Fortuna-Stürmer Hennings "Werder redet oben in der Endphase ein kräftiges Wort mit"

Am Sonnabend trifft Werder Bremen auf Düsseldorf. Fortuna-Stürmer Rouwen Hennings ist überzeugt, dass die Bremer den richtigen Weg eingeschlagen haben. Und er erzählt, einmal fast bei Werder gelandet zu sein.
15.01.2022, 09:44
Lesedauer: 5 Min
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Von Hans-Günter Klemm

Aus seiner Sicht ist der Umbruch bei Werder Bremen inzwischen vollzogen worden. Rouwen Hennings, Torjäger von Fortuna Düsseldorf, dem kommenden Gegner der Bremer, hat den Absteiger längst wieder auf der Rechnung, wenn es um die Favoriten für den Aufstieg in die Bundesliga geht. Mit „Friede, Freude, Eierkuchen“, beschreibt der 34-Jährige im Interview mit unserer Deichstube die Stimmung beim Kontrahenten nach dem Trainerwechsel: „Mit Ole Werner scheint es zu passen.“ Hennings, das in Bad Oldesloe geborene Nordlicht, spricht zudem über seine Karriere sowie über die Werder-Stürmer Niclas Füllkrug und Marvin Ducksch. Und der ehemalige U21-Nationalspieler verrät, dass er in der B-Jugend mal das Interesse von Werder geweckt habe.

Herr Hennings, Sie haben für drei Klubs im Norden gespielt: den Hamburger SV, FC St. Pauli und VfL Osnabrück. Stand ein Engagement bei Werder Bremen nie zur Debatte?

Rouwen Hennings: Es gab einmal eine Situation, in der Werder fast zum Thema geworden wäre. In der B-Jugend, als beim HSV mein Vertrag auslief, wurde mir zugetragen, dass Bremen Interesse hätte. Doch die Sache ist nie konkret geworden. Zudem fühlte ich mich in Hamburg gut aufgehoben. Ich habe somit mein Ding beim HSV durchgezogen.

Seit 2015 spielen Sie nun für Fortuna Düsseldorf. Wie lebt es sich als Norddeutscher bei den Rheinländern?

Ganz gut, ich kann nicht klagen. Die Menschen hier sind offen und herzlich. Von Anfang an hat es mir und meiner Familie gut gefallen. Von der Fortuna, wo es mir ganz einfach gemacht worden ist, hatte ich immer einen guten Eindruck aus den Spielen mit St. Pauli und dem Karlsruher SC. Daher habe ich damals den Wechsel aus Burnley nach Düsseldorf favorisiert, auch wegen des tollen Stadions und der liebenswerten und attraktiven Stadt.

Stichwort: Burnley. Wie war das Jahr auf der Insel?

Eine gute Erfahrung, ein schönes Erlebnis auch für die Familie. Ich stand in der Mannschaft, die den Aufstieg in die Premier League geschafft hat. Leider mangelte es am Ende an der sportlichen Perspektive. Ashley Barnes, eine Legende, die immer noch dort spielt, kam nach einer Verletzung zurück, daher bekam ich kaum noch Einsätze.

Nun sind Sie schon im siebten Jahr bei der Fortuna. Sie sind sesshaft geworden. Werden Sie in Düsseldorf Ihre Karriere beenden?

Es könnte durchaus sein, dass es so kommt. Ich bin fit und zum Glück gesund. Ein paar Jahre möchte ich noch spielen. Ich denke, ich kann der Mannschaft noch einiges geben.

Ihr Vertrag läuft bis zum Sommer. Gab es schon Gespräche über eine Verlängerung?

Noch nicht, doch es ist noch genügend Zeit. Bei der Fortuna standen zuletzt andere Themen im Vordergrund.

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In Alexander Jobst wurde ein neuer Vorsitzender des Vorstands berufen, Sportvorstand Uwe Klein wurde beurlaubt. Zuvor hatte es einen Wechsel auf der Position des Assistenztrainers gegeben. Viele Änderungen vor dem Neustart in diesem Jahr. Wie wirkt sich die Unruhe in der Führungsetage auf die Mannschaft aus?

Was im Vorstand passiert, hat keinen direkten Einfluss auf unsere Arbeit. Von daher beeinträchtigt es uns in keiner Weise. Der Tausch bei den Co-Trainern erfolgte nicht zwischen zwei Spieltagen, sondern in der Pause. So hatten wir die Möglichkeit, uns auf die neue Konstellation mit Manfred Stefes einzustellen.

Am Ende des alten Jahres gab es ein sportliches Auf und Ab. Erst ein Sieg gegen Darmstadt, dann das beachtliche Remis gegen Tabellenführer St. Pauli, danach die Heimniederlage gegen Sandhausen. Wie beurteilen Sie die Lage bei der Fortuna?

