Rashica, Kruse und Eggestein als Trio

Die Enge als Chance

Milot Rashica und Johannes Eggestein haben für die Positionen um Max Kruse herum derzeit die besten Karten. Aber warum ist das so - und wie verändert sich dadurch Werders Offensivspiel? Eine Einschätzung.
15.01.2019, 14:22
Lesedauer: 3 Min
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Von Stefan Rommel
Die Enge als Chance
nordphoto

Es waren aufregende Tage im letzten Sommer, Bremen war ja regelrecht in Aufruhr. Im Wochentakt trudelten die positiven Nachrichten erfolgreich abgewickelter Transfers ein, nach einer ersten kleinen Herz-Schmerz-Geschichte mit Martin Harniks Rückkehr zu seinem Ausbildungsklub präsentierte Werder in Yuya Osako den absoluten Wunschspieler von Trainer Florian Kohfeldt, hinter dem angeblich die halbe Bundesliga her war. Und dann kam Claudio Pizarro, über dessen Beziehung zu Werder ohnehin alles erzählt ist.

Es waren drei auf ihre ganz eigene Art spektakuläre Transfers mit Protagonisten, die die Wochen vor dem Start in die Hinserie bestimmten. Jetzt, ein halbes Jahr später, stehen Harnik, Osako und Pizarro nicht mehr in der vordersten Reihe. Und das aus unterschiedlichen Gründen. Wenn Werder am Samstag bei Hannover 96 in die zweite Saisonhälfte startet, wird dem Trio ziemlich sicher keine tragende Rolle zuteil.

Osako weilt beim Asien-Cup und ist damit gewissermaßen entschuldigt, Pizarro bleibt der Joker für die speziellen Spielsituationen und Harnik hält zwar den Anschluss, schafft aber nicht den Sprung in die Startelf. „Er muss kämpfen und das tut er auch“, sagt Kohfeldt und das hört sich schon sehr danach an, als würde Harnik auch gegen seinen ehemaligen Klub zunächst auf der Bank Platz nehmen.

Rashica und Eggestein im Fokus

Dafür rücken Milot Rashica und Johannes Eggestein auf den Plan. Sie dürften in Werders Offensive die Positionen um den Fixstern Max Kruse herum einnehmen. Entweder in einem 4-4-2 mit Raute und Rashica und Eggestein als Sturmspitzen vor dem Zehner Kruse. Oder aber in „Werders“ 4-3-3 mit mehr Fokus auf die Halbräume. In der Analyse der Hinrunde haben Kohfeldt und sein Trainerteam inklusive der Analysten einige substanzielle Probleme ausgemacht und die Arbeit an diesen Schwachstellen im Trainingslager in Südafrika täglich auf die Agenda gehoben.

Unter anderem ging es da im Spiel mit dem Ball um die Schwierigkeiten im letzten Drittel, wie die Mannschaft wieder besser in die Tempoaktionen kommt, um den Weg in den Rücken der Abwehr zu finden und dann im Strafraum durch ein entsprechend aggressives Nachrücken viele Positionen zu besetzen und für Abpraller gut aufgestellt zu sein.

Es dürfte nun in der Rückrunde noch stärker darum gehen, die Zwischenräume zu finden und aus diesen dann mit kurzen, aber explosiven Läufen hinter den gegnerischen Verteidigern wieder aufzutauchen. Und dafür sieht Kohfeldt das Trio Rashica-Kruse-Eggestein derzeit offenbar am besten geeignet.

Enge, Überladungen, Überzahl

Kruse soll sich als zentraler oder in die Halbspur ausweichender Spieler immer wieder kurz anbieten für ein Zuspiel in den Fuß. Und damit automatisch Raum freiziehen in seinem Rücken. Werder will weggehen vom klassischen Offensivgedanken, das Spielfeld im eigenen Ballbesitz so groß, sprich breit, wie möglich zu halten, um damit Räume zu haben für sein Passspiel. Stattdessen will Kohfeldt die eigenen Bewegungen und Passstafetten kompakter aneinanderknüpfen, die Abläufe und die Positionen der einzelnen Spieler zueinander enger halten.

Das widerspricht auf den ersten Blick dem Gedanken, sich Raum zu verschaffen, weil mehr Spieler in Ballnähe automatisch die ohnehin schon überschaubaren Lücken nochmals verkleinern. Werder will trotzdem nur so viel Breite wie nötig haben und verfolgt damit andere Ziele: Mit mehr Spielern in Ballnähe kann besser überladen werden, Werder will mehr Überzahlsituationen schaffen und kann bei einem Ballverlust so auch schneller ins Gegenpressing aufrücken und im besten Fall dahinter durchsichern.

Mehr direkter Tordrang

Im 4-3-3 sollen Rashica und Eggestein dann im letzten Drittel nicht nur vertikal in die Tiefe starten, sondern auch mal diagonal hinter dem Verteidiger von innen nach außen laufen. Werder sollte dann immer zwei Optionen haben: Den Weg über den ballnahen Angreifer (Kruse) oder den ballfernen (Rashica oder Eggestein) in die Tiefe und bis zur Abschlusssituation.

Kruse kann sich mit seinen Anlauffinten und den schnellen Zurückfallen danach jene Bruchteile an Sekunden Zeit verschaffen, die er für einen freien Torschuss benötigt. Rashica und Eggestein sind Spieler, die sich nach einer ähnlichen Freilaufbewegung mit dem ersten Kontakt am Gegenspieler vorbei in die Schnittstelle schieben können.

Diese Elemente sollen sehr wichtig werden und Rashica wie auch Eggestein zeigten in den letzten Wochen und Monaten dahingehend auch die entsprechend beste Entwicklung. Zumal beide auch spielstärker und im Dribbling besser sind als etwa Harnik und mit ihrem gutem Timing der gegengleichen Läufe für ihre Mitspieler Räume öffnen können. Rashica ist dazu von der linken Seite mit seinem Tempo und seinem guten Fernschuss eine Gefahr, wenn er nach innen zieht.

Werders Spiel dürfte in puncto Passgeschwindigkeit im letzten Drittel etwas schneller werden, vermutlich werden mehr Eins-gegen-Eins-Situationen zu sehen sein und ein Kruse, der nach einem kurzen ersten Kontakt mit dem zweiten den Abschluss sucht. So verspricht es die Theorie. Am Samstag kommt dann der schwierige Praxisteil noch dazu.

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