Werder und der drohende Fehlstart „Druck macht das auf gar keinen Fall“

Nach zwei Niederlagen in Serie verspürt Robert Bauer keinen großen Druck. Auch Klaus-Dieter Fischer ist relativ entspannt. Jörg Wontorra und Teile der Fans sehen es anders. Ein Stimmungsbild.
07.09.2017, 00:00
Lesedauer: 5 Min
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Von Patrick Hoffmann Marc Hagedorn Malte Bürger

Natürlich weiß auch Robert Bauer, worauf es am Sonntag in Berlin gegen Hertha BSC (Anpfiff: 15.30 Uhr) ankommt: „Ich glaube, es ist für uns alle ganz wichtig, dass wir nach den Spielen, in denen wir nichts Zählbares geholt, aber trotzdem ganz gut gespielt haben, jetzt auch endlich etwas in den Händen halten“, sagt der Verteidiger. Schließlich soll es möglichst bald raus aus dem Tabellenkeller gehen, besser noch: einen schönen Abstand zur Gefahrenzone geben. Und dafür brauchen die Bremer eben Punkte – und zwar schnell.

Die Panik ist an der Weser deshalb aber noch lange nicht ausgebrochen. Dass Werder überhaupt dort unten steckt, liegt nach Meinung von Robert Bauer vor allem an einer Tatsache: „Wir sind selbstbewusst genug, um die ersten Spiele gegen Hoffenheim und die Bayern richtig einschätzen zu können und zu wissen, dass die beiden vielleicht noch etwas zu groß für uns und in der Entwicklung etwas weiter sind“, erklärt er. „Wir wissen, dass jetzt ein Gegner kommt, der mehr auf Augenhöhe mit uns ist.“ Gerade diese Tatsache macht die Aufgabe allerdings keineswegs leichter – sie sorgt fast schon für eine gewisse Bringschuld. Könnte man zumindest beim Blick auf das Klassement meinen. „Druck macht das auf gar keinen Fall“, betont Bauer. „Wenn ich ehrlich bin, habe ich seit dem Saisonbeginn nicht einmal auf die Tabelle geschaut. Das bringt doch jetzt noch nichts.“

Anstatt sich an den nicht geholten Zählern, den fehlenden Treffern und dem letzten Rang abzuarbeiten, will der 22-Jährige lieber positiv an das Duell in der Hauptstadt herangehen – zumal dort im Vorjahr durch einen 1:0-Erfolg die erste Partie ohne Gegentor gelang. „Es macht keinen Sinn, jetzt negative Gedanken zu haben, denn dann geht man auch ganz anders in ein Spiel“, sagt Robert Bauer. „Es sollte einen immer die Lust aufs Gewinnen antreiben und nicht die Furcht zu verlieren.“

Tipps von Ailton

Ailton hatte in seiner Bremer Zeit nicht allzu häufig mit kritischen Saisonstarts zu tun. Im Sommer 2003 war es kurze Zeit brenzlig, als Werder im UI-Cup gegen Pasching verlor. Der Rest ist bekannt, die Grün-Weißen zeigten in der Folge Topleistung auf Topleistung, am Ende gab es das Double.

Doch auch der Brasilianer kennt natürlich das Gefühl, in schwierigen Spielen unbedingt funktionieren zu müssen. Ganz unabhängig von irgendwelchen Fehlstarts. "Ich wollte in solchen Partien immer locker bleiben", sagt der einstige "Kugelblitz" heute. Und er hat noch weitere Tipps für die aktuellen Werder-Profis parat. "Ich habe mir immer wieder gesagt, dass ich diese Situation gut überwinden kann. Ich bin stark, ich kann das." Diese ständige Bestätigung für den Kopf hätte sich dann ausgezahlt, auf dem Platz habe er dann zumeist das gemacht, was von ihm gefordert wurde: Tore schießen. Und so wuchs das Selbstbewusstsein immer mehr. "Ich habe immer wieder gedacht, dass ich einfach der Beste bin", sagt er lachend. "Das ist im Prinzip der Hauptgrund, warum ich damals eine gewisse Angst ganz gut überwinden konnte."

