Nach der Niederlage gegen Köln Was kann Werder-Coach Ole Werner jetzt machen?

Deutliche Worte hat Werder-Coach Ole Werner nach dem Debakel seiner Elf gegen den 1. FC Köln bereits gefunden. Jetzt liegen Taten, sprich personelle Veränderungen nahe. Doch welche Möglichkeiten hat Werner?
23.01.2023, 20:29
Lesedauer: 4 Min
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Von Björn Knips

Erste Zeichen hat Ole Werner schon gesetzt – und das bereits während des 1:7-Debakels seines SV Werder Bremen beim 1. FC Köln: Christian Groß und Marvin Ducksch wurden zur Pause ausgewechselt. So früh ist ihnen das noch nie in der Ära Werner widerfahren. Gut möglich, dass der Sechser und der Stürmer am Mittwochabend im Heimspiel gegen Union Berlin (20.30 Uhr/Sky) gar nicht erst in der Startelf stehen. Es wäre jedenfalls verwunderlich, wenn Werner nach dem Desaster beim Re-Start der Bundesliga keine Veränderungen vornehmen würde. Aber was kann er überhaupt machen? Eine Analyse:

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Das Personal

Werner mag die Kontinuität, der Coach setzt zumeist auf bewährtes Personal. Nicht ganz freiwillig. Denn seine Auswahl ist begrenzt. Mehrfach hat der Coach betont, dass der Kader sehr eng besetzt ist, ihm echte Alternativen fehlen. Seine Chefs Frank Baumann und Clemens Fritz pflichten ihm zwar bei, können aber aus wirtschaftlichen Gründen keine Spieler dazu holen. Das ist ehrlich, aber eben auch gefährlich. Denn es offenbart Werders Schwächen und erhöht nicht gerade das Selbstvertrauen der Reservisten. Die müssen sich allerdings auch anbieten – und zwar mit auffälligen Leistungen im Training und nach Einwechslungen. Echter Konkurrenzkampf um die Startelf ist im Werder-Kader aktuell eher selten. In der Abwehr streiten sich Niklas Stark und Amos Pieper um den Platz in der rechten Innenverteidigung. Da dürfte Pieper am Mittwoch den Vorzug vor Stark bekommen. Milos Veljkovic und vor allem auch Marco Friedl spielten in Köln zwar schlecht, aber wer sollte es besser machen als sie? Es wäre vielleicht auch ein zu deutliches Zeichen, wenn der Trainer den erfahrenen WM-Teilnehmer oder sogar den Kapitän rausnehmen würde.

Auch die Schienenspieler Mitchell Weiser und Anthony Jung sind trotz ganz schwacher Leistungen in Köln unantastbar. Bei Weiser war es eher ein Ausrutscher, er ist eigentlich einer der Besten im Team. Und Jung? Der liefert normalerweise auch solide ab – und Lee Buchanan wäre gerade gegen diese wuchtigen Berliner zu unerfahren.

Im Mittelfeld gibt es da schon mehr Wechsel-Möglichkeiten. Ein heißes Thema bleibt der Sechser – wie seit Jahren. Groß war da zuletzt gesetzt, bis ihn Werner in Köln frühzeitig rausnahm und Ilia Gruev von der Acht auf die Sechs beorderte. Aber wäre der junge Bulgare gegen die Eisernen mit ihrer Robustheit die richtige Wahl? Warum probiert Werner dort nicht mal Niklas Stark aus? Der Innenverteidiger hat diesen Job zu seiner Zeit bei Hertha oder in Nürnberg schon häufiger übernommen.

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Auf der Acht ist Leonardo Bittencourt gesetzt – eigentlich. Denn seinen schwachen Auftritt in Köln garnierte der 29-Jährige auch noch mit indirekter Kritik am Trainer. Der Gegner hätte alles über Werder gewusst. „Wir sind hops genommen worden“, ärgerte sich Bittencourt, der ganz offensichtlich Lösungen des eigenen Trainers vermisste. Das kam intern gar nicht gut an. Doch Bittencourt muss eher keine Konsequenzen befürchten, Werner wird zu diesem Zeitpunkt gewiss keinen offenen Konflikt mit dem Vize-Kapitän anzetteln. Es drängt auch kaum jemand nach. Romano Schmid ist verletzt, Jens Stage immer noch angezählt, nachdem der Coach im Trainingslager öffentlich dessen immer noch vorhandenen taktischen Defizite angeprangert hatte. 