Wir alle sind uns bewusst, dass die Lage nicht zu unterschätzen ist. Wir hätten es uns anders gewünscht. Jedoch können wir die Situation schon richtig einschätzen. Wir waren den Gegnern selten krass unterlegen. Es hat in vielen Partien nur der Killerinstinkt, also die letzte Konsequenz gefehlt.

Wie bewerten Sie die Vorstellung von Werder?

Bremen hat einen großen Umbruch erlebt. Ich erinnere noch das Hinspiel. Da haben einige Spieler in der Elf gestanden, die später für gutes Geld verkauft wurden. Es folgte naturgemäß eine Phase, in der sich die Mannschaft finden musste. Dann ist es mehr als unglücklich gelaufen mit dem alten Trainer. Nun scheint es mir so: Friede, Freude, Eierkuchen – mit Ole Werner haben sie einen Trainer gefunden, der ein gefragter Mann im deutschen Fußball ist. Es scheint gut zu passen. Als Norddeutscher habe ich natürlich Sympathien für Nordklubs, also auch für Werder. Ich wünsche alles Gute, nur am Samstag nicht.

Mitte der Woche ist Niclas Füllkrug aus der Quarantäne entlassen worden. Die Bremer können also mit ihrem Stamm-Angriff Füllkrug/Ducksch antreten. Ein Nachteil für die Fortuna?

Klar, mit Sicherheit, wenn der Gegner mit der eingespielten Stammbesetzung auflaufen kann. Das steigert die Qualität beim Kontrahenten. Doch daran wollen wir uns nicht orientieren, wir müssen auf uns schauen, auf unsere Möglichkeiten.

In der Rangliste des Fachmagazins "Kicker" sind die beiden Bremer Torjäger vor Ihnen platziert. Sie landen auf Platz zwölf. Ist diese Einstufung gerecht?

Ich habe diese Beurteilung nicht gelesen, weiß nicht, welche Kriterien zugrunde liegen. Zudem orientiere ich mich nicht an Bewertungen von Journalisten, sondern höre auf den Trainer, richte mich nach dessen Analyse. Ich weiß meine Leistung einzuordnen. Und ich glaube, ich spiele keine so schlechte Saison.

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Ständige Beobachter der Spiele haben angemerkt, dass sich Düsseldorf ohne die Hennings-Treffer in akuter Abstiegsnot befinden würde.

So einfach ist diese Rechnung nicht. Es ist nun mal mein Job, Tore zu erzielen, ein Job, wie bei jedem anderen Stürmer in jedem anderen Klub. Eine solche Aufrechnung bringt gar nichts. Genauso gut könnte auf die Paraden unserer Keeper Florian Kastenmeier und Raphael Wolf verwiesen werden, die uns Punkte gebracht haben. Jeder im Team hat seine Aufgabe und macht seinen Job.

Mit dem KSC sind Sie in die 2. Liga aufgestiegen, mit der Fortuna 2018 in die Bundesliga. Sie wissen, wie Aufstieg geht. Was müssen Zweitligisten dafür tun?

Es braucht Konstanz, das ist das Allerwichtigste. In der Hinrunde hat St. Pauli das glänzend umgesetzt, aber auch lange Zeit Regensburg, auch Darmstadt und Paderborn hatten starke Phasen. Fußball spielen können einige Truppen in dieser ausgeglichenen Liga, es kommt aber darauf an, ständig Leistung abzurufen. In der 2. Liga hängt viel von der Tagesform ab, von vielen Kleinigkeiten. Für keine Mannschaft wird eine Partie zu einem Selbstläufer.

Diese Erfahrung macht nun schon seit Jahren der HSV, machen momentan auch die Absteiger Werder und Schalke.

Richtig, für die Bremer und die Schalker ist es eine neue Erfahrung. Es ist enorm schwer, sich im Alltag der 2. Liga zu behaupten. Alle wollen die Favoriten ärgern. Es heißt dann, aufzupassen, dass der Anschluss nicht verloren geht und der Verein ganz durchgereicht wird.

Wie wird sich das Aufstiegsrennen entwickeln?

Es bleibt spannend bis zum Schluss. St. Pauli ist auf jeden Fall dabei. Abwarten, was mit Darmstadt und Regensburg, mit Nürnberg und Heidenheim wird. Auch HSV, Schalke und Werder kommen ganz nach oben und reden in der Endphase ein kräftiges Wort mit.

Und die Fortuna? Wie lautet das Saisonziel?

Wir streben die besagte Konstanz in unserem Spiel an, um in andere Tabellenregionen zu gelangen. Wichtig wird sein, dass wir nicht die Nerven verlieren und in Aktionismus verfallen.

Das Gespräch führte Hans-Günter Klemm.

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