Klaus-Dieter Fischer setzt auf Ishak Belfodil

In den vergangenen Tagen, sagt Klaus-Dieter Fischer (76), sei er von sehr vielen Fans angesprochen worden. Beim Bremer Weinfest zum Beispiel. Oder beim Talk-Event WESER-Strand mit Werder-Trainer Alexander Nouri am vergangenen Freitag. Oder beim Spazierengehen. Und immer sei ihm dieselbe Frage gestellt worden: Ob er einen erneuten Fehlstart der Werder-Profis befürchte nach zwei Niederlagen in den ersten beiden Saisonspielen. Fischer hat darauf stets dieselbe Antwort gegeben: „Ich bin optimistisch, dass wir keinen Fehlstart hinlegen werden. Ich gehe fest davon aus, dass wir in Berlin mindestens einen Punkt holen werden.“

Dann macht auch der Blick auf die Tabelle zumindest wieder ein bisschen mehr Spaß. Aktuell nämlich ist Werder Letzter, ohne Punkt und ohne Tor. „Wir stecken jetzt unten drin, das muss man ehrlich so sehen“, sagt Fischer, „aber das war nach diesem Auftaktprogramm zu befürchten.“ Hoffenheim (0:1) und München (0:2) seien die beiden schwersten Gegner gewesen, die Werder zum Auftakt hätte bekommen können, findet Fischer. „Und die Leistungen unserer Mannschaft in diesen beiden Spielen waren gut, die Defensive stand über weite Teile stabil. Das alles bewerte ich sehr positiv.“

Und die fehlenden Offensivaktionen in den ersten beiden Spielen, bereiten die etwa gar keine Sorgen? Auch da ist der ehemalige Klubpräsident entspannt. „Am Wochenende wird der Druck, den die Berliner auf uns ausüben, nicht mehr so hoch sein wie zuvor von Hoffenheim und Bayern.“ Entsprechend groß sei die Chance, dass Werder bei eigenem Ballbesitz Torchancen kreiert – die dann am besten Werders neuer Torjäger Ishak Belfodil verwandelt. So jedenfalls erhofft es sich Fischer.

Für Wontorra ist Delaney ein wichtiger Faktor

Jörg Wontorra schaut von Berufs wegen seit Jahrzehnten ganz genau hin, wenn Werder spielt. Seit dieser Saison moderiert er sonntags auf Sky einen Fußball-Talk, der seinen Namen trägt. Seit inzwischen sechs Jahren schreibt er für den WESER-KURIER als Kolumnist über Werder. Zur aktuellen Situation sagt er: „Saisonübergreifend hat Werder jetzt fünf Bundesligaspiele am Stück verloren. Das ist ein Lauf, der langsam besorgniserregend wird.“

Fortschritte erkennt er im Defensivverhalten, Probleme im Spiel nach vorn, „gefühlte zwei Chancen in 180 Minuten zeigen das Dilemma“. Drei Dinge machen ihm vor dem Hertha-Spiel Hoffnung. Erstens: „Die bisherigen Gegner waren übermächtig, gegen die konnte man verlieren.“ Zweitens: „Hertha liegt Werder, in Berlin ging zuletzt immer was.“ Drittens: „Thomas Delaneys Länderspielauftritte haben gezeigt, dass er auf dem Weg zu alter Form ist. Von ihm hängt vieles ab.“

Das Fanlager ist gespalten

Droht Werder der Fehlstart in die neue Bundesligasaison oder nicht? Bei dieser Frage ist das Bremer Fanlager offenbar ziemlich gespalten. Das zeigt die große Umfrage auf unserer MEIN-WERDER-Facebook-Seite. Demnach bereitet sich die eine, eher kleinere Gruppe bereits auf ein weiteres Jahr Abstiegskampf vor, während die andere, deutlich größere (noch) zu Geduld mahnt. Dazu passt auch der Kommentar von unserem Leser Chris Krammi, der schreibt: „Ach, die beiden Niederlagen sind wenig aussagekräftig, vor allem, da man eine 50:50-Aussage bekommt von Leuten, die die Spiele gesehen haben. Die einen sagen so, die anderen so.“ Für ihn sei das Spiel in Berlin am Sonntag ein Wegweiser: „Vom Gefühl her bin ich aber nicht ganz so optimistisch.“

Vor allem die Tatsache, dass Werder an den ersten beiden Spieltagen gegen zwei Topklubs der Liga gespielt hat, lässt die Fans auf bessere Ergebnisse in den kommenden Wochen hoffen. „Lief doch bislang wie erwartet, und in Hoffenheim wäre ein Punkt drin gewesen“, schreibt beispielsweise Frank Schmachel. Ähnlich sieht es Nico Henning. „Für uns geht die Saison jetzt erst los“, schreibt er mit Blick auf das kommende Auswärtsspiel in Berlin. „Die ersten beiden Spiele kann man verlieren, bei den Gegnern.“ Dieter Wollenhaupt mahnt: „Ruhe bewahren und warten auf die schlagbaren Gegner!“ Bei dem Startprogramm sei nicht viel zu erwarten gewesen, schreibt auch Stefan Nanninga: „Alles im Lot und 15 Vereine müssen in der Hinrunde ja auch noch gegen Bayern (spielen).“ Torsten Zick hingegen fordert stellvertretend für viele Leser: „Ab jetzt sollten wir liefern.“

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