Bittere 1:3-Pleite zum Saisonauftakt Düsseldorf schockt Werder

Im Vorjahr hatte sich Werder zum Saisonauftakt über ein 1:1 gegen Hannover geärgert, nun kam es noch viel schlimmer. Im Weserstadion kassierte die Elf von Florian Kohfeldt eine 1:3-Schlappe gegen Düsseldorf.
17.08.2019, 17:28
Lesedauer: 4 Min
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Düsseldorf schockt Werder
Von Malte Bürger

Sie hatten alles besser machen wollen als im vergangenen Jahr. Nur nicht wieder zum Auftakt patzen, nur nicht wieder gegen ein vermeintliches Leichtgewicht der Liga Punkte lassen. Überhaupt sollte es am 1. Spieltag mal wieder mit einem Sieg klappen, letztmals war das schließlich 2013 in Braunschweig gelungen. Doch der Fluch hielt an, Werder bekam dank einer 1:3 (0:1)-Heimniederlage gegen Fortuna Düsseldorf das erste Schockerlebnis der noch jungen Saison verpasst. Auch weil das Abwehrverhalten weiter ein riesiger Schwachpunkt ist.

Dabei hatte es anfangs noch so gut ausgesehen. Werder begann schwungvoll, bereits nach vier Minuten wurde ein Schuss von Maximilian Eggestein gerade noch von der Düsseldorfer Abwehr zur Ecke abgefälscht. Beim folgenden Standard traf Theo Gebre Selassie den Ball völlig freistehend per Kopf nicht präzise genug. Nur wenig später wurde im Weserstadion dann tatsächlich gejubelt, das Nebelhorn tönte erstmals in der neuen Saison. Johannes Eggestein, der etwas überraschend anstelle von Josh Sargent oder aber auch Niclas Füllkrug in der Startelf stand, hatte nach einem schönen Lauf in die Tiefe ins gegnerische Tor getroffen - allerdings stand er beim Zuspiel klar im Abseits (12.), weshalb das Warten auf die Führung weiterging.

Die Führung will nicht fallen

Und die Phase der guten Werder-Chancen ging weiter. Nach einer Freistoßhereingabe von Nuri Sahin legte sich Ömer Toprak quer in die Luft, doch sein Flugkopfball segelte am Ziel vorbei (18.). Die Fortuna wirkte zunächst wie eine dankbare Auftakthürde. Bereits im Pokal mühten sich die Rheinländer gegen den Fünftligisten FC Villingen 08 erst in der Verlängerung in die nächste Runde. Auch im Weserstadion erweckten sie bis zur Mitte der ersten Hälfte nicht wirklich den Anschein, als würde eine Wiederholung des zehnten Tabellenplatzes aus der Vorsaison realistisch erscheinen.

Im Umkehrschluss bestätigte sich für die Bremer somit recht schnell, was eigentlich schon vor dem Anpfiff klar war. Wenn das Saisonziel Europa möglichst lange eines bleiben soll, müssen Gegner wie der aus Düsseldorf einfach bezwungen werden. Und die Gastgeber blieben überlegen, allein es fehlte ein Treffer. Nach einer Flanke von Milot Rashica verpasste erst Yuya Osako, dann Gebre Selassie den Ball (31.). Sekunden später bediente Osako Rashica, doch der Kosovare schaffte es nicht am herausstürmenden Fortunen-Keeper Zackary Steffen vorbei (33.).

Kalte Dusche durch Hennnings

Nach 36 Minuten wagten sich dann die Düsseldorfer erstmals an diesem Nachmittag in den Bremer Strafraum - und sofort wurden sie belohnt. Sahin schoss Kenan Karaman an, der Abpraller landete unglücklich direkt im Lauf des Düsseldorfers. Bei der folgenden Hereingabe in den Rücken der Abwehr machten Toprak und Gebre Selassie synchron eine ganz schlechte Figur, weshalb Rouwen Hennings völlig freistand. Gänzlich unbedrängt traf er mit dem ersten Schuss auf das Tor von Jiri Pavlenka - 0:1.

