Reinhard Rauball zum Polizeikosten-Streit

Die DFL lehnt einen bundesweiten Fonds ab

Bremen will, dass die DFL in einen Fonds einzahlt, aus dem Polizeieinsätze bezahlt werden können. Liga-Präsident Reinhard Rauball schildert im Gastbeitrag für den WESER-KURIER, wieso er gegen den Vorschlag ist.
11.06.2019, 18:26
Lesedauer: 2 Min
Zur Merkliste
Von Reinhard Rauball
Die DFL lehnt einen bundesweiten Fonds ab
dpa

Der Fußball steht unstrittig in der Mitte unserer Gesellschaft. Er bringt Menschen zusammen und sorgt regelmäßig für große Emotionen. Leider kommt es rund um Fußballspiele auch zu gewalttätigen Auseinandersetzungen. Die Bekämpfung der Ursachen von Gewalt ist eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe, an der sich der Fußball nachdrücklich und nachhaltig beteiligt. DFL, DFB und Klubs engagieren sich seit Jahren mit großem Aufwand, persönlichem Engagement und Millionen-Beträgen für Prävention und Sicherheit. Die öffentliche Sicherheit aber mit einem Preisschild zu versehen, ist der falsche Weg. Die Regelung des Bremischen Gebühren- und Beitragsgesetzes zur Verrechnung von Polizeikosten löst weder gesellschaftliche Gewalt-Probleme, noch hilft sie dabei, in Zeiten von Personalmangel die Einsatzstunden von Polizistinnen und Polizisten zu reduzieren. Auch deshalb lehnt die DFL einen wie auch immer gearteten bundesweiten Fonds ab.

Deutlich mehr Erfolg verspricht der Ansatz der „Stadionallianzen“ in Baden-Württemberg. Hier findet eine Intensivierung und Weiterentwicklung der Zusammenarbeit von Vereinen und Sicherheitsbehörden statt. Dieses gute Zusammenspiel führte innerhalb eines Jahres in den ersten fünf Ligen zu einer erheblichen Reduzierung von Polizei-Einsatzstunden bei gleichbleibend hohem Sicherheitsniveau im Land. Der Innenminister von Baden-Württemberg, Thomas Strobl, stellte bei der Vorstellung der ersten Jahresbilanz klar: „Uns geht es um Sicherheit, nicht ums Abkassieren.“ Es geht darum, in Lösungen zu denken!

Die Suche nach Verbesserungen

Die DFL hat auch dem Bremer Senat in verschiedensten Gesprächen angeboten, in gemeinsamer Abstimmung vorzugehen, um die Belastung der Polizistinnen und Polizisten zu senken und gleichzeitig das Sicherheitsniveau aufrechtzuerhalten. Unsere unterschiedlichen Rechtsauffassungen sollten uns nicht bei der Suche nach Verbesserungen im Weg stehen.

Der Fußball wird weiterhin seiner gesellschaftspolitischen Verantwortung gerecht werden und dort tätig sein, wo er Zuständigkeit und Einfluss hat: im Bereich der Prävention, in der Zusammenarbeit mit den Sicherheitsbehörden und mit eigenen Sicherheitskräften innerhalb des Stadions. Damit dieses Gefüge funktioniert, bedarf es Verlässlichkeit seitens der Politik. Die Innenminister von Hessen und Bayern, Peter Beuth und Joachim Herrmann, haben jüngst noch einmal eine klare Haltung eingenommen – im Sinne einer Ablehnung einer Kostenbeteiligung bei gleichzeitig konsequenter Zusammenarbeit aller Beteiligten.

Zur Person

Reinhard Rauball ist seit August 2007 Präsident der Deutschen Fußball Liga (DFL) und 1. Vizepräsident des Deutschen Fußball-Bundes. Der 72-Jährige ist zudem Präsident von Borussia Dortmund.

Mehr zum Thema
Lesermeinungen

Das könnte Sie auch interessieren

Das Beste mit WK+