Eilts lobt die Entwicklung des Stürmers

Diese Wochen sind wertvoll für Sargent

Josh Sargent spielt nun immer - und das mit seinen erst 19 Jahren. In seiner Kolumne schreibt unser Experte Dieter Eilts darüber, was das für einen jungen Spieler bedeutet und was ihm dabei besonders gefällt.
30.10.2019, 10:21
Lesedauer: 3 Min
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Von Dieter Eilts
Diese Wochen sind wertvoll für Sargent

Höheres Niveau: Josh Sargent musste sich an das Tempo und die Härte der Bundesliga gewöhnen, schreibt Dieter Eilts in seiner Kolumne.

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Mit seinen 19 Jahren spielt Josh Sargent im Grunde gerade sein erstes richtiges Jahr bei den Senioren. Vergangene Saison hätte er noch in der A-Jugend auflaufen können und durfte trotzdem schon an der Bundesliga schnuppern. Wegen der vielen verletzungsbedingten Ausfälle bei Werder ist Sargent nun in kürzester Zeit sehr wichtig geworden. Er stand schon in acht Spielen auf dem Feld, davon sechsmal in der Startelf. Dass er so viel Spielzeit bekommen würde, konnte vor der Saison keiner erwarten.

Für Sargent sind die Erfahrungen, die er in diesen Wochen in Bremen machen kann, enorm wichtig für seine weitere Entwicklung. Seine Karriere verlief schließlich nicht so geradlinig wie bei anderen Bundesligaprofis seines Alters. Anfangs hatte er noch keine Spielberechtigung und konnte ein halbes Jahr nur trainieren. Auch diese Zeit war aber gut für beide Seiten: Als junger Stürmer konnte er sich im Training an das höhere Niveau gewöhnen, und der Verein konnte die Zeit nutzen, um den US-Amerikaner taktisch zu schulen.

Vergleichbar mit einem Aufsteiger

Es ist für einen jungen Spieler gar nicht so einfach, plötzlich in der Bundesliga mithalten zu müssen. Es geht schneller und körperbetonter zur Sache, er muss sich schon vor der Ballannahme auf den nächsten Schritt konzentrieren und sich gegen stärkere, aggressivere und kompaktere Abwehrreihen behaupten. Man kann das vergleichen mit einem Zweitligisten, der in die Bundesliga aufsteigt. Der muss sich auch erst umstellen und eingewöhnen. Bei Sargent kommen noch die zusätzlichen Belastungen durch die weiten Reisen zur amerikanischen Nationalmannschaft dazu. Deshalb muss man es ihm hoch anrechnen, wie er sich da gerade durchbeißt.

Es liegen ja keine einfachen Monate hinter dem Jungen. Nach den ersten Einsätzen und Toren bei den Profis fiel er im Frühjahr in ein Loch, und im Sommer gab es den nächsten Dämpfer, als er aus dem US-Kader für den Goldcup gestrichen wurde. Das sind Situationen, die sich auch Sargent sicher anders vorgestellt hatte. Aber solche Schwankungen gehören zu einem Reifeprozess dazu.

Er kann auch von Pizarro viel lernen

Er ist wirklich ein guter Fußballer, auch wenn er nicht die in Deutschland übliche Grundausbildung in einem Nachwuchsleistungszentrum genossen hat. Vielleicht liegt aber genau darin bei ihm ein Vorteil: Er spielt unbekümmerter und freier drauflos, er macht sich nicht zu viele Gedanken. Dadurch ist er auch schwerer auszurechnen. Er bringt mit seinem Tempo und seiner Statur schon sehr viel mit und setzt seinen Körper auch schon besser ein. Man sieht bei ihm nun eine deutliche Entwicklung. Das liegt nicht nur an den regelmäßigen Spielen, sondern auch daran, dass er sich im Training bei Stürmern wie etwa Claudio Pizarro sehr viel abschauen kann. Die Unterstützung und die wertvollen Tipps von so erfahrenen Spielern sind sehr hilfreich für einen jungen Stürmer, da bringt ihn auch jede Szene im Training wieder ein Stück weiter.

Die große Bühne ist verlockend

Natürlich wird es für Sargent nicht ganz einfach, wenn Stammkräfte wie Yuya Osako wieder ins Team drängen und er dann vielleicht wieder etwas weniger Spielzeit bekommt. Ich bin sicher, dass ihn das Trainerteam um Florian Kohfeldt gut darauf vorbereiten wird. Ich hoffe und glaube, dass Sargent das gut aufnimmt. Er neigt nicht wie einige andere Jungprofis dazu, sich für den Größten zu halten, nur weil er jetzt ein paar Spiele in der Bundesliga machen konnte. Diese Bühne ist verlockend, manche Talente glauben dann, ihnen gehöre plötzlich die ganze Welt. Er muss es als Anreiz sehen, künftig immer wieder auf diese Bühne zurückkehren zu wollen. Durch die Spiele und die Erfahrungen ist er jetzt viel besser gerüstet für den Konkurrenzkampf bei Werder. Er kann daraus Selbstvertrauen tanken, auch dank seiner Tore. Außerdem hat er seinem Trainer gezeigt: Auf mich ist auch auf diesem hohen Niveau Verlass, wenn ich gebraucht werde! Das ist für beide Seiten nun ein gutes Gefühl.

Dieter Eilts (54)

schreibt als Kolumnist für den WESER-KURIER. Der Ehrenspielführer von Werder Bremen, Europameister von 1996 und ehemalige U21-Nationaltrainer schaut bei Werders Spielen in dieser Saison genau hin und analysiert die Leistungen der Mannschaft.

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