Eilts' Erinnerungen an die Meistermannschaft

Die Helden von 1993

Der Meistertitel des SV Werder Bremen von 1993 jährt sich in diesem Jahr zum 25. Mal. Dieter Eilts und MEIN WERDER blicken zurück auf die dramatische Titelsaison und den Triumph der Werder-Mannschaft.
05.06.2018, 13:02
Lesedauer: 7 Min
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Die Helden von 1993
Von Patrick Hoffmann

Dieter Eilts erfuhr es erst wenige Stunden vor Anpfiff. Trainer Otto Rehhagel schaute dem Werder-Profi in die Augen und erklärte ihm, dass er spielen würde. Nach zehn Wochen Verletzungspause, im letzten Saisonspiel, in dem es für Werder um alles ging: um die Deutsche Meisterschaft. Am 5. Juni 1993 war das, also auf den Tag genau vor 25 Jahren, aber Eilts erinnert sich noch, als wäre es gestern gewesen. "Ich war ziemlich überrascht", sagt er, "und auch etwas angespannt. In Stuttgart hatten wir 1986 schon einmal die Meisterschaft verspielt, das war natürlich im Hinterkopf."

Diesmal aber behielten die Bremer im heißen Stuttgarter Neckarstadion einen kühlen Kopf. Werder kam durch die Tore von Bernd Hobsch (zwei Treffer) und Thomas Wolter zu einem ungefährdeten 3:0-Sieg und verteidigte in Fernduell mit Bayern München die Tabellenspitze. "Nach dem Schlusspfiff herrschte grenzenloser Jubel", sagt Eilts, "gleichzeitig waren aber auch alle völlig erschöpft." Für einen langen Partymarathon reichte die Kraft dann aber doch noch. Apropos: Am 11. August, beim "Tag der Fans", wird sich die Meistermannschaft von 1993 noch einmal den Fans präsentieren.

Für MEIN WERDER erinnert sich Dieter Eilts an seine Teamkollegen von damals:

Frank Neubarth, Angriff

„Mister Europacup. Er hat nicht mehr so oft getroffen, trotzdem haben wir gewusst: Wenn er vorne den Ball bekommt, wird es gefährlich für den Gegner. Im Training ist es furchtbar gewesen, gegen ihn zu spielen. In Zweikämpfen hat er uns mit seinem kantigen Körper richtig wehgetan.“

Uwe Harttgen, Mittelfeld

„Mein Zimmerkollege. Wir kannten uns schon von den Amateuren, sind mittags oft zusammen essen gegangen. Uwe ist ein sehr feiner Fußballer gewesen, mit dem Blick für den Mitspieler. Er ist in der Saison aber nicht so oft zum Einsatz gekommen.“

Bernd Hobsch, Angriff

„Der Hobscher ist im Winter aus Leipzig gekommen und hat noch sieben Tore für uns geschossen. In der Kabine hat er neben Andi Herzog gesessen. Pitsch und Patsch, wie wir sie genannt haben, haben sehr viel zusammen gemacht. Auch wenn ich bis heute nicht weiß, wie die sich verstanden haben, der eine mit dem ostdeutschen Dialekt und der andere mit dem österreichischen.“

Thomas Schaaf, Abwehr

„Unser Kombinationsspieler. Mit ihm konnte man den Ball wunderbar laufen lassen. Thomas hat damals schon wie ein Trainer gedacht, unsere Spiele analysiert und erklärt, was wir besser machen können. Außerdem ist es ihm wichtig gewesen, die Mannschaft zusammenzubringen. Wenn wir was zu feiern hatten, wurde das von Thomas organisiert.“

Klaus Allofs, Angriff

„Alfons, der Oldie. Die Meistersaison war die letzte seiner Karriere. Nach dem Sieg in Stuttgart haben wir im Mannschaftsbus das Lied „Niemals geht man so ganz“ von Trude Herr für ihn gesungen. Und das nicht nur einmal. Klaus hat zwar nicht mehr so viel in dem Jahr gespielt, ist aber ein wichtiger Ratgeber für die jungen Spieler gewesen.“

Dietmar Beiersdorfer, Abwehr

„Der Beiersmeier. Keine Ahnung, warum wir ihn so genannt haben. Er ist ein zuverlässiger Innenverteidiger und ein super Kumpel gewesen, der sehr viel für den Zusammenhalt getan hat.“

Rune Bratseth, Abwehr

„Der schnellste Mitspieler, den ich jemals hatte. Bei den Sprints im Training hat er mit uns gespielt. Er ist neben uns hergelaufen, hat kurz zur Seite geguckt und dann zwei, drei Schritte angezogen. Dann hat er uns ausgelacht. Ein sensationeller Abwehrspieler. Und ein fantastischer Mensch.“

Uli Borowka, Abwehr

„Spitzname: die Axt. Uli hat selbst im Training richtig draufgehalten, da hat es ordentlich gescheppert. Die gegnerischen Stürmer haben es gehasst, gegen ihn zu spielen. Auf ihn konnten wir uns tausendprozentig verlassen.“

Hans-Jürgen Gundelach, Tor

„Hansi ist wichtig für die Moral gewesen. Er hat für gute Stimmung gesorgt, die Mannschaft gepusht, aber auch mal kritische Dinge angesprochen. Er hat seine Rolle als Nummer zwei akzeptiert und ist zur Stelle gewesen, wenn wir ihn gebraucht haben.“

Oliver Reck, Tor

„Unsere klare Nummer eins. Er ist im Meisterjahr über sich hinausgewachsen. 18 Spiele ohne Gegentreffer sprechen für sich. Was kaum einer weiß: Er ist auch ein sehr guter Fußballer gewesen, hat das im Training mehr als einmal bewiesen.“