Bessere Karten besitzt Niklas Schmidt, der in Köln immerhin schon zur Pause ran durfte, allerdings im Mittelfeld auch nicht überzeugte. Vielleicht wäre der 24-Jährige eine Position weiter vorne besser aufgehoben – als Ersatz für Marvin Ducksch, der in diesem Jahr völlig von der Rolle zu sein scheint. Bereits im Härtetest auf Schalke agierte der Angreifer unglücklich, in Köln stand er dann nach seinem verkorksten Freistoß-Trick, der zum 0:1 führte, völlig neben sich. Schon im Vorfeld dieser Partie soll intern über eine Veränderung auf dieser Position diskutiert worden sein. Doch Werner hielt an Ducksch fest. Wahrscheinlich in der Hoffnung, dass dieser irgendwann doch wieder so gut mit Niclas Füllkrug harmonieren wird wie früher. Doch abgesehen von einer Ducksch-Ecke zum Füllkrug-Tor war von einem guten Zusammenspiel nichts zu sehen.

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Aktuell besteht der Werder-Angriff eigentlich nur aus Füllkrug. Für Ducksch durfte sich nach der Pause Eren Dinkci beweisen. Aber dem 21-Jährigen fehlte bei allem Willen einmal mehr die Überzeugung in die eigene Stärke, um sich durchzusetzen. Dabei hat er im Stürmer-Ranking ganz offensichtlich Oliver Burke überholt. Der Schotte kam in Köln gar nicht zum Zuge. Was nicht verwundert: Werner hatte zuletzt moniert, dass Burke im Training nicht immer voll bei der Sache sei, viele Abläufe immer wieder neu erklärt bekommen müsse. Beide Seiten sind da gerade ziemlich unzufrieden.

Die Taktik

Das 3-5-2-System hat Werner von seinem Vorgänger Markus Anfang übernommen – und grundsätzlich nicht mehr verändert. Darin fühle sich seine Mannschaft am wohlsten, betont der Coach. Und daraus lasse sich auch taktisch einiges entwickeln. Werner setzt dabei auf mannorientiertes Verteidigen, was zuweilen viel Mut erfordert und gerade auf Köln zum Problem wurde. In der Regel läuft Werder den Gegner auch ganz hoch an, was riskant sein kann – und bei den Klatschen gegen die Bayern (1:6) und in Köln auch war. An dieser Stellschraube könnte Werner drehen und sein Team defensiver agieren lassen. Eine Änderung des Systems hin zu einer Viererkette ist dagegen praktisch unmöglich. Das gibt der Kader nicht her, es fehlt zum Beispiel der passende Rechtsverteidiger dafür. Mitchell Weiser ist ein sehr guter Schienenspieler, aber eben kein Verteidiger. Auch für einen Dreier-Sturm fehlt das Personal. So wurde in Benjamin Goller der einzige echte Außenstürmer an den 1. FC Nürnberg verkauft. 

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Die Ansprache

In Köln fand Werner nach dem Debakel zwar deutliche Worte, er drosch aber nicht wütend auf die Mannschaft ein. Intern wird er durchaus mal richtig laut. Allerdings ist der 34-Jährige kein Freund von Aktionismus. Immer wieder hebt er hervor, dass ein Trainer in guten wie in schlechten Zeiten eine verlässliche Art haben müsse, die vor allem auf einer sachlichen Betrachtung der Situation fußt. Werner wird gewiss für das Union-Spiel deutlich eine Reaktion einfordern, aber seine Spieler deshalb nicht anschreien oder über heiße Kohlen laufen lassen.

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