werder trotzdem überall: für die Abwehr, fürs defensive Mittelfeld und für die Offensive. Thomas Eichin hat viel Arbeit vor sich. Nach dem Klassenerhalt ist für ihn vor dem Kaderumbau.

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