DFB-Pokalfinale

Die zehn legendärsten Bayern-Niederlagen

Für viele Fußballfans ist eine Niederlage der großen Bayern fast so schön, wie ein Sieg ihres eigenen Lieblingsvereins. Wir erinnern an die legendärsten Niederlagen des FC Bayern München.
14.05.2010, 14:49
Lesedauer: 7 Min
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Die zehn legendärsten Bayern-Niederlagen
Von Tobias Dohr
Die zehn legendärsten Bayern-Niederlagen

Die Bayern - hier Oliver Kahn - am Boden. Das gab es schon öfter.

DPA

Für Erfolg gibt es keinen Ersatz – das zählt im Sport mehr als sonst irgendwo. Doch besonders im Fußball ist ein Großteil der Nation auch in Niederlagen vereint – und glücklich. Denn für viele ist eine Niederlage der großen Bayern fast so schön, wie ein Sieg ihres eigenen Lieblingsklubs. Pünktlich zum DFB-Pokalfinale gegen den SV Werder Bremen haben wir die historischsten Niederlagen des FC Bayern München noch einmal zusammengetragen.

Platz 10:

Mittwoch, 16. März 1983: FC Aberdeen – FC Bayern München 3:2 (1:1)

Im Viertelfinale des Pokalsieger-Wettbewerbs führen die Bayern in Aberdeen mit 2:1. Hansi Pflügler trifft in der 62. Minute zur scheinbaren Vorentscheidung, nachdem Klaus Augenthaler für das frühe 1:0 (10.) gesorgt hatte. Das Hinspiel war 0:0 ausgegangen. Der FC Aberdeen braucht alsozwei Tore, um die Münchner noch zu stoppen. Ein schier aussichtloses Unterfangen. Doch zwei Auswechslungen und ein Doppelschlag bringen die Wende: In der 76. und 77. Minute schießen die Schotten die nötigen Tore. Der damalige Trainer des FC Aberdeen war übrigens ein gewisser Alex Ferguson- der Mann, der 16 Jahre später dem FC Bayern noch einmal mit zwei Auswechslungen und einem Last-Minute-Doppelschlag den Sieg stiehlt (siehe Punkt 1b).

Platz 9:

Sonnabend, 20. Oktober 1973: 1. FC Kaiserslautern – FC Bayern 7:4 (1:3)

Es war der Nachmittag, an dem der Mythos der nie aufsteckenden „Roten Teufel“ entstand und gleichzeitig eines der legendärsten Bundesligaspiele überhaupt. Nach 36 Minuten führte der große FC Bayern mit 3:0, als Gerd Müller nach exakt 57 Minuten zum 4:1 trifft, geht es für Kaiserslautern eigentlich nur noch um Schadensbegrenzung.Dann passiert das Unfassbare: Das Team vom damaligen Lautern-Trainer Erich Ribbeck schießt noch sechs Toregegen den Deutschen Meister. Die letzten drei fallen zwischen der 84. und 89. Minute. Der vierfache Torschütze Seppl Pirrungerhält kurz darauf ein Vertragsangebot aus München, das er selbstbewusst ablehnt.

Platz 8:

Mittwoch, 27. Mai 1987: FC Porto – FC Bayern München 2:1 (0:1)

Selten gab es in einem europäischen Landesmeister-Finale einen größeren Favoriten, als an diesem Mittwochabend. Alle Welt erwartete einen Sieg der Bayern. Erst recht, als Ludwig „Wiggerl“ Kögl in der 25. Minute das 1:0 per Kopf erzielt. Doch dann ziehen sich die von Udo Lattek trainierten Münchnerzurück - ein fataler Fehler. Wieder einmal ist es ein Doppelschlag, der den Bayern den Todesstoß versetzt.Der Algerier Rabah Madjer erzielt mit der Hacke ein Traumtor (78.), Juary erhöht zum Endstand (80.).

Platz 7:

Mittwoch, 26. Mai 1982: Aston Villa – FC Bayern München 1:0 (0:0)

Erneut ein Endspiel im Landesmeister-Cup – dieses Mal fünf Jahre vor der Porto-Schmach gegen Aston Villa! Die Bayern haben noch nie zuvor ein Finale verloren, also können sie eigentlich gar nicht scheitern. Eigentlich. Und tatsächlich sieht alles nach einem Pflichtsieg aus: Gegen den schwachen englischen Meister zeigen die Bayern eine Top-Leistung, haben Chancen im Überfluss, verlieren aber trotzdem unglücklich mit 0:1. Karl-Heinz Rummenigge versemmelt eine Chance nach der anderen, Dieter Hoeneß wird kurz vor Schluss ein regelgerechtes Tor aberkannt. Endspiel-Niederlage. Ein neues Gefühl, an das sich die Bayern-Fans erst gewöhnen müssen.

