Werder Bremen Die neue Nüchternheit

Werder hat mit seinen Fans den "Tag der Fans" gefeiert. Trotz guter Stimmung blicken viele Fans sehr realistisch und verhalten optimistisch auf die neue Saison.
15.08.2016, 00:00
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Die neue Nüchternheit
Von Milan Jaeger

Werder hat mit seinen Fans den "Tag der Fans" gefeiert. Trotz guter Stimmung blicken viele Fans sehr realistisch und verhalten optimistisch auf die neue Saison.

Mit Mannschaftspräsentationen ist das so eine Sache. Mit etwas Aufwand lässt sich ja beinahe jede Bundesligamannschaft so vorstellen, dass die Zuschauer hinterher denken, dass sie gerade die beste Mannschaft der Welt gesehen hätten.

So ähnlich war es am Sonntag im mäßig gefüllten Weserstadion. Untermalt von lauten Bässen kamen die Spieler des aktuellen Kaders von Werder Bremen nacheinander die Tribüne in der Ostkurve heruntergelaufen. Zwischen Block 128 und 130 blinkten zwei grüne und zwei weiße Lampen. Unter ihnen hindurch kamen die Spieler hervor. Die Fans bildeten ein Spalier und dann klatschten die Profis auf dem Rasen noch einige Kinder ab.

Trotz der allgemeinen Aufbruchstimmung, die Max Kruse in den letzten zwei Wochen in der Hansestadt entfachte, jubelten die Fans wieder einmal bei ihrem Liebling Claudio Pizarro am lautesten. Der Peruaner wurde gerade vom Fußballmagazin „11Freunde“ für seine Leistung in der vergangenen Saison als „Typ der Saison“ geehrt. Nur der Hinweis darauf, dass auch sie, also die Werder-Fans, von der Jury nicht vergessen wurden, sorgte auf den Rängen für noch größere Freude: Die Fanaktion „#greenwhitewonderwall“ kann sich nun „Fanaktion des Jahres“ nennen. Pizarros besonderer Stellenwert wurde auch vom Klub selbst verdeutlicht. Über die Videoleinwände flimmerten noch einmal die besten Pizarro-Szenen der letzten 17 Jahre. Im Jahr 1999 war Pizarro zum ersten Mal nach Bremen gewechselt. Zu Ehren seiner 102 Bundesligatore, die der Stürmer mittlerweile geschossen hat, bekam er ein ganz besonderes Trikot überreicht: es ist ein Zusammenschnitt eines alten und eines neuen Leibchens und auf dem Rücken steht die 102.

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Zum Abschluss des Tages gab es dann noch einen Kick über 60 freundschaftliche Minuten zwischen der Traditionsmannschaft des SVW – unter anderen mit Ailton und Viktor Skripnik – und einem All Star Team eines Sponsoren. Frank Baumann, der per Headset mit seinen Spielern auf dem Platz verbunden war, coachte gemeinsam mit Fin Bartels, Felix Wiedwald und Zlatko Junuzovic das All Star Team. Die Traditionself gewann mit 6:3.

Trotz aller Superlative blickten die Fans sehr realistisch auf die kommende Saison. Denkt man an den Hype, den die Rückkehr Pizarros im letzten Sommer lostrat, wirkt die jetzige Stimmung eher verhalten optimistisch. Domenik Windler, der am Sonntag extra aus Hameln zum Tag der Fans gekommen war, fasste seine Stimmung mit den Worten: „Abwarten, die anderen haben auch eingekauft“ zusammen.

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In der vergangenen Winterpause sei Windler der Mannschaft ins Trainingslager nachgereist und für die ersten drei Heimspiele in der kommenden Saison habe er schon Tickets. Max Kruse zollte er Respekt: „Dass er auf Geld verzichtet, um nach Bremen zurückzukehren, ist einmalig“, sagte der 29-Jährige. So ähnlich war das auch von vielen anderen zu hören.

Carsten Ruhnau aus Kassel kam mit seinem Sohn zur Präsentation der neuen Werder-Mannschaft. Der 15-Jährige trug eines der zahlreichen Kruse-Trikots, die im Weserstadion zu sehen waren. Weil Werder jahrelang einfach den attraktivsten Fußball gespielt habe, würde er schon seit Jahren regelmäßig zu Heimspielen nach Bremen kommen.

Das Vereinsmitglied Steffen Preller äußerte sich zurückhaltend, was den sportlichen Erfolg des erneuerten Teams anbelangt. Ein „knapp einstelliger Tabellenplatz“, wäre am Ende schon wunderbar. „Man sollte sich die Ziele nicht zu hoch stecken.“

Aus dem Mund von Kapitän Clemens Fritz klang das schon etwas forscher: „Wir sollten nach vorne schauen, möglichst schnell den Abstiegskampf abhaken und dann schauen, was geht“, sagte er. Ailton blickte optimistischer auf die kommende Spielzeit. „Ich glaube, dass diese Mannschaft eine super Saison spielen kann“, sagte er in seiner unnachahmlichen Ailton-Art.

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