Werder erklärt den Vogt-Transfer

„Die charakterliche Wunschlösung"

Kevin Vogt, bis Saisonende aus Hoffenheim ausgeliehen, soll bei Werder seine sportlichen Fähigkeiten einbringen. Er ist aber vor allem als Führungsspieler gefragt, wie ein Satz Florian Kohfeldts verrät.
13.01.2020, 09:46
Lesedauer: 3 Min
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Von Christoph Sonnenberg und Jean-Julien Beer
„Die charakterliche Wunschlösung"

Zugang Kevin Vogt mit Sportchef Frank Baumann.

Nordphoto

Am Ende ging es dann wie so oft ganz schnell. Sonntagmorgen reiste Kevin Vogt in Begleitung seiner Berater Tobias Sander und Björn Bezemer nach Bremen, um den obligatorischen Medizincheck zu absolvieren und den Vertrag zu unterschreiben. Im Laufe des Sonnabends wollte Werder nicht mal Verhandlungen bestätigen, tags darauf vermeldete der Klub am Vormittag Vollzug: Vogt kommt auf Leihbasis bis zum Ende der Saison aus Hoffenheim. Am Montag folgt die offizielle Vorstellung des 28-Jährigen.

Florian Kohfeldt bekommt mit Vogt, was er sich gewünscht hat: einen Spieler für das Zentrum. Einen Spieler mit hoher Qualität. Und einen Spieler, der eine Führungsrolle auf und neben dem Platz übernimmt. „Kevin tut uns mit seiner Physis gut: Geschwindigkeit, Körpergröße. Er hat Ausstrahlung, eine positive Arroganz, ohne Überheblich zu sein. Charakterlich war er die absolute Wunschlösung."

Als Führungsspieler gefragt

Es geht also nicht nur um sportliche Fähigkeiten bei diesem Transfer, Vogt ist auch als Führungsspieler gefragt. Als Typ, der sich in den Wind stellt und nicht einknickt. Eine Rolle, die laut Kohfeldt zu ihm passt. Um das zu verdeutlichen, schilderte er einen Satz aus dem Telefonat, in dem er Vogt von Werder überzeugte. „Kevin hat gesagt: 'Trainer, du musst wissen, wenn ich einen Fehlpass spiele, spiele ich den nächsten Ball genau da wieder rein.' Das ist so ziemlich genau das, was ich möchte."

In Hoffenheim hat Vogt fast ausschließlich als zentraler Verteidiger in einer Dreierkette gespielt. Das kann, muss aber nicht seine Position in Bremen sein. „Kevin kann genauso die Sechs spielen„, sagt Kohfeldt. „Er hat unter Nagelsmann verschiedene Systeme gespielt.“ Vogt selbst soll aber eindeutig die Position des Innenverteidigers favorisieren.

Baumann dankt Hoffenheim

Als möglichen Zugang hatte Werder Vogt schon länger im Blick, konkret wurden die Verhandlungen erst vorvergangene Woche. „Wichtig ist, das richtige Timing zu finden. Ende Dezember wäre noch nichts möglich gewesen„, sagt Baumann, der sich bei Hoffenheim für den zügigen Ablauf der Verhandlungen bedankte: „Sie haben lösungsorientierte Gespräche mit uns geführt. Was nicht selbstverständlich ist, weil im Sommer noch komplett andere Summen im Raum standen.“

Vogt war im Sommer ein Wunschspieler von Nico Kovac, damals noch Trainer des FC Bayern. Sein Marktwert lag zwischen 20 und 25 Millionen Euro. Das ist keine Kategorie, in der Werder nach Verstärkungen suchen kann. Es sind besondere Umstände, unter denen Vogt bei Werder landen konnte.

Probleme mit Trainer Schreuder

Zum einen war das Vertrauensverhältnis zum Hoffenheimer Trainer Alfred Schreuder zerstört. Vogt war zum Ende der Hinrunde vom Kapitänsamt zurückgetreten. Und dann lässt Schreuder verstärkt mit Viererkette spielen, was Vogt nicht entgegenkommt. Auf der Sechs vertraut der Trainer dem ehemaligen Bremer Florian Grillitsch – Vogt hätte wohl vermehrt auf der Bank gesessen. Dieser Rolle wollte er entkommen.

Der Marktwert hat dazu geführt, dass es in den Verhandlungen zu keinem Zeitpunkt um eine Kauf-Option gegangen ist. Weder für Hoffenheim, noch für Vogt selbst oder Werder war diese Option ein Thema. Was einen Wechsel zu Werder im Sommer natürlich nicht ausschließt. Aber Baumann selbst sagt, dass Kevin „über einen gewissen Marktwert verfügt. Deswegen wird es definitiv nicht leicht, über den Sommer hinaus eine Lösung zu finden".

Leihe kostet bis zu einer Million Euro

Die Kosten der Leihe können sich auf bis zu eine Million Euro belaufen. Es gibt einen Sockelbetrag, den Bremen überweisen muss. Dazu kommen Bonuszahlungen, die abhängig sind von der Anzahl der Einsätze, die Vogt für Werder hat.

Dass es am Ende in Bremen war, wo Vogt zugesagt hat, war keinesfalls selbstverständlich. Es lagen ihm viele Angebote aus der Bundesliga vor, unter anderem von seinem Ex-Klub 1. FC Köln. Auch aus dem Ausland gab es Interesse. „Viele wussten, dass es aktuell ein paar Probleme gab", umschreibt Baumann die Situation. Was heißt, dass sie wussten, dass Vogt aus Hoffenheim weg wollte.

Ausschlaggebend für einen Wechsel zu Werder waren wohl verschiedene Gründe. „Werder hat trotz Platz 17 eine große Strahlkraft", sagt Kohfeldt, der selbst auch ausschlaggebend war. „Wie bei jedem Fußballer spielt der Trainer eine große Rolle", sagt Baumann. Und nicht zuletzt ist es der Fußball, den Werder spielt, betont Kohfeldt: „Kevin hat Lust, unseren Fußball wieder zum Leben zu erwecken."

Werder sucht weiter einen Achter

Der Vorteil, dass der Vertrag keine Optionen enthält, ist, dass er vergleichsweise günstig ist. Werder bleibt also die Möglichkeit, ein weiteres Mal auf dem Transfermarkt aktiv zu werden. Sowohl Baumann als auch Marco Bode haben in Aussicht gestellt, ein finanzielles Risiko eingehen zu wollen. Die Frage ist, wie hoch dieses Risiko am Ende sein wird.

Ausschließen will Baumann weitere Transfers nicht. „Das wird man in den nächsten drei Wochen sehen. Wir sind immer dabei und müssen auf alles vorbereitet sein." Nach Informationen des WESER-KURIER wird weiter nach einem spielstarken Achter gesucht. Also die Position, die von Anfang an Priorität bei Kohfeldt und Baumann hatte. Kandidaten gibt es – am Ende müssen die Verantwortlichen entscheiden, wie viel zu investieren sie bereit sind.

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