Die Entwicklung vom Ex-Bremer Delaney

Die Dortmunder lieben ihren Derbylaney

Thomas Delaney steht beim BVB ein wenig im Schatten von Königstransfer Axel Witsel. Unser Kollege von den „Ruhr Nachrichten“ erklärt, warum der ehemalige Bremer trotzdem so wichtig ist für den Tabellenführer.
13.12.2018, 17:46
Lesedauer: 3 Min
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Von Tobias Jöhren
Die Dortmunder lieben ihren Derbylaney
dpa

Der Jubel geriet spektakulär. Thomas Delaney sprintete in Richtung Gästeblock, ein banger Blick zum Schiedsrichter, das Tor zählte, also raus mit der Freude. Ein langer Jubelschrei, ein kurzer Jubelsprung, dann ein Schubser, der den Dänen aus der Bahn warf wie einen Skispringer, der in eine Sturmböe fliegt. Delaney haute es einfach um, aber es war egal. Einmal kurz abrollen. Aufstehen. Weiterjubeln. Am vergangenen Sonnabend war das. Delaney hatte gerade sein erstes Tor für Borussia Dortmund erzielt – und einen besseren Zeitpunkt hätte er sich dafür nicht aussuchen können. Flanke, Kopfball, Tor: Dortmund eins, Schalke null. Es gibt wenig, das BVB-Fans glücklicher und BVB-Spieler beliebter werden lässt als Derbytore. Thomas Derbylaney.

Spätestens mit seinem neunten Torschuss der laufenden Bundesliga-Saison ist der Neuzugang von Werder Bremen also endgültig angekommen bei Borussia Dortmund. Eigentlich aber war er es auch vor diesem Tor schon. Delaney ist seit Sommer auf Anhieb wichtig beim BVB. Das Spiel des 27-Jährigen ist selten so spektakulär wie sein Torjubel auf Schalke, Delaney gibt dem BVB allerdings etwas, das in der vergangenen Saison viel zu oft fehlte: Stabilität und Willenskraft. In den besonders wichtigen, in den besonders großen Spielen stand er immer in der Startelf. Gegen die Bayern, gegen Atletico, gegen Schalke 04. Das hat auch Florian Kohfeldt registriert. „Das freut mich sehr für ihn“, sagt der Werder-Trainer. Er habe ihn immer sehr geschätzt, „seine Einstellung zum Spiel, wie er sich in der Kabine präsentiert und auch in den privaten Momenten“.

Delaney und Witsel ergänzen sich perfekt

Trotz seiner Bedeutung für Borussia Dortmund steht Delaney beim BVB ein bisschen im Schatten von Axel Witsel, dem Königstransfer der vergangenen Wechselperiode. Doch der Däne ist die perfekte Ergänzung zum belgischen Chef im BVB-Mittelfeld. Es ist alles andere als Glück oder Zufall, dass sich Delaney als zweiter Sechser im 4-2-3-1-System durchgesetzt und Spieler wie Julian Weigl, Mahmoud Dahoud und zu Saisonbeginn auch Nuri Sahin auf die Bank verdrängt hat. Witsel ist der auffällige, der alles überstrahlende, der spielgestaltende Lockenkopf. Delaney der unauffällige, der hart arbeitende Lockenkopf, der nie aufgibt, der immer kämpft. Ein Malocher, wie sie im Ruhrgebiet sagen – oder Mentalitätsspieler, wie sie im Fernsehen neuerdings sagen.

Für diesen Typ Spieler hat Borussia Dortmund vor der Saison tief in die Tasche gegriffen. 20 Millionen Euro plus mögliche Bonuszahlungen in Höhe von rund drei Millionen Euro ließ sich Michael Zorc die Dienste Delaneys kosten. Der BVB-Sportdirektor bereut keinen Cent. „Absolut“, lautet seine Antwort auf die Frage, ob sich das viele Geld gelohnt habe. Er schätze Delaney als „Balleroberer und Zweikämpfer“, sagt Zorc, „zuletzt aber auch als Passgeber in der Offensive“. Delaney, der am Sonnabend die alten Bremer Kollegen wiedertrifft und bis dahin seine leichten Wadenprobleme überwunden haben will, sagt über sich selbst: „Ich glaube schon, dass ich ein Anführer bin.“ Gerade auch für die jungen Spieler. Manchmal sei es beim BVB, erzählt Delaney mit einem gesunden Schuss Humor, „als wenn du mit zehn jungen Hunden gleichzeitig Gassi gehst“.

Er rede daher unheimlich viel auf dem Platz, auch wenn das vielleicht niemanden interessiere. „Wahrscheinlich ist es eigentlich egal, ob es jemand hört, aber zumindest für mich ist es wichtig. Ich bin ein besserer Spieler, wenn ich laut bin.“

Delaney war schon in Bremen Anführer

Viel und laut geredet hat Delaney auch in Bremen schon, Anführer war er ebenfalls – und doch ist einiges anders für ihn in Dortmund. „Der Anspruch ist viel höher als in Bremen“, sagt Delaney, der Klub erwarte viel von ihm. „Bei der Mentalität ist das nicht das große Problem, aber sportlich muss ich mich strecken, vor allem im Spiel mit dem Ball.“ Der BVB sei „größer als alles, was ich bislang erlebt habe“.

Großer Klub, großer Anspruch. Und am Ende vielleicht auch großer Erfolg. Die Meisterschaft sei nicht das Ziel, meint Delaney, „aber sie ist der Traum“. Er wolle in der Champions League auflaufen und um Titel kämpfen, deswegen spiele er jetzt in Dortmund und nicht mehr in Bremen – obwohl Werder ein „sehr schöner Verein“ sei. Er könne nicht versprechen, dass der BVB bis zum Saisonende ganz oben stehe. „Aber was ich versprechen kann, ist, dass wir sehr hungrig auf Erfolg sind“. Delaneys Taten auf dem Platz bestätigen seine Worte. Woche für Woche. Auch deshalb ist er so schnell beim BVB angekommen.

Die Umfrage zum Spiel gibt es hier:

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