Mit dem VfB Stuttgart in Bremen Dutt? War da was?

Robin Dutt trainierte die Werderaner von Juni 2013 bis Oktober 2014. Vom Wirken des einstigen Schaaf-Nachfolgers, der mit dem VfB nun in Bremen spielen muss, ist wenig bis nichts bei Werder geblieben.
01.05.2016, 00:00
Lesedauer: 5 Min
Zur Merkliste
Dutt? War da was?
Von Marc Hagedorn

Robin Dutt trainierte die Werderaner von Juni 2013 bis Oktober 2014. Vom Wirken des einstigen Schaaf-Nachfolgers, der mit dem VfB nun in Bremen spielen muss, ist wenig bis nichts bei Werder geblieben.

Vom Arbeitseifer des Trainers Robin Dutt erzählen sie sich bei Werder noch heute. Von früh morgens bis spät abends hätten Dutt und sein Trainerteam im Weserstadion gehockt, heißt es – mit Ausnahme des Montags, dann war der damalige Werder-Trainer Dutt immer in Stuttgart bei Frau und Tochter.

An den meisten anderen Tagen aber saßen Dutt sowie seine Assistenten Damir Buric und Marco Langner in ihren Büros und schmiedeten akribisch Taktik-Pläne, analysierten unzählige Spiele auf Video und tüftelten an Konzepten, die sie in ihre PCs hackten. Wie eine Computerzentrale mit unzähligen technischen Hilfsmitteln hätten die Trainerräume zu der Zeit ausgesehen, schildern Mitarbeiter im Rückblick. Geblieben ist davon nichts. Die Trainerkabuffs unter der Ostkurve sind inzwischen wieder so schlicht ausgestattet wie in der Zeit vor Robin Dutt.

Das Beispiel von den Trainerbüros verrät einiges über die Monate zwischen Juli 2013 und Oktober 2014, also die Zeit, in der Dutt bei Werder wirkte. Dutt hat bei Werder einige Dinge versucht, die nach mehr als 14 Jahren Thomas Schaaf damals überraschten. Dutt war der Mann von außen, der Zugereiste, der Fußball-Intellektuelle. Und es sah kurzzeitig fast so aus, als sollten die Impulse, die er setzte, ihre Wirkung zeigen. Wenn man sich allerdings heute bei Werder auf die Suche nach Spuren aus der Dutt-Zeit macht, findet man nicht viel. Man könnte auch sagen: gar nichts.

Viel mehr Dramatik geht nicht

Es ist schon eine spannende Sache, dass sich die Wege von Robin Dutt und Werder am Montag wieder einmal kreuzen. Dutt kommt ins Weserstadion. Als Sportvorstand des VfB Stuttgart. Zu einer Art Abstiegsendspiel. Dutts VfB kann dafür sorgen, dass Skripniks Werder nach diesem Spiel noch größere Sorgen haben wird, bevor es in die beiden letzten Bundesliga-Spieltage dieser Saison geht. Viktor Skripnik, das weiß natürlich jeder, ist Dutts Nachfolger als Werder-Trainer. Viel mehr Drama bietet kein Seifenoper-Drehbuch.

Lesen Sie auch

Robin Dutt hat Anfang der Woche gesagt, dass er lieber nichts über seine knapp eineinhalb Werder-Jahre sagen möchte. „Wenn wir in einer anderen Situation wären, würde ich gerne über meine Bremer Zeit sprechen“, hat er mitgeteilt. „Jetzt geht es aber nicht darum, dass ich eine Bremer Vergangenheit habe. Jetzt geht es darum, einen Konkurrenten zu schlagen.“ Totale Fokussierung auf die anstehende Aufgabe nennen Sportler dies.

Aber selbst wenn Dutt gesprochen hätte, wären mit ziemlicher Sicherheit keine bösen Worte gefallen. Dutt ist keiner, der öffentlich nachkartet, das hat er nach seiner Entlassung im Oktober 2014 schon nicht getan. Dutt ist intelligent, anständig und rhetorisch begabt genug, jetzt verbal kein Öl ins Feuer zu gießen. Und es stimmt ja: Die Lage ist auch so schon ernst genug. Für Werder wie für Dutt und den VfB.

Schlechte Bilanz bei Werder

Dutt ist seit Anfang 2015 Sportchef in Stuttgart. Er hat in dieser Zeit mit dem Trainer Huub Stevens in beeindruckender Manier den Klassenerhalt geschafft. Er ist mit dem Stevens-Nachfolger Alexander Zorniger (und dessen Idee vom Fußball) grandios baden gegangen. Danach hat er Jürgen Kramny als Trainer installiert, und wochenlang sah es so aus, als habe er alles richtig gemacht. Der VfB eilte von Sieg zu Sieg und spielte wieder schönen Fußball. Seit einigen Wochen aber reiht das Kramny-Team nun schon Niederlage an Niederlage, und schönen Fußball hat man vom VfB auch schon länger nicht mehr gesehen.

