Kohfeldts Probleme, die Startelf umzubauen Die mangelnden Möglichkeiten

Nach der Niederlage gegen Schalke wäre es an der Zeit, die Mannschaft personell zu verändern. Große Alternativen gibt der Kader für Florian Kohfeldt aktuell aber nicht her.
Lesedauer: 3 Min
Zur Merkliste
Die mangelnden Möglichkeiten
Von Christoph Sonnenberg

Es ist spannend, in dieser Woche das Training am Weserstadion zu verfolgen. Die Heimniederlage gegen Schalke war das erste Spiel der Saison, in dem Werder 60 Minuten komplett neben der Spur lag. Statt in den Vorwärtsgang zu schalten, um das Spiel zu gestalten, war es meist der Rückwärtsgang, den die Spieler einlegten. So kam kein Pressing zustande und es entstand der Eindruck, die Spieler haben den Glauben an die Art des Fußballs verloren, für den sie normalerweise stehen. Zum ersten Mal.

Das von Werder ausgegebene Motto vor dem Spiel gegen Schalke lautete: Genug geredet! Zuletzt gab es wöchentlich wortreiche Erklärungen, dass es zwar nicht zu einem Sieg gereicht habe, grundsätzliche Zweifel aber dennoch unangebracht seien. Doch jetzt sollten Taten folgen, sprich Punkte. „Wir brennen alle darauf zu gewinnen“, sagte Kohfeldt. Zwei Tage später war davon jedoch nichts zu sehen.

Kohfeldt geht auf Distanz

Es war am Dienstag, als sich die älteren Spieler nach Trainingsschluss wie sonst üblich in Richtung Kabine aufmachten, während die jüngeren Bälle und Hütchen einsammelten. Kohfeldt stoppte den Abmarsch, bis sämtliches Material gepackt war, erst dann durften alle gemeinsam den Platz verlassen. Kohfeldt beobachtete die Szene aus etwa 100 Metern Entfernung. Es war eine räumliche Distanz zwischen Trainer und Spielern zu erkennen, die es sonst in diesen Momenten nicht gibt. Dass das Zufall war, ist bei Kohfeldt, der viel Wert auf Symbolik und das Wirken von Bildern legt, unwahrscheinlich.

Kohfeldt kritisiert seine Mannschaft öffentlich nur wohl dosiert, einzelne Spieler gleich gar nicht. Manchmal ist ihm anzusehen, dass er etwas anderes sagt, als er denkt, wenn er über einen Spieler spricht. Aber das Prinzip, sich schützend vor seine Spieler zu stellen, ist Gesetz. Es funktioniert derzeit aber nur in eine Richtung: Seine Spieler zahlen es ihm nicht zurück, dass er ihnen ihre Fehler öffentlich nicht vorhält. Auch deshalb ist es spannend zu sehen, wie Trainer und Mannschaft in dieser Woche miteinander umgehen.

Langkamp droht die Bank

Nach der Niederlage gegen Schalke ließ Kohfeldt durchblicken, diese könne personelle Konsequenzen für die folgende Partie in Wolfsburg nach sich ziehen. Ab jetzt gehe es auch um das kämpferische Element, das ein jeder ins Spiel einbringt beziehungsweise eingebracht habe. „Mit Sicherheit wird es in den nächsten Wochen von der Personalauswahl her ein Thema sein, wer das auf den Platz bringt“, sagte Kohfeldt. Ein Satz mit einer gewissen Schärfe, wie man ihn vom Trainer nicht unbedingt gewohnt ist. Der Umgang wird rauer, und das ist nachvollziehbar angesichts der sportlichen Situation. Die Frage ist nur, welche personellen Möglichkeiten Kohfeldt bleiben. Schaut man auf die Probleme, die das Spiel gegen Schalke offenbarte, gibt es etliche Zonen, in denen Spieler ausgetauscht werden könnten. Schaut man auf den Kader, ploppt automatisch die Frage auf: Wer soll es besser machen? Die personellen Alternativen sind überschaubar.

Einer, der wohl weichen muss, ist Sebastian Langkamp. Obwohl als Führungsspieler geschätzt, reiht er in seinen Einsätzen mittlerweile eine beachtliche Zahl an Fehlern aneinander. Nicht nur solche, die zu Gegentoren führen wie beim 1:2 gegen Schalke. Auch Ballverluste im Aufbauspiel sind häufig zu sehen.

Hoffen auf Moisanders Comeback

Wer ihn ersetzt, hängt in erster Linie von der Anzahl der Trainingseinheiten Niklas Moisanders ab. Am Mittwoch trainierte der Kapitän zum ersten Mal wieder komplett mit der Mannschaft. Bleibt Moisander im Verlauf der Woche schmerzfrei dabei, dürfte er am Sonntag gegen Wolfsburg in der Startaufstellung stehen. Gibt es einen erneuten Rückschlag, wird Christian Groß zu seinem achten Bundesligaspiel kommen. Anders als Langkamp, dem zwar Spielpraxis fehlt, der aber über die Erfahrung von 186 Bundesligaspielen verfügt, hat Groß seinen Aufgaben zuverlässig erledigt.

Zurück in die Mannschaft kommt Leonardo Bittencourt, der seine Erkältung überwunden hat. Der Auftritt gegen Schalke hat gezeigt, wie schnell sich Bittencourt unverzichtbar gemacht hat. Seine Aggressivität, sein Wille hat Werder gefehlt. Die Frage ist, wer für ihn weichen muss. Wahrscheinlich wird es entweder Philipp Bargfrede sein oder Nuri Sahin. Dass sie ihren athletischen Zenit überschritten haben, ist kein Geheimnis. Ebenso wenig, dass diese Entwicklung unumkehrbar ist. Gegen Schalke hat Kohfeldt beide zusammen auflaufen lassen, was in Summe zwei Spieler macht, die physisch nicht auf höchstem Niveau sind. Es ist ein Risiko, das er wohl so schnell nicht mehr eingehen wird.

Niemand drängt sich auf

Viele Möglichkeiten bleiben dem Trainer nicht. Was auch damit zusammenhängt, dass aus dem restlichen Kader niemand die Chance ergriffen hat, die Schwäche der anderen für sich zu nutzen. Ob Johannes Eggestein, Josh Sargent oder Benjamin Goller – sie sind derzeit keine echten Alternativen.

Dass der Wunsch nach Veränderung bei Kohfeldt dennoch groß ist, zeigt die Personalie Ludwig Augustinsson. Es war ein Risiko, Augustinsson sofort für Marco Friedl spielen zu lassen. Aber die Gegner hatten Friedl als Schwachstelle identifiziert und entsprechend oft über seine Seite den Weg zum Tor gesucht. Augustinsson brachte der Defensive zumindest etwas mehr Stabilität.

Jetzt sichern: Wir schenken Ihnen 1 Monat WK+!
Mehr zum Thema
Lesermeinungen

Das könnte Sie auch interessieren

Einwilligung und Werberichtlinie

Ich erkläre mich damit einverstanden, dass die von mir angegebenen Daten dazu genutzt werden, regelmäßig per E-Mail redaktionelle Inhalte des WESER-KURIER seitens der Chefredaktion zu erhalten. Die Daten werden nicht an Dritte weitergegeben. Ich kann diese Einwilligung jederzeit formlos mit Wirkung für die Zukunft widerrufen, z.B. per E-Mail an widerruf@weser-kurier.de.
Weitere Informationen nach Art. 13 finden Sie unter https://www.weser-kurier.de/datenschutz

Schließen

Das Beste mit WK+