Nachruf Ex-Werder-Coach Hans-Jürgen „Dixie“ Dörner ist tot

Er galt als "Beckenbauer des Ostens", spielte 100 Länderspiele für die DDR. 1996 wurde er Trainer bei Werder Bremen. Nun ist Hans-Jürgen „Dixie“ Dörner gestorben.
19.01.2022, 10:57
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Von kni

Dresden/Bremen – Willi Lemke muss sofort schlucken, als er am Telefon vom Tod von Hans-Jürgen „Dixie“ Dörner erfährt. „Diese Nachricht macht mich sehr traurig, weil ich Dixie sehr geschätzt habe“, sagt Lemke im Gespräch mit unserer DeichStube. Er war Manager beim SV Werder Bremen, als der Bundesligist 1996 Dörner als Trainer verpflichtete. In der Nacht zu Mittwoch ist Dörner im Alter von 70 Jahren nach langer schwerer Krankheit verstorben. Ganz Fußball-Deutschland trauert um den „Beckenbauer des Ostens“, wie Dörner ob seiner großen fußballerischen Qualitäten genannt wurde. 100 Mal trug er vorwiegend als Libero das Trikot der Nationalmannschaft der DDR, 558 Mal stand er zwischen 1969 und 1986 wettbewerbsübergreifend für Dynamo Dresden auf dem Platz. Bis zuletzt gehörte er auch dem Aufsichtsrat des Zweitligisten an.

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„Dixie war ein begnadeter Fußballer“, erinnert sich Lemke: „Wir haben ihn damals auf Empfehlung von Lothar Matthäus verpflichtet. Lothar hat unserem damaligen Präsidenten Franz Böhmert gesagt, dass wir Dixie guten Gewissens holen können.“  Weltmeister Matthäus spielte damals noch beim FC Bayern München und hatte dabei offenbar auch einen guten Draht zu Dörner sowie Böhmert. Riskant war die Bremer Entscheidung im Januar 1996 trotzdem, denn Dörner hatte bis dahin noch keinen Verein trainiert, sondern lediglich als Nachwuchscoach beim Deutschen Fußball-Bund (DFB) gearbeitet. In Bremen sollte der gebürtige Görlitzer nach dem krachend gescheiterten Aad de Mos Werder wieder so erfolgreich machen wie unter Otto Rehhagel. Doch daraus wurde nichts. Nachdem die Mannschaft den Start in die Saison 1997/98 verpatzt hatte und nach drei Spielen am Tabellenende stand, gab ein Testspiel-Trip nach Spanien den Ausschlag für die Entlassung. 0:4 gegen CD Teneriffa, 0:8 gegen Atletico Madrid – die Mannschaft ließ Dörner hängen. „Dixie war ein liebenswerter, offener Mensch. Ich bin mit ihm sehr gut ausgekommen. Aber wahrscheinlich war die rauhe Welt des Fußball-Geschäfts dann doch etwas zu hart für ihn als Trainer“, erzählt Lemke und fügt noch an: „Ich habe es sehr bedauert, dass es schon nach eineinhalb Jahren zur Trennung kommen musste.“

Dörner selbst nannte die 19 Monate bei Werder erst vor wenigen Monaten „eine schöne Zeit. Ich habe die Bundesliga genossen. Es war eine gute Erfahrung, die mir viel gegeben hat“, sagte er im Herbst im Gespräch mit der DeichStube. Da hatte er sich gerade von einer schweren Operation im Sommer erholt. Das Bremer Gastspiel in Dresden konnte er aber noch nicht wieder live im Stadion verfolgen. 

Nach seinem Job in Bremen arbeitete Dörner beim Zweitliga-Absteiger FSV Zwickau (1998 bis 1999) und beim ägyptischen Traditionsclub al Ahly Kairo (2000 bis 2001). Danach folgten noch einige Engagements im Amateurbereich. Dörner lebte in Dresden, eröffnete dort auch seine eigene Fußballschule. Die Nachricht von seinem Tod sorgte für große Trauer in der sächsischen Landeshauptstadt. „Es ist unbegreiflich, schockierend und sehr, sehr traurig“, sagte Dynamo-Präsident Holger Scholze . In Dörner sei „nicht nur der größte Spieler der Vereinsgeschichte von uns gegangen“, so Scholze, „wir haben auch einen Menschen verloren, der unser aller Herz erobert hatte.“    

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Ähnlich äußerte sich auch Klaus-Dieter Fischer. „Dixie war ein fantastischer Mensch“, sagte Werders Ehrenpräsident und erinnerte an Dörners besonderen Start in Bremen: „Die Fans haben ihm gleich einen eigenen Song gewidmet: ,Am Tag als Dixie Dörner kam.' Zur Melodie von Juliane Werdings ,Conny Kramer'. Da war Dixie total gerührt.“

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