Platz 6:

Sonnabend, 12. November 1977: 1860 München – FC Bayern 3:1 (0:1)

Die Emotionen waren schon vor der Partie aufgeheizt wie nur selten vor einem Münchener Stadtderby. Die Bayern spielten eine miserable Saison, standen vor diesem 15. Spieltag auf Platz 14 der Tabelle. Noch schlimmer erging es den Aufsteigern von 1860. Sie hatten noch keinen einzigen Saisonsieg feiern können. Bis zu diesem Sonnabend.Zwar erzielt Karl-Heinz Rummenigge in der 31. Minute die 1:0-Führung, doch dann gehen ausgerechnet dem Jungstar und heutigen Bayern-Präsidenten die Nerven durch. Nachdem die Löwen das Spiel gedreht haben, holt Sechzig-Stürmer Beppo Hofeditz beim Stande von 2:1 aus einem Zweikampf mit Rummenigge einen Elfmeter raus - die damit verbundene schauspielerische Leistung analysieren die Hauptbeteiligten in einem angeregten Zwiegespräch. Als Hofeditz aufstehen will, knallt ihm Rummenigge eine. Bayerns Jungstar fliegt vom Platz und behauptet später unter Tränen, Hofeditz habe ihn als „rote Sau“ bezeichnet. Beim Löwenstürmer hingegen stellt sich eine sehr spezielle Form der Amnesie ein: Hofeditz kann sich einerseits an nichts erinnern, weiß aber sicher, dass von einer „roten Sau“ nicht die Rede war.

Platz 5:

Mittwoch, 8. April 2009: FC Barcelona – FC Bayern München 4:0 (4:0)

Selten wurde eine Mannschaft des FC Bayern international so gedemütigt, wie an diesem Aprilabend in Barcelona. 1:1 war das Hinspiel in München ausgegangen. Die Lage ist ohnehin brenzlig beim FC Bayern vor dem Spiel beim FC Barcelona. Gerade hat man mit dem 1:5 in Wolfsburg die letzte realistische Meisterschaftschance verspielt, über eine Entlassung von Jürgen Klinsmann wird heftig spekuliert. Nur ein starker Auftritt in Spanien könnte den Trainer vielleicht noch retten.Doch bereits nach 43 Minuten ist das „Projekt Klinsmann“ im Prinzip erledigt. In einem glanzvollen Spiel zerlegen Messi, Henry & Co. den FCB und gehen mit 4:0 (!) in die Pause. Dass Barcelona in der zweiten Halbzeit das Ergebnis nur noch verwaltet, macht die Demütigung für die Bayern fast noch schlimmer.

Platz 4:

Dienstag, 6. März 2001: Olympique Lyon – FC Bayern München 3:0 (2:0)

Irgendwo in einem französischen Hotel, in der Nacht vom 6. auf den 7. März 2001: Die Bayern haben in der Champions League Zwischenrunde gerade drei Stück in Lyon kassiert. Zwar war das Team schon vor diesem Auftritt so gut wie sicher qualifiziert für das Viertelfinale, das hält Franz Beckenbauer, Kaiser und Präsident, aber nicht davon ab, auf dem Bankett das Wort zu ergreifen. Hier einige Auszüge aus seinem Monolog:„… Das hat nichts mit Fußball zu tun. Das ist eine andere Sportart, die wir spielen … Das ist nicht Fußball, das ist Uwe-Seeler-Traditionsmannschaft, Altherrenfußball … In Zukunft könnt ihr das nicht machen, sonst müssen wir uns alle einen anderen Beruf suchen, das ist vielleicht gescheiter … Wenn einer Nachhilfeunterricht braucht, dann werde ich ihm noch etwas ganz anderes sagen. Ich stehe auch heute noch und die nächsten Tage zur Verfügung. Denn ich habe sicherlich noch mehr gesehen, als ich jetzt gesagt habe. Aber ich glaube, das genügt.“ Im Nachhinein wurde diese 0:3-Schmach von Lyon oft als das entscheidende Erlebnis auf dem Weg zum späteren Champions-League-Triumph 2001 angesehen. Die Wutrede des Kaisers bleibt dennoch unvergessen.