Marco Bode, Angriff

„Marco hat sich damals schon für viel mehr interessiert als nur für Fußball. Er hat sogar begonnen, Mathematik zu studieren. Genauso vielseitig ist er auch auf dem Platz gewesen: von linker Verteidiger bis Mittelstürmer konnte er alles spielen.“

Andreas Herzog, Mittelfeld

„Unser Spaßvogel. Andi kam vor der Saison aus Wien zu uns. Er ist ein großartiger Spielmacher gewesen, ein richtig geiler Kicker. Kein Wunder, dass ihn die Bayern später geholt haben. Aber den rechten Fuß hat er nur gehabt, damit er nicht umfällt.“

Stefan Kohn, Angriff

„Er hat nicht die Rolle bei uns gespielt, die er sich gewünscht hätte. Stefan ist ein toller Stürmer gewesen, aber die Konkurrenz im Angriff ist damals echt stark gewesen.“

Thomas Wolter, Mittelfeld

„Der Musterprofi. Er ist immer einer der ersten beim Training gewesen. Im letzten Saisonspiel in Stuttgart hat er seinen großen Auftritt gehabt, mit einem Tor und einer Torvorlage.“

Mirko Votava, Mittelfeld

„Mein Lehrer. Mirko hat wie ich im defensiven Mittelfeld gespielt. Er hat mich auf dem Platz unterstützt, hat mir gezeigt, wie es geht. Ohne ihn hätte ich mich nicht so entwickelt, daher bin ich ihm unendlich dankbar.“

Wynton Rufer, Angriff

„Unser Toptorjäger mit 17 Treffern. Wynton ist einer der genialsten Fußballer, mit denen ich je zusammengespielt habe. Er ist aber auch ein verrückter Vogel gewesen, der eine gewisse Lockerheit ins Team gebracht hat. Wenn‘s nicht lief, hat er gesagt: Leute, ist doch nicht so schlimm, ist doch nur Fußball.“

Manfred Bockenfeld, Abwehr

„Bocki ist Profi durch und durch gewesen. Immer pünktlich, immer akkurat. Er arbeitet inzwischen als Versicherungsvertreter, das passt zu ihm. Wenn er früher zusammen mit Hansi Gundelach aus Delmenhorst zum Training nach Bremen gekommen ist, hat er jeden Kilometer abgerechnet und gegenzeichnen lassen.“

Frank Rost, Tor

„Fäustel-Erwin. Frank ist damals noch ganz jung gewesen. Es war aber schon zu erkennen, dass er mal eine große Karriere hinlegen würde.“

Thorsten Legat, Mittelfeld

„TL3. So haben wir ihn genannt, weil er seine Initialen und seine Nummer auf den Schuhen stehen hatte. So wie heute Cristiano Ronaldo mit seinem Markenzeichen CR7. Thorsten ist also Vorreiter auf diesem Gebiet gewesen. TL3 hatte ein unglaubliches Potenzial, aber er hat es nicht immer geschafft, das auch im Spiel zu zeigen. Ich glaube, bei ihm wäre mehr drin gewesen.“

Werders Weg zum Titel

„Der Schlüssel zum Titel“, sagt Dieter Eilts, „war unsere Heimstärke.“ Werder bleibt in der Meistersaison 1992/1993 zu Hause ungeschlagen, gewinnt 14 von 17 Spielen. Dabei läuft es anfangs gar nicht gut für die Bremer. Die wichtigsten Etappen auf dem Weg zum Titel:

3. Spieltag:

Werders Fehlstart ist perfekt. Nach zwei Unentschieden gegen Nürnberg und Leverkusen verlieren die Bremer in Karlsruhe mit 2:5. In der Tabelle rutschen die Grün-Weißen auf Platz 16 ab.

8. Spieltag:

Gegen Eintracht Frankfurt, einem der Titelkandidaten, holen die Bremer ein 0:0. Werder bleibt auch in den zwölf Ligaspielen danach ungeschlagen, verliert erst am 21. Spieltag wieder und klettert in der Tabelle bis auf Platz drei, vier Punkte hinter den Bayern.

28. Spieltag:

Im Weserstadion steigt das Spitzenspiel zwischen Werder und Bayern. Die Münchner gehen in Führung, doch Werder dreht das Spiel. Wynton Rufer (zweimal per Strafstoß), Andreas Herzog und Bernd Hobsch treffen. Werder ist plötzlich punktgleich mit den Bayern, hat nur das um zwei Tore schlechtere Torverhältnis.

31. Spieltag:

Rückschlag im Titelkampf. Werder unterliegt Mönchengladbach mit 1:3, während Bayern gegen Leverkusen gewinnt. Die Münchner liegen wieder zwei Punkte vor und haben nun das um acht Tore bessere Torverhältnis.

33. Spieltag:

Nach dem 4:0 gegen Saarbrücken in der Vorwoche gewinnt Werder das Derby gegen Hamburg mit 5:0 – und ist erstmals in der Saison Tabellenführer, weil Bayern in Karlsruhe verliert und in Bochum „nur“ knapp gewinnt. „Norddeutsche Provinzposse!“, zürnt Bayerns Vizepräsident Karl-Heinz Rummenigge und vermutet eine Absprache zwischen den Nordklubs.

34. Spieltag:

Werder lässt beim 3:0 in Stuttgart nichts anbrennen und ist zum dritten Mal deutscher Meister.

Zur Person:

Dieter Eilts (53)

hat von 1984 bis 2002 für Werder gespielt und ist mit dem Klub zweimal Meister, dreimal Pokalsieger und einmal Europapokalsieger geworden. Für MEIN WERDER blickt er zurück auf die Meisterhelden von 1993.

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