Die Eggesteins verlängern bei Werder

Die Brüder bleiben Bremer

Lange haben die Verhandlungen gedauert, jetzt hat Werder mit Maximilian und Johannes Eggestein Einigung über eine Vertragsverlängerung erzielt. Nach Mein-Werder-Informationen wird es nächste Woche verkündet.
16.01.2019, 07:38
Lesedauer: 3 Min
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Die Brüder bleiben Bremer
Von Christoph Sonnenberg

Es gibt ziemlich viel, was man in den vergangenen Monaten über Maximilian und Johannes Eggestein lernen konnte. Dass sie in getrennten Wohnungen leben, die aber in unmittelbarer Nähe zueinander liegen (Luftlinie 100 Meter). Dass sie nach dem Training häufig zusammen im Supermarkt einkaufen, um am Abend zu kochen (Maximilian ist der Koch, Johannes das Helferlein). Dass sie gerne mit Oma und Opa skypen und als Kinder zusammen Playmobil gespielt haben. Die Geschichte der beiden Brüder, die für Bremen spielen, ist eine besondere und eine besonders schöne zugleich. So schön, dass sie bundesweit für Aufmerksamkeit gesorgt hat, mit dem vorläufigen Höhepunkt einer Einladung ins „Aktuelle Sportstudio“ des ZDF Anfang Dezember vergangenen Jahres. Die gilt ja noch immer als zuverlässiger Gradmesser der Popularität.

Jetzt gibt es eine Nachricht der Brüder, die ebenso schön wie beruhigend ist. Nach Informationen von Mein Werder stehen sowohl Maximilian als auch Johannes unmittelbar vor einer Vertragsverlängerung. Der aktuelle Kontrakt von Maximilian läuft bis 2020, der von Johannes bis 2019. In der kommenden Woche, vor dem Heimspieldebüt 2019 gegen Eintracht Frankfurt, dürfte sie offiziell verkündet werden. Dass die Brüder Bremer bleiben, hat sich abgezeichnet. Florian Kohfeldt hatte in der Vergangenheit mehrfach betont, er sei „optimistisch", weiterhin mit beiden zusammen zu arbeiten. Gewiss war sie aber keineswegs, es waren keine einfachen Verhandlungen. Allerdings aus unterschiedlichen Gründen.

Für Maximilian, dem mit 22 Jahren älteren der beiden Brüder, war das Jahr 2018 eine Art Turbolader für die Karriere. In jedem Spiel des abgelaufenen Kalenderjahres stand er in der Startelf, nur in zwei von 34 Bundesligaspielen holte ihn Kohfeldt vorzeitig vom Platz. Das bezeugt Wertschätzung ebenso wie Wichtigkeit. In der Hinrunde der laufenden Spielzeit, nach vier Toren in acht Spielen, rückte er in den Fokus von Nationaltrainer Joachim Löw. Auch bei anderen Bundesligisten genießt der ältere der Eggesteins seitdem eine andere Aufmerksamkeit. Er sei, so sagen sie bei Werder, interessant für Klubs wie Dortmund und Gladbach. Beinharte Konkurrenz mit sportlich größeren Ambitionen und eine Erklärung, weshalb sich die Verhandlungen länger hingezogen haben.

Maximilian nun im Kreis der Top-Verdiener

Wer begehrt ist, kann wählerisch sein. Es ist also verständlich und legitim, dass Maximilian seine gute Position für sich nutzt und alle möglichen Optionen prüft. Mitunter fällt eine Entscheidung schwerer, je zahlreicher die Alternativen sind. Auch das ist menschlich. Geld, so heißt es aus dem Umfeld des Spielers, sei dabei aber nur ein Aspekt gewesen. Natürlich rückt Maximilian nun auf in den Kreis der Top-Verdiener wie Max Kruse, Davy Klaassen, Jiri Pavlenka oder Ludwig Augustinsson. Eine Summe von geschätzt zwei Millionen Euro jährlich dürfte Eggestein künftig verdienen.

Ein weiterer wichtiger Aspekt sei, auch das ist zu hören, die Frage nach der Zukunft Kohfeldts gewesen. Offenbar konnte der Trainer ihn beruhigen (was wiederum ebenfalls beruhigend ist, da es bedeutet, dass Kohfeldt seine Zukunft in Bremen sieht, aber das ist eine andere Geschichte), sonst wäre eine Verlängerung weitaus schwieriger geworden. Dass ein Spieler seine Zukunft an die des Trainers knüpft, ist eine Dimension, die es bei Werder seit Thomas Schaaf nicht mehr gegeben haben dürfte.

Johannes wohl mit niedrigerem Grundgehalt

Bei Johannes Eggestein ging es ebenfalls um Geld, beim 20-Jährigen ist der Fall aber anders und damit ungewöhnlich gelagert. Im Juni 2016 legte Werder ihm ein Vertragsangebot vor, das aus dem immensen Druck entstand, das Sturm-Talent nicht ziehen zu lassen. Manchester United hatte Interesse, Bayern und Gladbach. Werder konterte mit einem Dreijahresvertrag, der Eggestein 80.000 Euro pro Monat zuzüglich Prämien zusicherte. Es braucht kein Mathegenie, um zu errechnen, dass Johannes Eggestein bereits Millionär ist.

Wer bei Werder auf knapp eine Million Euro im Jahr kommt, ist in der Regel Stammspieler. Johannes Eggestein ist auf dem Weg dahin, aber eben nur auf dem Weg. Im neuen Kontrakt dürfte das garantierte Gehalt niedriger sein, dafür der Prämienanteil höher. Das Risiko, weniger Geld als zuvor zu verdienen, ist vorhanden. Johannes Eggestein hat sich offenbar entschieden, dieses Risiko einzugehen. Angesichts seiner sportlichen Entwicklung bei Werder die richtige Entscheidung – und ein starkes Signal.

Einen Kommentar zur bevorstehenden Vertragsverlängerung der Eggestein-Brüder, lest ihr hier.

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