Nach Pflichtsieg in Hannover Die Kür kommt später

Werder zitterte, geriet gar ins Wanken – fiel aber nicht. Stattdessen reichte es knapp zum erwarteten Pflichtsieg in Hannover. Der sorgte für Erleichterung, schärfte aber auch die Sinne für die Zukunft.
20.01.2019, 15:42
Lesedauer: 3 Min
Zur Merkliste
Die Kür kommt später
Von Malte Bürger

Er ballte die Fäuste, jubelte und schrie für einen kurzen Moment die ganze Erleichterung heraus. Es war tatsächlich gutgegangen, Werder hatte dieses Mal trotz einer ausgiebigen Zittereinlage die Punkte in Hannover geholt. Und nicht nur das, der erwartete Pflichtsieg war tatsächlich gelungen. Sehr zur Freude von Florian Kohfeldt. Nur wenige Augenblicke zuvor hatte der Coach noch ein wenig ungläubig an der Seitenlinie gestanden. „Ich habe mich schon dabei ertappt, dass ich in der 85. Minute mal auf die Leinwand geguckt und gedacht habe: ,Es kann nicht sein, dass es hier nur 1:0 steht‘.“

Werder hatte in der Tat Chancen genug, um das Spiel frühzeitig entscheiden. Mal war es Martin Harnik, dann wieder Siegtorschütze Milot Rashica. Auch Max Kruse zielte nicht genau genug. Und so gerieten die Bremer am Ende tatsächlich noch ins Wanken – gegen einen Gegner, der an diesem Tag nun wahrlich nicht den Eindruck erweckte, als würde er in der laufenden Saison überhaupt noch gegen einen Bundesligisten gewinnen können. Doch Werders Inkonsequenz ließ die Hannoveraner sportlich am Leben. „Auf dem Platz war es ziemlich wild, vorne wie hinten“, meinte Philipp Bargfrede, der erst von der Bank aus zusehen musste, wie seine Kollegen gute Möglichkeiten ausließen und später selbst unmittelbar im Tohuwabohu mitwirkte.

Lob für Abwehrleistung

Zwangsläufig wurden in dieser Phase Erinnerungen an den dritten Spieltag wach. Eigentlich hatte Werder seinerzeit gegen den 1. FC Nürnberg alles unter Kontrolle, nur um dann spät doch noch den empfindlichen Treffer zum 1:1 zu kassieren. Wenn es in den vergangenen Wochen um die Bewertung der Hinrunde gegangen war, musste nicht selten eben jenes Spiel als schmerzhafte Erklärung dafür herhalten, wo Punkte liegen gelassen wurden. Florian Kohfeldt kannte den Grund dafür, warum es nun keine vergleichbare Neuauflage gab. „Von der Art und Weise, wie wir verteidigt haben, gibt es ein großes Kompliment“, sagte er mit Blick auf die übrigen Spielminuten. „Dann verdienst du es dir auch, dass da hinten letztlich keiner reinfällt.“

So sehr der Bremer Coach auch darum bemüht war, das Positive des Nachmittags hervorzuheben, um die große Schwachstelle des Tages kam auch er nicht herum. „Den einzigen Vorwurf, den ich der Mannschaft machen kann und muss, ist natürlich, dass wir nur 1:0 führen. Das hängt dieses Mal aber auch einfach mit einem überragenden Torwart zusammen“, sagte er. „Ich zähle mindestens zwei sichere Tore durch den Volleyschuss von Milot Rashica und den Kopfball von Philipp Bargfrede.“

Es war phasenweise fraglos eine zähe Angelegenheit, die Stimmung wollten sie sich davon im Bremer Lager aber nun wahrlich nicht kaputtmachen lassen. „Wir sind als Sieger vom Platz gegangen, das ist das Wichtigste. Wir haben häufig auch schon gut gespielt und keine drei Punkte geholt“, sagte beispielsweise Philipp Bargfrede, der zudem hinterherschob: „Wir brauchen jetzt nicht alles schlechtzureden, weil wir nur 1:0 gewonnen haben. Heute ist es gutgegangen, wir arbeiten daran, dass es in Zukunft schneller ruhiger wird.“

Nächste Aufgabe wird deutlich härter

In eine ähnliche Richtung argumentierte Florian Kohfeldt: „Ich bin mit dem Sieg zufrieden. Dass wir weiterarbeiten müssen, war vorher klar“, betonte der 36-Jährige. „Dieses Spiel war aber auch nicht einfach nach diesen vier Wochen Pause. Wir haben gewonnen, die Konsequenz war da – also vor dem eigenen Tor, vor dem gegnerischen brauchen wir vielleicht noch etwas mehr.“

Und Martin Harnik geriet nach dem Duell mit seinem ehemaligen Arbeitgeber fast ein wenig ins Schwärmen. „Die Art und Weise, wie wir die Chancen herausgespielt haben, wie wir Hannover auch dominiert haben, war sehr, sehr gut“, lobte er. „Wenn wir uns dann noch belohnen, indem wir Tore schießen, dann wäre es ein perfekter Tag gewesen.“

Einen wahrlich perfekten Tag dürfte Werder am kommenden Wochenende brauchen, wenn Eintracht Frankfurt im Weserstadion vorbeischaut. Florian Kohfeldt blickte jedenfalls am Sonnabend schon einmal in die Zukunft und auf die geballte Offensivpower, die sich da aus Hessen ankündigt. „Nächste Woche kommen die drei Verrückten aus Frankfurt auf uns zu, schauen wir mal, wie das dann wird“, sagte er lachend. Das war alles andere als despektierlich gemeint, in Kohfeldts Stimme war deutlich der Respekt vor dem magischen Dreieck um Sebastien Haller, Ante Rebic und Luka Jovic zu hören. „Das wird schon spannend.“ Werders Coach sprach diese Worte in dem Wissen, dass sich seine Mannschaft gegen dieses Trio bestenfalls keine Schwächeperiode erlaubt. Und im Angriff noch treffsicherer wird: „Die letzten elf Meter vor dem Tor sollten wir noch verbessern, damit der Trainer in der 85. Minute auch ein bisschen ruhiger ist.“

Wer war euer „Man of the Match“ gegen Hannover?

Jetzt sichern: Wir schenken Ihnen 1 Monat WK+!
Mehr zum Thema
Lesermeinungen

Das könnte Sie auch interessieren

Das Beste mit WK+