Vertragspoker mit dem Werder-Sportchef Eichin-Diskussion wird zum Ärgernis

Nach wie vor gibt es keine Entscheidung über die Zukunft von Thomas Eichin. Und eine Einigung im Vertragspoker zwischen Werder und seinem Sportchef ist auch nicht in Sicht.
13.09.2015, 00:00
Lesedauer: 3 Min
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Eichin-Diskussion wird zum Ärgernis
Von Marc Hagedorn

Thomas Eichin hat seinen Kurzurlaub auf Sylt beendet, seit ein paar Tagen arbeitet er wieder. Am Freitag hat er sich das Zweitligaspiel Kaiserslautern gegen Freiburg angeschaut, am Sonnabend war er erst bei der Partie Karlsruhe gegen Union Berlin und anschließend noch bei Frankfurt gegen Köln. Mangelnden Einsatz in Sachen Fußball kann man dem Geschäftsführer von Werder Bremen also nicht vorwerfen.

Trotzdem kommt in eine zentrale Bremer Vertragsangelegenheit seit Monaten keine Bewegung. Eichin wartet noch immer auf einen neuen Vertrag für die Zeit nach dem 30. Juni 2016. Nur noch bis dahin ist die Zusammenarbeit zwischen Klub und Geschäftsführer gesichert.

Nun hat die „Bild“ berichtet, dass Werders Aufsichtsrat um Marco Bode dem Geschäftsführer Eichin eine Verlängerung um ein Jahr anbieten will. Eine Bestätigung dafür war am Sonnabend nicht zu bekommen. Alle Beteiligten schweigen. Eichin sagt nur: „Ich sage nichts zu dem Thema.“ Wer Eichin kennt, der weiß allerdings, dass eine Vertragsverlängerung bis 2017 absolut nicht das wäre, was ihm vorschwebt.

In der Bundesliga ist es üblich, dass Führungspersonal mit langfristigen Verträgen ausgestattet wird, in der Regel mit Zwei-, meist aber mit Drei-Jahres-Verträgen. Eintracht Frankfurt etwa verlängerte 2014 um zwei Jahre mit Bruno Hübner, Gehaltserhöhung inklusive. Damit ist klar, was jetzt in Bremen passiert: Der Poker geht in die nächste Runde. In der neuen Woche, so viel verriet Eichin immerhin, werde man reden.

Bedenken im Aufsichtsrat

Es ist eine merkwürdige Situation: Eichin will bei Werder bleiben, und auch seine Kollegen in der Geschäftsführung, Präsident Dr. Hubertus Hess-Grunewald („Thomas Eichin tut uns gut“) und der Vorsitzende Klaus Filbry („Ich würde mir wünschen, dass der Aufsichtsrat mit ihm verlängert“), haben sich längst klar positioniert. Die Bedenken gibt es im Aufsichtsrat. Dort wird man mit dem Typen Eichin nicht so recht warm.

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Und es stimmt ja. Eichin wirkt für viele alteingesessene Werderaner wie ein Durchreisender. Er hält sich aus allem Bremer Klein-Klein raus. Man sieht ihn selten bei städtischen Veranstaltungen, auf Empfängen oder in den Cafes und Restaurants dieser Stadt. Eichin kennt die Vorwürfe. Seine Meinung: Er ist in Bremen, um Werder voranzubringen und nicht, um Teil der Bremer Gesellschaft zu sein.

Auch seine zupackende, forsche, bisweilen polarisierende Art kommt nicht bei allen gut an. Eichin weiß auch das, es macht ihm aber nicht allzu viel aus. Er will nicht beliebt sein, will sich bei Entscheidungen nicht erst in alle Richtungen absichern müssen. Er macht einfach. Er ist dabei Leuten auf die Füße getreten, er musste Sparmaßnahmen durchsetzen, er hat das Scouting, die Nachwuchsarbeit und die medizinische Abteilung umgebaut beziehungsweise ausgetauscht. Dabei hat es Verlierer und Enttäuschte gegeben.

Unterm Strich positive Bilanz

Reicht das, um mit Eichin monatelang über dessen Zukunft diskutieren zu müssen? Natürlich geht es auch ums Geld. Eichin – bei seiner Vorstellung in Bremen Anfang 2013 ein Neuling im Fußball-Management und entsprechend bezahlt (es ist die Rede von 300.000 Euro) – will eine Anhebung seiner Bezüge auf das Doppelte, heißt es.

Eichins Arbeit als Geschäftsführer Sport ist nicht ohne Makel, er hat auch daneben gelegen bei Personalentscheidungen, aber unterm Strich fällt die Bilanz positiv aus. Er hat den Spieleretat angepasst, sprich reduziert. Und er hat Erlöse für das Sturmduo Selke/Di Santo in Höhe von 14 Millionen Euro erzielt. Kein Geld gab es dagegen für die einstmals sehr teuer eingekauften Eljero Elia (aus der Ära Allofs) sowie Ludovic Obraniak und Cedrick Makiadi, für deren Verpflichtung Eichin verantwortlich war. Immerhin spart Werder nun das Gehalt dieser drei Profis. Und selbst wenn der Pizarro-Deal eine Idee des Trainerteams gewesen sein soll, so waren es Eichin und sein Kollege Rouven Schröder, die den Wechsel des Peruaners über die Bühne gebracht haben.

Ob dies reicht, damit Werders Aufsichtsrat mit Eichin zu dessen Vorstellungen verlängert, müssen die nächsten Tage zeigen. Damit ist klar: Fortsetzung folgt.

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