Platz 3:

Sonntag, 14. August1994: TSV Vestenbergsgreuth – FC Bayern 1:0 (1:0)

Es ist der Tag, an dem der Name eines kleinen mittelfränkischen Dorfs in ganz Europa zu Popularität gelangt: Vestenbergsgreuth! In einer der größten Sensationen des Pokalwettbewerbs schaltet der Amateurverein die Weltmannschaft des FC Bayern aus. Kahn, Matthäus, Jorginho, Scholl, Papin – die Aufstellung der Münchner liest sich wie das Who-is-who des internationalen Fußballs. Dazu der Trainerstar Giovanni Trapattoni. Doch es nützt alles nichts. Das 1:0 von Wolfgang Hüttner (43.) reicht am Ende – und nicht nur die Republik sondern ganz Europa lacht über die Bayern. Die Bild-Zeitung titel am nächsten Tag: „Giovanni Trapattoni hat bisher drei Worte Deutsch gelernt: Danke, Bitte und - Vestenbergsgreuth...“

Platz 2:

Sonnabend, 9. Oktober 1976: FC Bayern München – FC Schalke 04 0:7 (0:2)

Im Mai hatte Franz Beckenbauer seine Bayern noch zum dritten Landesmeister-Cup-Sieg in Folge geführt und damit Fußballgeschichte geschrieben. Doch an jenem 9. Oktober tragen sich dann gleich zwei Vereine in die Rekordbücher der Bundesliga ein: Bayern und Schalke. Das 0:7 im eigenen Stadion bedeutet für die Münchner die höchste Niederlage aller Zeiten, für die Gelsenkirchener ist es der höchste Bundesligasieg.Klaus Fischer trifft gleich viermal, für Franz Beckenbauerist es einer der letzten Auftritte in München: Wenige Monate später wechselt er zu Cosmos New York.

Platz 1b:

Mittwoch, 26. Mai 1999: Manchester United – FC Bayern München 2:1 (0:1)

89. Minute des Champions-League-Finales zwischen Bayern München und Manchester United. Mario Basler ist platt, aber glücklich.Der Schütze des einzigen Tors wurde gerade ausgewechselt, genießt die Ovationen der Bayern-Fans im Stadion Camp Nou zu Barcelona und lässt sich feiern. Ein Betreuer bringt ihm eine Siegerkappe und einen riesigen Champagnerkübel. Gleich ist Abpfiff, gleich wird gefeiert, gleich gibt's 'ne Kippe.Gut vier Minuten später pfeift Schiedsrichter Pierluigi Collina die Partie ab – und nichts ist mehr so, wie es war. Denn in diesen 240 Sekunden hat sich eines der größten Dramen der Fußball-Geschichte ereignet. Manchester – eigentlich schon geschlagen und gedemütigt – hat in der Nachspielzeit das Spiel tatsächlich noch gedreht und den Bayern die wohl bitterste Niederlage ihrer Vereinsgeschichte beigebracht. Die historische Pleite geht als die „Mutter aller Niederlagen“ in die Geschichtsbücher ein. Statt Basler, Matthäus, Kahn und Effenberg feiern plötzlich Beckham, Neville, Giggs und Cole. Und die beiden Torschützen Sheringham und Solskjaer, die beide erst Mitte der zweiten Halbzeit eingewechselt wurde. So ist es auch im Jahr 1999 ein gewisser Alex Ferguson, der den Bayern ganz besonders weh tut.

Platz 1a:

Sonnabend, 12. Juni 1999: SV Werder Bremen – FC Bayern 6:5 n.E. (1:1)

Aus Bremer Sicht ist die schönste Bayern-Niederlage aber wohl die des 12. Junis 1999. Erst Recht, weil die Grün-Weißen nur zweieinhalb Wochen nach der Schmach von Barcelona eine ordentliche Prise Salz in die noch immer klaffende Bayern-Wunde streuen konnten. Bayern geht als Deutscher Meister und haushoher Favorit in das Pokalendspiel von Berlin. Werder war schon froh, dem Abstieg hauchdünn entgangen zu sein, mit einem Triumph rechnet in der Hansestadt niemand ernsthaft. Doch es läuft, wie so oft in diesen Spielen. Die Bremer gehen früh mit 1:0 durch Maximov in Führung (4.) und retten nach dem Ausgleich durch Jancker (45.) das Unentschieden bis ins Elfmeterschießen. Dieses ist dann aus dem Stoff, aus dem Bremer Fußballträume sind: Stefan Effenberg verschießt, Frank Rost trifft rotzfrech gegen Oliver Kahn und hält anschließend den entscheidenden Schuss von Lothar Matthäus. Aus vorbei, Sieg für Werder, Blamage für den FC Bayern!

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