Auswärtssieg auf Schalke

Füllkrug-Dreierpack macht Werder froh

Das Ergebnis klingt deutlich, und am Ende war das 3:1 (2:0) von Werder auf Schalke auch hochverdient. Schön war das Spiel allerdings nicht, doch das war unmittelbar nach dem Abpfiff erst einmal zweitrangig.
27.09.2020, 09:51
Lesedauer: 4 Min
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Füllkrug-Dreierpack macht Werder froh
Von Malte Bürger

Zwei Dinge waren relativ schnell klar. Einen Schönheitspreis würde Werder auf Schalke nun wahrlich nicht gewinnen. Zu durchwachsen war die spielerische Darbietung der Bremer. Die gute Nachricht allerdings war, dass genau das gegen teils indiskutable Schalker genügte. Weil die Elf von Florian Kohfeldt unheimlich konsequent vor dem gegnerischen Tor auftrat, nahm der Auswärtserfolg sehr schnell Form an. Letztlich sprang ein ungefährdeter 3:1 (2:0)-Erfolg heraus.

Werders Cheftrainer hatte vor dem Anpfiff mit seiner Aufstellung ordentlich aufhorchen lassen. Kohfeldt setzte nach dem Fehlstart gegen die Hertha Kapitän Niklas Moisander auf die Bank, für ihn verteidigte Milos Veljkovic von Beginn an neben Marco Friedl. Darüber hinaus gab Jean-Manuel Mbom sein Bundesliga-Debüt - allerdings nicht auf der rechten Abwehrseite, sondern im Mittelfeld. Patrick Erras und Romano Schmid fehlten dagegen komplett im Kader. Und auch Offensiv gab es Veränderungen: Der zuletzt scharf kritisierte Yuya Osako blieb zunächst ebenso Zuschauer wie Davie Selke, stattdessen durften sich Leonardo Bittencourt und Niclas Füllkrug von Beginn an beweisen. Und eine klare Anweisung des Coaches gab es obendrein: „Wir müssen einen Weg beschreiten mit unserem Fußball, der offensiv und aggressiv sein soll“, forderte er am Sky-Mikrofon.

Füllkrug steht goldrichtig

Die ersten Minuten waren dann auch recht intensiv, allerdings auf beiden Seiten. Schön war das Gebotene dadurch aber nicht. Immer wieder gab es kleinere Fouls, sobald der gegnerische Druck etwas höher wurde, stieg auch die Fehlerquote im Aufbau, die technischen Unsauberkeiten mehrten sich. Es waren trotzdem die Bremer, die nach einer Balleroberung von Bittencourt eine erste gute Gelegenheit hatten, Josh Sargent trat jedoch nach einer optimalen Hereingabe am Spielgerät vorbei (10.). Ziemlich genau zehn Minuten später wurde dem aufgerückten Ludwig Augustinsson der Ball direkt von seinem Gegenspieler vorgelegt, doch der anschließende Schuss des Schweden wurde zur Ecke geklärt.

Dieser Standard ließ die Gäste dann allerdings jubeln. Augustinsson flankte an den Elfmeterpunkt, wo Sargent in Richtung Tor köpfte. Niclas Füllkrug stand goldrichtig im Weg und traf aus knapp drei Metern zur Führung (22.). Kurz darauf hätte der Stürmer fast nachgelegt, im Anschluss an einen Konter landete sein Schuss aber am Außennetz (29.). Schalke hatte spürbar am Rückstand zu knabbern, Werder hatte alles unter Kontrolle ohne selbst spielerisch zu überzeugen.

Starke Flanken von Augustinsson

Aber Werder war da, als es darauf ankam. Und wieder war Ludwig Augustinsson beteiligt, dessen Hereingaben dieses Mal die nötige Schärfe und Präzision hatten, die das Bremer Spiel so dringend benötigt. Bei einem Freistoß aus dem Halbfeld fand er punktgenau den Kopf von Füllkrug, der völlig unbedrängt einen Doppelpack schnürte - 2:0 (37.). Die Führung war hochverdient, zur Pause sah das zumindest auf der Anzeigetafel ziemlich gut aus. Doch noch war der Weg ins Ziel ein recht langer.

Kurz nach dem Seitenwechsel wäre der vermeintlich komfortable Vorsprung dann auch beinahe geschrumpft. Vedad Ibisevic kam völlig frei zum Kopfball, zielte aber knapp am Pfosten vorbei (53.). Nur 60 Sekunden später vergab erst Nassim Boujellab eine tausendprozentige Gelegenheit, dann klärten Füllkrug und Jiri Pavlenka nach einer Ecke gemeinsam gegen Ibisevic. Werder hatte den Gastgebern ohnehin über weite Strecken den Ball überlassen, nun wussten diese aber auch mehr damit anzufangen.

Füllkrug trifft zum dritten Mal

Es war ein Spiel mit dem Feuer, das jedoch völlig abrupt endete. Füllkrug war beim ersten guten Bremer Angriff der zweiten Halbzeit im Strafraum gehalten worden, den folgenden Elfmeter versenkte der Gefoulte höchstselbst ganz sicher zum 3:0 (59.). Mit diesem Dreierpack empfahl sich Füllkrug nachdrücklich für weitere Startelfeinsätze, zumal es der Spielstand zuließ, dass er frühzeitig Feierabend machen durfte und nicht gleich über 90 Minuten gehen musste. So ersetzte Selke den dreifachen Torschützen, Bittencourt machte zeitgleich Platz für Johannes Eggestein (68.).

Werder hatte dem Gegner endgültig den Zahl gezogen. Wo sonst mit Sicherheit laut geschimpft und gepfiffen worden wäre, regierte weitgehend die Stille. Ursprünglich hatte die Begegnung bekanntlich vor Zuschauern ausgetragen werden sollen, doch die lokalen Behörden hatten der Fan-Rückkehr in Gelsenkirchen am Morgen eine Absage erteilt, nachdem die Sieben-Tage-Inzidenz vor Ort doch wieder über 35 lag. Und so wurde die gespenstische Stille allenfalls von den Kommandos Florian Kohfeldts oder den Anfeuerungsrufen der Bremer Auswechselspieler durchschnitten.

Gelb-Rot für Kabak

Josh Sargent hätte dann sogar eigentlich noch einen vierten Treffer nachlegen müssen, er scheiterte allerdings per Kopf am stark reagierenden Schalke-Torhüter Ralf Fährmann (78.). Für die Heimmannschaft wurde es in der Schlussphase trotzdem noch bitterer. Ozan Kabak, der im ersten Abschnitt eigentlich wegen einer Spuckattacke gegen Augustinsson schon die Rote Karte hätte sehen müssen, holte sich über den Umweg der Ampelkarte noch den Platzverweis ab (84.). Ärgerlich aus Bremer Sicht: In der allerletzten Sekunde gelang den Gastgebern durch Mark Uth noch der Ehrentreffer.

Aber dann war es geschafft. Werder glückte die geplante Wiedergutmachung, wenngleich auch dieses Spiel zeigte, dass es noch reichlich Luft nach oben gibt. Aber immerhin sieht es in der Tabelle jetzt nicht mehr ganz so trist aus. Und dass die Schalker an diesem Abend nicht viel mehr anzubieten hatten, dafür konnten die Bremer ja nun wirklich nichts. Aber sie haben es ausgenutzt - und um mehr ging es nicht.

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