Ein Jahr nach dem Allofs-Weggang Drei Thesen zum Umbruch

Bremen. Heute vor einem Jahr wechselte Klaus Allofs von Werder Bremen nach Wolfsburg. Über die Folgen wird nach wie vor heftig diskutiert.
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Von Ben Binkle

Bremen. Heute vor einem Jahr, am 14. November 2012, endete in Bremen eine Ära. Nach über 13 Jahren als Sportchef wechselte Klaus Allofs mit sofortiger Wirkung zum Ligarivalen VfL Wolfsburg. Es war nicht nur für Bremen eine Meldung mit enormer Sprengkraft. Auch die Bundesliga schaute ungläubig an die Weser: Noch nie zuvor hatte ein Sportdirektor in einer laufenden Saison innerhalb der Liga die Seiten gewechselt.

Der 14. November, er kann mit Blick auf die Entwicklung von Werder Bremen nicht hoch genug eingeschätzt werden. Für Fans und Experten markiert das Datum nicht nur das Ende einer Ära, sondern auch den Beginn des endgültigen Umbruchs bei Werder. Die fetten Jahre waren vorbei, neue Lösungen mussten her. Die Personalie Allofs löste einen Dominoeffekt in einem Verein aus (Trainer Thomas Schaaf musste sechs Monate später ebenfalls gehen), der jahrelang für Kontinuität stand.

Aber was hat der Allofs-Weggang konkrekt bei Werder Bremen bewirkt? Geht es mit dem Klub unter der neuen Führung bergauf oder bergab? So kontrovers die Meinungen der Anhänger zu diesen Fragen sind, im Wesentlichen geht es immer um die gleichen Fragen. Wir haben die Debatten in drei griffigen Thesen zusammengefasst. Jede einzelne hat ihre Befürworter und Gegner - und alle haben ihre Argumente.

1. Mit Allofs und Schaaf hätte es keinen echten Umbruch gegeben

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Thomas Eichin und Robin Dutt - diese Namen stehen für den "Umbruch" bei Werder Bremen. Erfunden haben sie ihn aber nicht. Bereits im Sommer 2012, als Werder wegen fehlender Champions-League-Einnahmen einen Sparkurs einschlagen und viele namhafte Profis abgegen musste, riefen Allofs und Schaaf das "Projekt Umbruch" aus. Aus diesem Umbruch wurde dann fast ein Absturz: Nur knapp entging Werder dem Abstieg. Allerdings hatten Schaaf und Allofs - so wie Eichin und Dutt - stets um Geduld geworben. Viele Fans sahen die damalige sportliche Führung aber eher als Bremse denn als Motor des Umbruchs. Dass es heute, ein Jahr später, sportlich deutlich besser läuft, lässt sich nicht mit Fakten belegen: Vor einem Jahr hatte Werder Bremen in der Tabelle zwei Punkte mehr als aktuell. Es ist er ein gefühlter Wert, der für den neuen Umbruch spricht: Die Fans schenken dem Projekt mittlerweile mehr Vertrauen.

2. Eichin und Dutt holen jetzt nach, was Allofs und Schaaf versäumt haben

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Vor allem zwei Vorwürfen sieht sich Allofs auch ein Jahr nach seinem Weggang bei Werder noch immer ausgesetzt: Einer häufig verfehlten Transferpolitik in seinen letzten Jahren und einer vernachlässigten Talentförderung. Fakt ist: Immer weniger Nachwuchsspieler schafften den Sprung in den Bremer Profikader. Das ist momentan unter Robin Dutt und Thomas Eichin anders. Beide setzten fast demonstrativ auf die Jugend. Diese Rückbesinnung auf alte Werder-Tugenden kommt bei den Fans sehr gut an. Und doch ist es schwierig, die Situationen damals und heute adäquat zu vergleichen. Werder hatte in der Allofs-Ära eine deutlich stärkere Mannschaft, der Weg für die Talente ins erste Team war entsprechend länger. Und über die tatsächliche Qualität der Nachwuchsspieler ist trotz erhöhter Quantität auch wenig ausgesagt. Und doch bleibt der Vorwurf immer im Raum - gerade auch, weil Dutt und Eichin für den neuen Jugend-Stil stehen.

3. Der Umbruch im Verein ging nicht weit genug

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"Der Fisch stinkt vom Kopf her" - dieses Sprichwort fällt erstaunlich häufig, wenn es um die personelle Neubesetzung bei Werder Bremen geht. In Allofs und Schaaf hat Werder zwei starke Führungspersönlichkeiten verloren. Vielen Fans reicht das aber noch nicht: Sie halten die Geschäftsführung und Aufsichtsrat um Willi Lemke und Klaus-Dieter Fischer für veraltet und mitschuldig am sportlichen Niedergang der Bremer in den letzten Jahren. Ein häufiger Vorwurf: Sie sollen das einstige Erfolgsduo Schaaf/Allofs zu lange aus der Kritik genommen und Entscheidungen zu wenig hinterfragt haben. Erst wenn Werder Bremen auch ganz oben das Personal wechselt, kann ein Umbruch wirklich funktionieren, formulieren viele Kritiker. Anzeichen dafür gibt es derweil nicht: Lemke ist noch bis 2016, Fischer bis 2015 im Amt.

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