Werder-Stürmer Warum die Fähigkeiten von Marvin Ducksch sogar in Katar Thema sind

Zunächst gab es Zweifel, ob Marvin Ducksch Werder Bremen auch in der Bundesliga helfen kann. Nun sind seine Fähigkeiten sogar bei der Weltmeisterschaft in Katar Thema.
29.11.2022, 18:51
Lesedauer: 3 Min
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Von Björn Knips

Der eine taucht aktuell überall auf, der andere ist abgetaucht – so unterschiedlich fliegen gerade die „hässlichen Vögel“ des SV Werder Bremen. Zufrieden sein können sowohl WM-Torschütze Niclas Füllkrug als auch Urlauber Marvin Ducksch. Letzterer ist so etwas wie der Hellseher in Füllkrugs Schatten. Nicht nur, weil er den Höhenflug seines Sturmpartners vorhergesehen hat, sondern auch, weil er ihn immer wieder sehr gut in Szene setzt und endlich seine eigene Bundesliga-Tauglichkeit unter Beweis gestellt hat.

Darüber freut sich einer ganz besonders: Werder-Sportchef Frank Baumann. „Wir wurden letzte Saison für die hohe Ablösesumme kritisiert“, erinnert der Ex-Profi im Gespräch mit unserer Deichstube an den Sommer 2021. Für den Torjäger von Hannover 96 legten die Bremer immerhin über drei Millionen Euro auf den Tisch. In der niedersächsischen Landeshauptstadt rieben sie sich die Hände, bis es ohne Ducksch sportlich bergab ging und mit ihm bei Werder richtig gut lief. „Wir waren davon überzeugt, dass Marvin uns nicht nur in der 2. Liga direkt helfen wird, sondern auch in der Bundesliga seine Qualitäten auf den Platz bringen kann. Dies hat er in den letzten Monaten absolut bestätigt und ist in unserem Spiel ein sehr wichtiger Faktor“, lobt Baumann den 28-Jährigen.

In der Aufstiegssaison erzielte Ducksch 20 Tore für Werder und bereitete zehn weitere vor. Mit Füllkrug bildete er ein kongeniales Sturmduo. Trotzdem gab es Zweifel, ob der 1,88 Meter große Angreifer auch eine Liga höher so performen kann. In Dortmund, Paderborn und Düsseldorf war ihm das in der Vergangenheit nicht gelungen. Er bekam schon den Stempel eines reinen Zweitliga-Stürmers aufgedrückt, weil es dort für ihn in Kiel und Hannover so gut gelaufen war. Und lange Zeit sah es auch in dieser Saison so aus, als würde Ducksch nicht so recht in die Bundesliga passen. Zumindest, was die Trefferquote betraf. Denn spielerisch war es gar nicht so schlecht. Deswegen dachte Trainer Ole Werner auch nicht daran, sein Sturmduo zu sprengen. Mit Erfolg! Am achten Spieltag gelang Ducksch beim 5:1-Sieg gegen Borussia Mönchengladbach sein erster Treffer. Zwei weitere folgten gegen Hoffenheim (2:1) und Schalke (2:1). Damit hatte er in 13 Partien schon ein Tor mehr erzielt als in seinen bisherigen 31 Bundesligaspielen. Dazu kamen noch fünf Vorlagen. Die Bilanz ist okay – vor allem, wenn der Sturmpartner einen Lauf hat.

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Und genau daran hat auch Ducksch seinen Anteil. Diese Geschichte beginnt allerdings schon im Herbst 2021. Füllkrug ist wenig begeistert von der Verpflichtung des Stürmers aus Hannover. Der wird ihm vom damaligen Coach Markus Anfang vor die Nase gesetzt. Bei Füllkrug geht gar nichts mehr, er zofft sich mit Clemens Fritz, dem Leiter Profifußball, und wird deshalb für ein paar Trainingstage suspendiert. Es riecht nach Abschied, Trainer Anfang hat ihn schon abgeschrieben, will ihn loswerden. Ducksch dagegen glaubt an seinen Teamkollegen. „Ich weiß ja selbst, wie es als Stürmer ist: Vielleicht braucht man genau so eine Situation, um einen richtigen Lauf zu kriegen. Das wäre natürlich sehr gut für uns“, sagt der Stürmer damals – und das in einer ganz besonderen Situation, die erst Monate später öffentlich gemacht wird. Ducksch unterschreibt gerade im Kabinentrakt des Wohninvest Weserstadions Autogrammkarten im Akkord, als der Kameramann für die geplante Doku vorbeikommt. Quasi im Vorbeischreiben beweist Ducksch hellseherische Fähigkeiten, denn schon im nächsten Spiel trifft Füllkrug – und hört damit bis heute eigentlich nicht mehr auf, auch nicht bei der WM.

Ducksch wird ihm das gönnen. Als das Thema WM-Nominierung im Herbst immer größer wurde, da verriet der Angreifer: „Ich habe ,Fülle’ gesagt, dass ich versuchen werde, ihm dabei zu helfen und ihm in der Hinrunde noch das eine oder andere Tor auflegen werde.“ Nun ist Füllkrug tatsächlich bei der WM – und dank Thomas Müller spielt auch Ducksch dort eine Rolle. Der Weltmeister lobte das Zusammenspiel der beiden Bremer und nannte es durchaus als Vorbild für die entscheidende Partie am Donnerstag gegen Costa Rica. Das darf der gebürtige Dortmunder durchaus als Wertschätzung seiner Arbeit zur Kenntnis nehmen.

Und das dürfte ihm guttun. Denn eine unangenehme Geschichte hängt ihm immer noch ein bisschen nach. Nach einer Disco-Nacht verpasste er eine Teambesprechung und wurde deshalb für das Pokalspiel in Paderborn aus dem Kader gestrichen. Werder schied aus, was vor allem finanziell schmerzt. Sportlich hat sich Ducksch inzwischen rehabilitiert. Er ist eine feste Größe neben Füllkrug im Bremer Angriff. Und wer weiß, vielleicht tritt er im neuen Jahr auch wieder häufiger aus dessen Schatten – wie in der 2. Liga, als es ziemlich oft hieß „Ducksch is on fire“. Aber letztlich wird ihm das egal sein. Ducksch hat stets durchaus glaubhaft versichert, dass für ihn der Erfolg der Mannschaft an erster Stelle steht.

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