So uneinheitlich wie seine Bilanz als Stuttgarter Sportvorstand fällt auch Dutts Bilanz als Werder-Trainer aus. Wer nach gerade einmal 16 Monaten als Tabellenletzter entlassen wird, darf als gescheitert gelten. Dutt ist es so in Bremen ergangen. Allerdings sollte man nicht vergessen, in was für einer Phase Dutt zu Werder kam. Kurz zuvor war Trainer-Legende Thomas Schaaf abgetreten, Werder hatte sich in Schaafs letzter Saison erst einen Spieltag vor Schluss mit Ach und Krach gerettet. Danach gab der Klub seine beiden besten Spieler ab: Sokratis und Kevin De Bruyne.

Dutt führte eine nominell schwächer besetzte Mannschaft nach zwölf wechselvollen Monaten deutlich souveräner als Schaaf ins Ziel: auf Platz zwölf, und der Klassenerhalt stand bereits drei Spieltage vor Schluss definitiv fest, gefühlt war Werder seinerzeit sogar noch ein bisschen früher gesichert. Mielitz und Wolf fürs Tor, Caldirola, Prödl und Lukimya für die Innenverteidigung, Hunt, Junuzovic, Makiadi, Kroos und Ekici fürs Mittelfeld, Elia, Petersen und Di Santo im Sturm, das war Dutts Kerntruppe – es gibt nicht wenige Experten, die Werders jetzige Mannschaft mit Vestergaard, Djilobodji, Grillitsch, Junuzovic, Pizarro und Ujah für stärker besetzt halten. Trotzdem ist Werder mit der aktuellen Mannschaft seit Sonnabend Vorletzter.

Dutts Problem war, dass dem Jahr der Konsolidierung nicht der nächste Schritt folgte. Als es in der zweiten Dutt-Saison nach passablem Start plötzlich überhaupt nicht mehr lief, war das für viele Fans die Bestätigung, dass Dutt und Werder nicht zusammenpassten.

Den meisten Bremern blieb Dutt fremd

Diejenigen, die mit Dutt täglich zu tun hatten, sagen heute, dass Dutt sich durchaus bemüht habe, in Bremen Wurzeln zu schlagen und Teil von Werder zu werden. Aber dass seine Familie damals doch in Stuttgart geblieben ist, war dafür nicht hilfreich. Und dass er sich zum 100. Nordderby (und später noch ein paar Mal mehr an Spieltagen) einen grün-weißen Schal mit dem Aufdruck „Einmal Werder – immer Werder“ umlegte, fanden viele kalkuliert und zu demonstrativ. Die meisten Bremer wurden einfach nicht richtig warm mit diesem Dutt, der druckreif und klug formulieren kann, aber dadurch auch sehr kühl und glatt wirkte.

In Stuttgart ist Robin Dutt nicht unumstritten. Man lobt einerseits seine Ideen, den phasenweisen Erfolg, vermisst aber eine klare Linie über längere Zeit. Dutt hat alle Hände voll zu tun. Er muss kurzfristig darauf hoffen, dass der VfB die Klasse hält, und perspektivisch muss er daran arbeiten, eine neue Mannschaft zu formen. Daniel Didavi, der kreativste Spieler, wird den Verein in wenigen Wochen verlassen, auch der langjährige Leistungsträger Martin Harnik steht vor dem Abschied. Filip Kostic, die zweite VfB-Perle neben Didavi, wird von anderen Klubs heiß umworben. Und das sind nur die auffälligsten Baustellen.

Umso mehr stört es, wenn sich Dutt dann auch noch um Nebenkriegsschauplätze kümmern muss. In dieser Woche etwa machte eine unappetitliche Geschichte Schlagzeilen. Per Anwalt wehrte sich der Verein gegen Behauptungen eines VfB-Bloggers. Der im Internet kolportierte Vorwurf lautete: Dutt habe den ukrainischen Wintereinkauf Artem Kravets vor dessen Verpflichtung nicht live beobachtet. Dutt sagt, er habe den Spieler sehr wohl vor Ort in einem Spiel gesehen. Wie auch immer: Eine halbe Million Euro Leihgebühr überwies der VfB vor Rückrundenbeginn an Kravets‘ Klub Dynamo Kiew. Viel Geld für einen Spieler, der sportlich beim VfB überhaupt keine Rolle spielt.

Als hätte Robin Dutt nicht auch so schon genug Sorgen.

Jetzt sichern: Wir schenken Ihnen 1 Monat WK+!
Mehr zum Thema
Lesermeinungen

Das könnte Sie auch interessieren

Einwilligung und Werberichtlinie

Ich erkläre mich damit einverstanden, dass die von mir angegebenen Daten dazu genutzt werden, regelmäßig per E-Mail redaktionelle Inhalte des WESER-KURIER seitens der Chefredaktion zu erhalten. Die Daten werden nicht an Dritte weitergegeben. Ich kann diese Einwilligung jederzeit formlos mit Wirkung für die Zukunft widerrufen, z.B. per E-Mail an widerruf@weser-kurier.de.
Weitere Informationen nach Art. 13 finden Sie unter https://www.weser-kurier.de/datenschutz

Schließen

Das Beste mit WK+