Da war es wieder, das alte Werder-Dilemma. Aufwand und Ertrag passten nicht zusammen, eigene Fehler führen obendrein zu schnell zu Gegentoren. Das war schon gegen Atlas im Pokal so, als es sich verschmerzen ließ, in der Vorsaison sowieso und eben jetzt zum Ligaauftakt erneut. Da tröstete die vorherige Dominanz nur wenig. Werder hatte spürbar am Rückstand zu knabbern. Die Souveränität der ersten halben Stunde war verschwunden, gegen enorm tief stehende Gäste wirkte das Bremer Spiel mitunter zu statisch, zwingende Szenen gab es aufgrund einer viel zu großen Ideenlosigkeit bis zur Pause keine mehr.

Eggesteins schnelle Antwort

Trotz der fehlenden Durchschlagskraft verzichtete Trainer Florian Kohfeldt zunächst auf einen personellen Wechsel. Die erste Elf sollte es richten - und korrigierte im Eilverfahren das Zwischenergebnis. Nach einem Düsseldorfer Fehler zog Rashica bis zur Grundlinie und flankte punktgenau auf Johannes Eggestein, dem per Kopf der Ausgleich gelang (47.). Fast wäre den Bremern sogar der Doppelschlag gelungen, doch Osako verfehlte nur ganz knapp nach schöner Vorarbeit von Johannes Eggestein das gegnerische Gehäuse (50.).

Der Nachmittag war allerdings nicht für längere Werder-Glückseligkeiten gemacht. Mitten in die Drangphase hinein zog es die Fortuna nach vorne, wieder klärten die Bremer nicht konsequent genug, sodass an der Strafraumgrenze Karaman zum Abschluss kam. Pavlenka war zwar noch mit den Fingern am Ball, letztlich trudelte die Kugel aber doch ins Netz (52.).

Haarsträubende Nachlässigkeiten

Florian Kohfeldt fuchtelte an der Seitenlinie, trieb seine Spieler mit wilden „Weiter, weiter“-Gesten an. Sahin probierte es als Erster, sein Schlenzer wurde aber pariert (55.). Kurz darauf scheiterte Moisander nach einer Freistoßflanke per Kopf (59.), dann lenkte Steffen einen Schuss von Johannes Eggestein ans Außennetz (60.). Aber auch Düsseldorf blieb gefährlich, weil Werders Defensive sich diesen Namen nicht wirklich verdiente. Nach 64 Minuten durfte deshalb Kaan Ayhan nach einer Ecke recht unbedrängt einköpfen, wieder hatten Toprak und Gebre Selassie nahezu jeglichen Widerstand vermissen lassen. Mit einer Glanzparade gegen Hennings musste Pavlenka gar das 1:4 verhindern (66.).

Im Gegenzug wurde es skurril. Einen Distanzschuss von Osako ließ Fortuna-Torwart Steffen nach vorne abprallen, doch Davy Klaassen nahm das Geschenk nicht an, sondern schob den Ball am Tor vorbei. Inzwischen war Niclas Füllkrug für Rashica eingewechselt worden - und der Sommer-Transfer hatte direkt das 2:3 auf dem Kopf, doch Steffen rettete spektakulär (70.). Kohfeldt brachte nun auch noch Claudio Pizarro für Marco Friedl, die Gäste verschanzten sich aufgrund dieses drohenden Offensivschwungs nun noch tiefer im eigenen Strafraum.

Schlussoffensive bleibt aus

Das Bollwerk machte es Werder enorm schwer. Selbst ein unbefriedigendes Remis rückte minütlich in immer weitere Ferne. Zumal die Gäste dann doch wieder Nadelstiche setzten. Ja, die Bremer gingen volles Risiko, als Rechtfertigung für eine derart defensive Sorglosigkeit darf das allerdings nicht taugen. Weil die Abwehr nämlich auch in Minute 81 wieder einmal völlig unsortiert durch den eigenen Strafraum irrte, hätten Hennings und Alfredo Morales binnen weniger Augenblicke endgültig alles klar machen können.

Auf der anderen Seite probierte es Niclas Füllkrug mit einem Schuss, doch es passte ins Bild, dass der abgefälschte Ball von der Unterkante der Latte eben nicht hinter, sondern knapp vor die Linie sprang (87.). Wenig später war der Bremer Fehlstart perfekt. Die Kritiker dürften bereits einige Ansatzpunkte gefunden haben, um Werders Ist-Zustand infrage zu stellen. Fraglos ist die Saison noch lang, seit diesem Sonnabendnachmittag ist allerdings klarer denn je, dass es eine äußerst arbeitsreiche für Werder werden wird.

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