Eilts über Werders schwierige Lage „Es fehlt eine spielbestimmende Persönlichkeit"

Nach einem erfreulichen Saisonstart hat sich Werders Lage zuletzt deutlich verschlechtert. Um die Bremer muss man sich inzwischen ernsthafte Sorgen machen, schreibt Dieter Eilts in seiner Kolumne.
12.12.2020, 10:52
Lesedauer: 2 Min
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Von Dieter Eilts

Nach den ersten Spielen der Saison war Werders Situation positiv aufgrund einer guten Punkteausbeute und erfreulichen Ergebnissen wie den Unentschieden in Freiburg, Frankfurt und besonders in München. Getrübt haben die Stimmung nur die beiden Remis im Weserstadion gegen Hoffenheim und Köln. Jetzt wird sie belastet durch die Heimniederlage gegen Stuttgart. Mittlerweile hat sich die Situation verändert.

Zu Hause bleibt die bekannte Heimschwäche bestehen. Wenn sie im Weserstadion gezwungen ist, das Spiel zu machen, hat die Mannschaft große Schwierigkeiten. Spielaufbau, Spieleröffnung, Kombinationen, Herausspielen von Torchancen, all das läuft zu Hause nicht besonders gut. Beim Blick auf die bisherige Saison lässt sich schnell erkennen, dass die besseren Leistungen gezeigt wurden, wenn Werder aus einer massiven Verteidigung heraus agieren konnte.

Klaassen fehlt als Persönlichkeit

Der Grund dafür ist das Fehlen einer spielbestimmenden Persönlichkeit. Davy Klaassen war so eine Persönlichkeit, immer anspielbereit und ballsicher, auch wenn er nicht immer sein Potenzial abrufen konnte. Dazu kommt, dass einige Spieler noch immer nicht ihre beste Form erreichen. Junge Spieler werden auch deshalb bereits sehr stark in die Verantwortung genommen. Und mittlerweile fehlen wieder wichtige Profis verletzungsbedingt – wie Milot Rashica und Niclas Füllkrug, der wichtigste Spieler überhaupt. Auf ihn war Werders Spiel zu Teilen ausgerichtet, er war als zentraler Zielspieler eingeplant.

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In der Vorbereitung wurde das eine oder andere zu positiv gesehen und bewertet, auch das sehe ich als Grund für die derzeitigen Probleme. Ich denke, dass sich alle bei Werder ernsthafte Sorgen machen. Die Mannschaft steckt in einer Situation, die sich mit den Partien gegen Leipzig und Dortmund zu einer sehr gefährlichen entwickeln kann. Florian Kohfeldt hat es dokumentiert, indem er angemahnt hat, dass jetzt alle wachsam sein müssen. Er will damit die Sinne schärfen, was ich in Ordnung finde. Das bedeutet nicht, dass die Spieler vorher nachlässig waren oder nicht engagiert genug. Das kann man ihnen wirklich nicht vorwerfen.

Wird Werder unterschätzt?

Der Bremer Gegner Leipzig hat durch die Endrunde in der Champions League ein sehr anspruchsvolles Programm. Die Mannschaft hatte zudem eine sehr kurze Sommerpause. Durch die hohe Anzahl an Einsätzen ist es schwierig, den Schalter immer sofort wieder umzulegen und sich auf den Alltag in der Bundesliga zu fokussieren. Das gilt auch für Dortmund, den übernächsten Werder-Gegner. Durch die Größe ihrer Kader haben die Topteams aber immer die Möglichkeit, frische Leute zu bringen. Beide Trainer, Julian Nagelsmann und Lucien Favre, werden ihre Mannschaften einschwören auf die angepeilten Ziele und volle Konzentration einfordern. Werder sollte nicht darauf hoffen, unterschätzt zu werden.

Gegen den FC Bayern hat Werder gezeigt, dass gegen scheinbar übermächtige Gegner etwas möglich ist. Kompakt in der Defensive, sehr konzentriert, immer eng am Gegenspieler und mit guten Kontern in der Offensive – da hat nur der krönende Abschluss gefehlt. Wenn gegen Leipzig und Dortmund nun unter dem Strich ein Punkt herausspringen sollte, wäre das für mich okay. Beide können sich keinen Ausrutscher erlauben, hinter Bayern ist der Konkurrenzkampf groß.

Info

Zur Person

Dieter Eilts (55) schreibt als Kolumnist für den WESER-KURIER. Der Ehrenspielführer der Bremer, Europameister von 1996 und ehemalige U 21 -Nationaltrainer schaut bei Werders Spielen genau hin, analysiert die Leistungen der Mannschaft und die Entwicklungen im Verein.

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